Ich gehe nunmehr davon aus: ich lebe in einem Land, in dem etwas mehr als 1/3 von etwa 2/3 der Wahlberechtigten dumpfe ausländerfeindliche Parolen entweder mit Zustimmung wählen oder zumindest bewusst tolerieren und nicht ablehnen.
Denn auch, wenn es in den Medien jetzt plötzlich heißt, Kochs Wahlkampfthema sei „Jugendkriminalität“ gewesen, weil man sich nicht zu trauen scheint, das zu sagen, was jeder verstanden hat, auch wenn „formaljuristisch“ das „so ja niemand gesagt hat“ – Kochs Wahlkampf baute in meinen Augen überdeutlich auf Stimmung und Ressentiments gegen Ausländer und Vorurteile, die (wie ja auch nachgewiesen wurde) mit der Realität nichts zu tun haben.
Natürlich ist das dann gern mal ein „Missverständnis“ oder gar „böse Unterstellung“. Formal ist ein „Der muss sich nicht wundern, wenn man ihm eine in die Fresse haut“ auch keine Aufforderung dazu, jemandem tatsächlich eine reinzuschlagen – aber wenn ich das in einem bestimmten Ton und Setting sage ist es eindeutig, was ich mit dem was ich sage meine, auch wenn ich das nicht formal so sage.
Kochs Wahlkampf war in meinen Augen was das betraf nicht im geringsten subtil, sondern es war diesmal so offensichtlich, dass selbst der „Wohlwollendste“ das diesmal nicht mehr ignorieren oder schönreden konnte. Ich denke, dass Koch auch genau deshalb diesen Haufen an Wählern, die er das letzte mal noch hatte, verloren hat. Und ich denke deshalb auch, dass die, die ihn jetzt dennoch wählten, dies genau deshalb und in vollem Bewusstsein, was sie da wählen, getan haben. Da braucht sich diesmal wirklich keiner rauszureden versuchen.
Und ich weiß nicht, ob ich ob dieses dumpfen Potentials erschreckt sein soll oder es mich freuen soll, dass es scheinbar doch weit weniger Menschen gibt, die dumpfe Ressentiments und Vorurteile teilen und goutieren als es vor fünf Jahren den Anschein hatte.
Ich geh‘ jetzt kurz kotzen und dann auf die Arbeit. Gehabt euch wohl.