Archiv des Monats: Februar 2011

DE-Mail?

Vor einiger Zeit erwähnte ich ja schon mal, warum ich mich nicht bei „E-Post“ anmelden werde. Jetzt wurde das sozusagen „Original“ beschlossen: die „DE-Mail“.

Neben ähnlichen rechtlichen Problemen wie bei der „E-Post“ – vor allem wieder der Blödsinn der rechtsverbindlichen Zustellung, die bedeutet, wenn ich im Urlaub bin und keine Frist verpassen will, dass ich jemandem den Zugriff auf das gesamte Konto geben müsste, während es beim Briefkasten reicht, dem Nachbarn den Briefkastenschlüssel zu geben, um genau nur die paar Briefe ungeöffnet einzusammeln und ggf. mal anzurufen, wenn was „amtlich“ ausschaut – und nicht gleich den Wohnungsschlüssel plus ein Stapel Blankounterschriften und Zugriff auf sämtliche abgeheftete Post, die ich jemals bekommen und geschrieben habe …

[…] falls ein Bürger eingewilligt habe, seine Verwaltungsverfahren ausschließlich digital abwickeln zu lassen, gelte eine De-Mail analog zum Briefverkehr ebenfalls nach drei Tagen als zugestellt.[…] (heise.de)

…gibt es vor allem ein Killerargument: DE-Mail ist eben gerade nicht wirklich sicherer als normale E-Mail, die nicht verschlüsselt wird. Wenn ich das richtig verstehe, wird mein Brief beim Postamt aus seinem Kuvert rausgeholt und in ein anderes gesteckt (das dafür sorgt, dass zumindest während des Transports niemand mitlesen kann), und das selbe passiert dann nochmal bei der Poststelle des Empfängers, wo es quasi der Briefträger ist, der den Brief öffnet und aus dem Kuvert holt bevor er den Brief ohne dieses in den Briefkasten wirft. Irgendwie so.

DE-Mail möchte laut eigener Aussage E-Mails „Dokumentenecht“ machen und behauptet dafür eine Sicherheit, wie man sie vor Jahren mal bei Briefpost hatte. Nur, dummerweise: diese Sicherheit existiert nicht nur nicht, nein, sie wurde bewusst weggelassen. Man konnte sie also nicht nur nicht, man will sie explizit nicht:

„Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gefährdet das gesamte Ziel von De-Mail, die einfache – und ohne spezielle Softwareinstallation mögliche – Nutzbarkeit durch die Bürger“ (Golem.de)

Heißt also: damit der blöde Bürger das auch brav nutzt behaupten wir einfach mal, dass es sicher sei, das ist ja auch billiger und weniger umständlich, als es tatsächlich sicher umzusetzen. Das Argument ist in etwa so logisch, wie im Auto das Bremspedal wegzulassen mit der Begründung, dass es das Fahren leichter mache, weil das mit den drei Pedalen und nur zwei Füßen für viele zu kompliziert empfunden werde, und damit die trotzdem Autos kaufen…. (und komm mir keiner mit „Automatik“ o.ä., in diesem Vergleichsszenario gibt es sowas nicht)

Ich sehe keinen Grund, den ersten Teil des Satzes nicht überdies alleinstehend verstehen zu wollen: dass eine Verschlüsselung das Ziel von DE-Mail in seiner Gesamtheit gefährde. Ich unterstelle, dass man sich tatsächlich nicht „traut“, bzw. – mal wieder – seinen Bürgern nicht traut – eine vor willkürlichem Zufriff wirklich sichere Kommunikationsmöglichkeit anzubieten. Ich sehe das schlicht so: Man möchte explizit mitlesen können. Und vielleicht sogar mitschreiben.

Nein, ich halte nicht mich in dem Fall nicht für paranoid sondern die Regierung, die so etwas beschließt, denn in den letzten Jahren haben sämtliche Regierungen (schwarz, gelb, rot und grün gleichermaßen, den alle haben entsprechende Gesetze beschlossen) zur Genüge belegt, was sie von solchen Prinzipien wie „Unschuldsvermutung“ und ähnlichem halten, dass sie am liebsten (immer noch) per Vorratsdaten jeden einzelnen ihrer „Untertanen“ nachverfolgen und kontrollieren würden.

Was man schon nur mit einem Bruchteil der Daten, die eine VDS sammeln würde, anstellen kann haben Malte Spitz und ZEIT ONLINE ja erst vor ein paar Tagen erschreckend deutlich demonstriert.

Denn das ist in meinen Augen der einzige logische Grund, der mir bleibt, warum entgegen aller Beteuerungen, eine „sichere“ Alternative zur üblichen E-Mail anbieten zu wollen, die jetzt vorliegende Form der Pseudo-Verschlüsselung beschlossen wurde, die Sicherheit vortäuscht, aber nicht im mindesten an die Sicherheit rankommt, die jeder Mail-Nutzer schon seit Jahren haben kann, wenn er seine Mails einfach mit PGP oder ähnlichem verschlüsselt. Denn sonst hätte man es einfach anders beschließen können, und fertig. Auf anderen Gebieten kümmert es den Staat ja auch einen feuchten Dreck, ob seine Bürger mit dem Zeug zurechtkommen, dass er ihnen aufs Auge drückt. Und hier wird plötzlich „Rücksicht“ auf eine unterstellte Unfähigkeit genommen, einfach nur ein Progrämmchen zu installieren? Ja nee, is klar.

Vor einem System, das nicht nur so tut, sicher zu sein, es aber nicht ist, nein, es explizit nicht sein will, mich aber in rechtliche Verpflichtungen nimmt, die eine solche Sicherheit als Mindestvoraussetzung haben müssten, um überhaupt in Erwägung ziehen zu können, sich darauf einzulassen, kann man nur warnen und empfehlen, tunlichst die Finger davon zu lassen. Ich soll rechtsverbindliche Konversationen führen, bei denen ich mir nicht sicher sein kann, dass da nicht wer mitliest oder gar drin rumpfuscht? Und – das ist ja noch die größte Frechheit: auch noch Geld für diesen Schmuh bezahlen?

Wisst ihr was? Ich mach ja jeden Scheiß mit in diesem „Internet“. Aber DE-Mail macht ihr mal schön ohne mich.

 


Held sein.

Judith von den Helden gibt die einzig richtige Antwort auf Jung von Matts Anfrage, ob sie bzw. „Wir sind Helden“ nicht Werbung für die BILD machen wollen:

„Ich glaub es hackt!“

Und begründet dies deutlich:

[…]Die BILD -„‹Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-„‹Kulturgut und kein harmloses „Guilty Pleasure“ für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-„‹Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -„‹Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument „” nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.[…]

Und ich unterschreibe das Wort für Wort. Und bedaure all die Zyniker, die hinter dieser Replik ihrerseits nur einen PR-Trick zur Selbstvermarktung vermuten können. In deren Welt voller Misstrauen und Missgunst leben zu müssen, in der nichts und niemand mehr ohne Hintergedanken möglich scheint wäre mir ein Grauen. Arme Schweine.

(Die Helden-Seite ist im Moment völlig überlastet. Sobald wieder ein Deeplink möglich ist werde ich den nachsetzen)

Nachtrag:

Die BILD schaltet also in der taz eine ganzseitige Anzeige, in der sie Judiths Brief abdruckt und für ihre eigene Werbung missbraucht. Nicht überraschend, dass die BILD versucht, das Spiel weiterzuspielen, und erfrischend, dass „Wir sind Helden“ sich entschieden, über dieses Stöckchen nicht zu springen und sich auf kein Ping-Pong-Spielchen einzulassen.

Enttäuschend allerdings die taz selber, die diese Anzeige allen Ernstes abdruckt. Folgerichtig ist „Interessant übrigens, dass sich die taz dafür zur Verfügung stellt“ in meinen Augen der wichtigste Satz in diesem Interview.

Die taz hatte die seltene Wahl, sich als „Helden“ oder „Mediennutten“ zu erwiesen. Und hat sich für letzteres entschieden. Die taz hat damit ihre Seite gewählt: das System. Speziell: das System „BILD“. Damit weiß ich nun, was vom regelmäßigen BILD-Bashing der taz zu halten ist: ein gegenseitiges kalkuliertes „Win Win“. Und was von dem Image des „alternativen“ Mediums: Nichts. Gut zu wissen.

 


Video: Born free

Ist schon etwas älter. Aber weil grad mal wieder jemand meinte, unbedingt rassistische Ideologien als „Meinung“ zu verniedlichen und unbedingt dann als eine angebliche solche als „schützenswert“ erachtete, und auch, weil die Sarrazins und ähnliche nach wie vor „anders sein“ als zu bekämpfenden Makel zu brandmarken versuchen anstatt zu erkennen, dass Vielfalt immer ein „Mehr“ für alle ist und niemals ein „Verlust“ sein kann, dachte ich mir, ich sollte das mal wieder featuren.

Weil wegsehen und damit tolerieren von jeglichem rassistischem Denkmuster im Glauben, dass es einen ja nicht beträfe so ziemlich das dümmste ist, das man machen kann. Denn Rassismus als Muster ist willkürlich: wer heute nicht betroffen ist kann morgen schon das nächste Ziel sein. Und wenn es nur wegen seiner Haarfarbe ist.

(Achtung: das Video ist nichts für schwache Nerven. Und für Kinder wohl auch eher nicht geeignet!)

(Direktlink zum Video auf Vimeo)

M.I.A, Born Free from ROMAIN-GAVRAS on Vimeo.

 


FAWM 2011

Auch dieses Jahr ist wieder „February Album Writing Month“. Und auch dieses Jahr machen Karan und Duke wieder mit.

Und diesmal ich auch.

Habe zwar eigentlich keine Zeit dafür, weil der Februar jobtechnisch einer der stressigstenund zeitaufwändigsten im Jahr ist, somit werde ich wohl auf keinen Fall 14 Tracks fertig bekommen sondern dürfte froh sein, wenn ich überhaupt die Hälfte davon schaffte, aber egal, das macht einfach so viel Spaß, und eine Handvoll Songs sind besser als gar keiner – und auch besser als wieder nur zuzugucken, wie Karan und Duke einen Song nach dem anderen raushauen 🙂

Es ist jedenfalls schon ein bissl was zusammen gekommen. Und wird sicher noch mehr.