{"id":1000,"date":"2015-03-27T18:18:22","date_gmt":"2015-03-27T17:18:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.svenscholz.de\/?p=1000"},"modified":"2015-03-28T19:38:13","modified_gmt":"2015-03-28T18:38:13","slug":"aufmerksamkeitsoekonomie-in-zeiten-der-empoerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/aufmerksamkeitsoekonomie-in-zeiten-der-empoerung\/","title":{"rendered":"Aufmerksamkeits\u00f6konomie in Zeiten der Emp\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p>Auf Facebook postete <a href=\"http:\/\/brainblogger.de\/\" target=\"_blank\">Patrick Breitenbach<\/a> gestern <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/breitenbach2\/posts\/10153243467729052\" target=\"_blank\">folgenden Gedanken<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Jede Emp\u00f6rung hat das eigentliche Objekt der Emp\u00f6rung durch meine Timeline bei mir ins Bewusstsein gepostet. Ich h\u00e4tte ohne eure Emp\u00f6rung vermutlich weder &#8222;Post von Wagner&#8220; noch den Welt-Artikel gelesen. #aufmerksamkeits\u00f6konomie<\/p><\/blockquote>\n<p>Anlass waren zwei konkrete uns\u00e4gliche &#8222;Artikel&#8220; in den Springerprodukten &#8222;BILD&#8220; und &#8222;WELT&#8220; rund um die Trag\u00f6die des Germanwings-Flugzeugabsturzes in Frankreich (die ich bewusst nicht verlinke, sie sind auch f\u00fcr das Folgende nicht relevant), die offenbar durch die Timelines der sozialen Medien gereicht wurden, zumeist mit einem Ausdruck der Emp\u00f6rung oder des Ekels, aber dennoch mit Link zu den jeweiligen Artikeln.<\/p>\n<p>Im Lauf der Kommentierung sch\u00e4lte sich Patricks Kritikpunkt folgenderma\u00dfen heraus (so wie ich es verstanden habe): <\/p>\n<p>Massenhafte Verlinkungen dieser und \u00e4hnlicher &#8222;Aufreger&#8220; nutzen den Medien, die man eigentlich kritisieren m\u00f6chte, da diese Backlinks erst die Klicks, die die W\u00e4hrung speziell von Online-Medien darstellen, generieren und diesen Artikeln bzw. deren H\u00e4usern erst recht Relevanz geben. <\/p>\n<p>Dazu muss man freilich wissen, dass eine Webseite, die entsprechend hohe Aufrufzahlen nachweisen kann, mit diesen Zahlen den Preis ihrer Werbefl\u00e4chen rechtfertigt. Es entsteht da also tats\u00e4chlich ein sehr konkreter auch monet\u00e4rer Nutzen f\u00fcr solche Seiten.<\/p>\n<p>Das war mir aus dem Ursprungsposting noch nicht erschlie\u00dflich, denn da gings ja erst mal nur darum, dass er diesen M\u00fcll gar nicht gesehen h\u00e4tte und somit auch nichts zum &#8222;Erfolg&#8220; dieser Artikel bzw. Websites beigetragen h\u00e4tte. <\/p>\n<p>Mal au\u00dfen vor gelassen, dass die Entscheidung, den Link wirklich zu klicken, ja die seine ist &#8211; ich klicke z.B. die &#8222;Briefe von Wagner&#8220; nie an. Auch wenn ich <a href=\"http:\/\/jensscholz.com\/\" target=\"_blank\">Jens<\/a>&#8218; gro\u00dfartigen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tweetsvonwagner\" target=\"_blank\">@tweetsvonwagner-Twitter<\/a> regelm\u00e4\u00dfig lese. Und trotzdem wei\u00df ich meist, was dort oder in anderen so geteilten Artikeln drinsteht, da es neben den von Patrick kritisierten &#8222;Emp\u00f6rungslinks&#8220; &#8211; also Links, die auf das Original nur mit einem &#8222;Unfassbar!&#8220; oder &#8222;Das ist die H\u00f6he!&#8220; verlinken &#8211; gen\u00fcgend andere gibt, die sich tats\u00e4chlich kritisch-inhaltlich mit solchen Artikeln auseinandersetzen und dazu nat\u00fcrlich entweder Zitate bringen oder quasi nacherz\u00e4hlen, was da wohl zu lesen st\u00fcnde. Ich nenne hier nur mal das <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/\" target=\"_blank\">BILDblog<\/a>, aber das ist freilich nicht das einzige Blog oder Medium.<\/p>\n<p>Letztlich aber geht es Patrick um die berechtigte Frage, ob man mit solcherlei Aufmerksamkeit, die durch die Emp\u00f6rung \u00fcber solche und \u00e4hnliche Artikel, auch zu anderen Anl\u00e4ssen oder Themen, nicht erst die Aufmerksamkeit &#8211; und damit Relevanz &#8211; generiert, die diesen Medien zugesprochen wird. Und ob man solche Artikel &#8211; oder solches Gebahren &#8211; nicht besser &#8222;austrocknen&#8220; sollte, indem man sie ignoriert und ihnen eben bewusst keine Aufmerksamkeit schenkt. <\/p>\n<p>Die These w\u00e4re also: ein &#8222;Brief von Wagner&#8220; w\u00fcrde in der Irrelevanz versinken, w\u00fcrden nicht hunderte Menschen emp\u00f6rt auf das letzte Machwerk dieses Menschen verlinken. &#8222;Don&#8217;t feed the Troll&#8220; quasi auf Medien \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Ich stimme dieser These teilweise zu, teilweise nicht. Ja, es gibt F\u00e4lle, auf die das zutrifft und f\u00fcr die Ignorieren tats\u00e4chlich die zielf\u00fchrendste Reaktion w\u00e4re. Und ja, in den seltensten F\u00e4llen ist es n\u00f6tig, ein Original zu verlinken und diesem damit Klicks zuzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Aber ein weiterer IMO wichtiger Aspekt bei der Wahrnehmung von Dingen, die in der \u00d6ffentlichkeit stehen, hei\u00dft &#8222;Schweigen ist Zustimmung&#8220; &#8211; ihr Publikum (oder \u00fcberhaupt das Publikum von allgemein zweifelhaften Dingen wie der BILD an sich, das ist ja nicht nur der Wagner, der alleine ja v\u00f6llig irrelevant ist, oder eben allgemein medialer Fehlgriffe, bewusst oder &#8222;aus Versehen&#8220;) erreichen diese Leute\/Medien ja erst einmal trotzdem, und zwar mit durchaus \u00d6ffentlichkeit in entsprechender Breitenwirkung. <\/p>\n<p>(Zu) viele Menschen lesen den Dreck ja auf jeden Fall. Und solange selbst eine Tagesschau sich nicht davor ekelt, eine BILD-Zeitung als Quelle f\u00fcr eine &#8222;Information&#8220; anzugeben machen IMO ein paar Links zuviel es nicht fett, auch wenn auch ich mir w\u00fcnschen w\u00fcrde, die Leute w\u00fcrden das nicht nur mit einem emotionalen Ausdruck verlinken sondern inhaltlich kritisieren. Und ja, noch besser, auf einen Link tats\u00e4chlich verzichten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Medialen &#8222;Fehlleistungen&#8220; allerdings nicht zu widersprechen, ebenso \u00f6ffentlich wie so eine Ver\u00f6ffentlichung selbst es ja auch ist, w\u00fcrde aber etwas dort, in der \u00d6ffentlichkeit, so stehen lassen. Und zwar ohne einem Rezipienten der Zielgruppe zu sagen &#8222;Hey, du kannst den Dreck ja lesen, aber sei dir bewusst, es gibt einen Haufen Leute, die das f\u00fcr Dreck halten, und sie haben gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr! Denk mal dr\u00fcber nach, ob du diesem Artikel wirklich zustimmst. Und dann denk mal dar\u00fcber nach, ob du dir in Zukunft weiterhin diesen Dreck reinpfeifen willst und denen daf\u00fcr auch noch Geld gibst!&#8220;. <\/p>\n<p>Oder demjenigen, der es ver\u00f6ffentlicht hat, zu zeigen &#8222;Ich sehe, was du getan hast! Und ich wei\u00df, dass du wei\u00dft, was du getan hast, egal, mit welcher zynischen Rechtfertigung du dein Gewissen beruhigen willst! Ich sehe es und viele andere sehen es auch! Du bist nackt, Kaiser!&#8220;<\/p>\n<p>Dass sich das manchmal leider bei\u00dft, technisch bedingt, mit dem &#8222;Erfolgsma\u00dfstab&#8220; Klickanzahl, das ist ein Teil, in dem ich Patrick wie gesagt absolut Recht gebe. Das ist ein ein Problem, und um diesen Effekt so weit wie m\u00f6glich so zu minimieren, dass er zumindest hinter dem Effekt des eigentlichen Widerspruchs zur\u00fccksteht, erfordert es in der Tat ein wenig \u00dcberlegung und Impulskontrolle. <\/p>\n<p>Ich verlinke deshalb bei sowas nie direkt auf z.B. solche Artikel sondern eben auf welche, die sich damit besch\u00e4gtigen, also BILDblog oder andere Blogs, einen Kommentar, ein Posting o.\u00e4. (oder im speziellen Fall den &#8222;tweetsvonwagner&#8220;-Twitter-Account, der den Irrsinn so komprimiert, dass man schon v\u00f6llig merkbefreit sein muss, um ihn nicht zu erkennen), so dass m\u00f6glichst ein Sachkontext gegeben ist und idealerweise es nicht notwendig ist, einen &#8222;Klickgewinn&#8220; f\u00fcr den Gegensatnd der Kritk zu generieren.<\/p>\n<p>Die Kritik an etwas, das in die \u00d6ffentlichkeit gesendet wird und dort Wirkung entfaltet unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit zu \u00e4u\u00dfern (Indem man den Autor direkt anschreibt, oder eine Redaktion) jedenfalls ist IMO nicht zielf\u00fchrend, wenn es eben um die Frage auch nach Standards f\u00fcr Dinge geht, die f\u00fcr die und in der \u00d6ffentlichkeit wirkm\u00e4chtig sein wollen und genau daf\u00fcr intendiert sind. Auf jeden Fall nicht bei Medien, die notorisch darin sind, jegliche ethischen Mindeststandards zu missachten. Denen geht das am Arsch vorbei, weil mans ja nicht sieht und damit keine Gefahr besteht, dass andere auf die Kritikw\u00fcrdigkeit des eigenen Tuns ebenfalls aufmerksam werden. <\/p>\n<p>In F\u00e4llen, bei denen man einen &#8222;Ausrei\u00dfer&#8220; vermuten darf mag das anders sein. Auch hier kommt es immer ein wenig auf den Fall und den Kontext an.<\/p>\n<p>Am Ende ist es aber immer ein Abw\u00e4gen. Man wird keine ideale L\u00f6sung (Im Sinne von &#8222;Aufmerksamkeit aufs Problem ohne Wirkung auf den aufmerksamkeits\u00f6konomischen Effekt&#8220;) bekommen. <\/p>\n<p>Bei manchen, ja, w\u00e4re Ignorieren tats\u00e4chlich eine effektive Methode. Das sind leider relativ wenige, aber bei denen w\u00fcnschte auch ich mir, dass man diese \u00fcber den Weg des &#8222;alleine stehen lassens&#8220; irrelevant l\u00e4sst. Das sind F\u00e4lle, die f\u00fcr sich genommen &#8211; also in der Sache &#8211; tats\u00e4chlich auch erst mal irrelevant w\u00e4ren und ihre vermeintliche Relevanz erst durch die emp\u00f6rte Aufmerksamkeit bekommen. Und ja, leider passiert es in diesen F\u00e4llen auch zu oft, dass Aufmerksamkeit erst geschaffen wird, weil man sie emp\u00f6rt verlinkt.<\/p>\n<p>Wenn die Aufmerksamkeit durch die Sache selbst aber schon von vornherein gegeben ist, kann man etwas nicht im umgekehrten Falle in die Irrelevanz &#8222;zur\u00fcck&#8220; schubsen. Denn es ist kein &#8222;zur\u00fcck in die Irrelevanz&#8220;, wenn sie dort nie war, weil etwas seine Relevanz durch seinen Inhalt oder Kontext bereits hat. Hei\u00dft, da &#8222;bekommt&#8220; etwas nicht erst Aufmerksamkeit. Sondern da begibt sich etwas in einen Aufmerksamkeitsbereich und hat an dieser Teil, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, ob jemand das ignoriert oder nicht.<\/p>\n<p>Hier sind dann kreativere M\u00f6glichkeiten der Auseinandersetzung gefragt. Die u.a. einerseits dem Umstand Rechnung tragen, dass ein relevanter Kontext bedeutet, dass Ignorieren oder au\u00dferhalb der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung agieren einen \u00f6ffentlichen Diskurs (z.B. um ethische Ma\u00dfst\u00e4be) wegen des &#8222;Schweigen ist Zustimmung&#8220;-Effektes nicht unterst\u00fctzt, wenn nicht sogar ihm schadet. <\/p>\n<p>Aber eben auch \u00f6konomische Effekte ber\u00fccksichtigen. Direkt, indem man eben nicht verlinkt. Indirekt, weil eine \u00f6ffentliche Emp\u00f6rung \u00fcber die Methoden der BILD &#038; Co. bei der BILD zwar nichts \u00e4ndern mag. Aber vielleicht bei manchen ihrer Leser. Oder bei anderen Medien, die sich bislang nicht entbl\u00f6deten, sich auf diese zu beziehen und ihr damit st\u00e4ndig und dauerhaft weit mehr Relevanz zuschanzen als es hundert emp\u00f6rte Links tun k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Man darf IMO den anderen Medien, die zumindest versuchen, Standards einzuhalten und wenigstens noch ein bisschen Anspruch haben, seri\u00f6s sein zu wollen, nicht den Eindruck vermitteln, dass ein Einhalten ethischer Ma\u00dfst\u00e4be nicht mehr &#8222;zeitgem\u00e4\u00df&#8220; sei, wie manche Medienvertreter tats\u00e4chlich argumentieren. Deshalb ist es IMO wichtig, diejenigen, die das noch tun, zu unterst\u00fctzen und denen, die es nicht tun, zumindest deutlich zu sagen: &#8222;Wir sehen, was ihr hier tut!&#8220; &#8211; Und damit denen, die in ihren ethischen Einsch\u00e4tzungen straucheln ein klares Bild davon anbieten, wo die Grenzen sind und ihnen deutlich machen, dass ein \u00dcberschreiten solcher Grenzen nicht schweigend hingenommen wird.<\/p>\n<p>Dass sich N24 versuchte, per Twitter f\u00fcr ihre &#8222;Berichterstattung&#8220; \u00fcber Name, Adresse und Zeigen des Hauses der Familie des Germanwings-Copiloten zu entschuldigen und gelobte, es in Zukunft anders zu machen, zeigt ja: so ein Feedback kommt durchaus an. IMO auch da, wo man sich wegduckt und nicht reagiert. Und egal, ob in dem speziellen Fall das nur geheuchelt sein mag oder wirklich ernst gemeint ist.<\/p>\n<p>Denn am anderen Ende sitzen auch immer Menschen. Einige von denen m\u00f6gen sich versuchen hinter einer Wand von Zynismus oder falsch verstandener &#8222;professionenellen Distanz&#8220; zu verstecken, um sich noch morgens im Spiegel ansehen zu k\u00f6nnen ohne vor Scham im Boden zu versinken. <\/p>\n<p>Aber wenn die Tagesschau auf Facebook ihre Zuschauer fragt, ob die von ihr bislang praktizierte Nichtnennung von Namen vielleicht &#8222;nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df&#8220; sei, da andere solches bewusst t\u00e4ten, weil diese Informationen ja sowieso von wiederum anderen schon l\u00e4ngst ver\u00f6ffentlicht wurden und &#8222;im Netz zu finden&#8220; seien, dann ist das ja auch ein Zeichen daf\u00fcr, dass da Unsicherheiten bez\u00fcglich der Standards bestehen. Dass &#8222;andere das auch tun&#8220; ist aber nat\u00fcrlich eine der billigsten Rechtfertigungen, die es gibt, bekannt von Spielplatz und Kindergarten. <\/p>\n<p>Wenn andere ethisch fragw\u00fcrdig handeln ist es deshalb IMO erst Recht wichtig, den Wunsch nach ethischem Handeln und humanistischen Anstand entgegen zu setzen. Denn was w\u00fcrde das bedeuten, wenn der Verzicht auf ethische Ma\u00dfst\u00e4be, mit der Rechtfertigung, &#8222;andere machen es auch&#8220;, &#8222;zeitgem\u00e4\u00df&#8220; w\u00fcrde? <\/p>\n<p>Nein, es ist wichtig, zu zeigen, dass es auch anst\u00e4ndig geht. Und es ist wichtig, das einzufordern, auch \u00f6ffentlich. Die zu loben, die es tun. Die zu tadeln, die es nicht tun. <\/p>\n<p>Das mag nicht verhindern, dass manche dennoch auf Anstand pfeifen. Aber wie gesagt: da stehen auch Menschen dahinter, und hinter ihrem Zynismus und ihrer &#8222;professionellen&#8220; Empathielosigkeit nagt auch bei ihnen ein Gewissen. Ein Beispiel ist die besagte (freilich zu sp\u00e4te) &#8222;Entschuldigung&#8220; von N24, die gemerkt haben (oder es zumindest vorgeben, aber auch das bedeutet zumindest, dass sie es wissen, dass es diese Grenze gibt), dass sie eine Grenze \u00fcberschritten haben. Solche Grenzen bleiben erkennbar dadurch, dass sich andere noch dran halten. Und dass Rezipienten &#8211; Leser, Kunden, eben &#8222;die \u00d6ffentlichkeit&#8220; die Einhaltung dieser Grenzen fordern und ein \u00dcberschreiten dieser Grenzen anprangern. Egal, wie &#8222;unzeitgem\u00e4\u00df&#8220; es mancher Zyniker halten mag.<\/p>\n<p>Und ja, manchmal passiert das auch mit purer Emp\u00f6rung und einer Verlinkung, ohne dr\u00fcber nachzudenken, die dem Objekt der Kritik vielleicht kurzfristig sogar mal mehr nutzen als schaden mag. Und ohne geschliffen formulierte Worte dazu, die die so ausgedr\u00fcckte Emotion der puren Emp\u00f6rung durchdacht mit sachlicher Kritik begr\u00fcndet. Ja, ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, jede_r t\u00e4te letzteres. Ja, ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, Aufmerksamkeiten w\u00e4ren allgemein etwas nachhaltiger und reflektierter. Und auch ein bisschen konsequenter. Aber nicht jede_r hat die Zeit, die Mu\u00dfe, die schriftliche Eloquenz oder die Impulskontrolle, auf solche \u00c4rgernisse jedesmal &#8222;richtig&#8220; zu reagieren.<\/p>\n<p>Aber wisst ihr was? Noch schlimmer glaube ich f\u00e4nde ich es, wenn ich solche Fehlleistungen mancher Medien mitbekomme und von meinen diversen Timelines dazu keine Reaktion k\u00e4me. Es mag sein, dass die ein oder andere Reaktion, die mir da \u00fcber den Weg l\u00e4uft, dabei auch mal streng genommen (zu) unbedacht, impulsiv und emotional ist. Aber es ist ja niemand gezwungen, die Links tats\u00e4chlich anzuklicken. Ich, wie gesagt, tu es so gut wie nie, denn es ist meist nicht notwendig. Aber auch diese Reaktionen zeigen mir: der Bullshit wird erkannt als Bullshit. Das ist am Ende auch gut f\u00fcr mein grunds\u00e4tzlich positives Menschenbild. Ich finde es gut, dass Menschen in meinem Umfeld sich noch \u00fcber solche Dinge aufregen. Und es ihnen nicht zynisch oder resigniert am Allerwertesten vorbei geht.<\/p>\n<p>Und dieses Menschenbild, das mich davor bewahrt, selbst zum Zyniker zu werden, ist mir tausendmal wichtiger als der Gedanke daran, dass da ein BILD-Artikel vielleicht ein paar tausend Klicks mehr erh\u00e4lt als ihm zustehen. Denn es sagt mir: die Zyniker und Arschl\u00f6cher in der Welt m\u00f6gen zwar existieren und sie m\u00f6gen auch zu viel Aufmerksamkeit bekommen. <\/p>\n<p>Aber sie sind eine Minderheit. Und sie werden als das, was sie sind, erkannt. Arme kleine W\u00fcrstchen, die ihre grunds\u00e4tzliche Bedeutungslosigkeit auch nicht damit verhindern, dass sie kurze Aufmerksamkeit erlangen, weil man ihren Zynismus und ihre ethische Armseligkeit f\u00fcr ein paar Tage in das Licht der \u00d6ffentlichkeit zerrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a style=\"border: 0;\" href=\"http:\/\/flattr.com\/thing\/1694\/sagichdoch\" target=\"_blank\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" title=\"Flattr this\" src=\"http:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Facebook postete Patrick Breitenbach gestern folgenden Gedanken: Jede Emp\u00f6rung hat das eigentliche Objekt der Emp\u00f6rung durch meine Timeline bei mir ins Bewusstsein gepostet. 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