{"id":1683,"date":"2025-06-01T15:02:42","date_gmt":"2025-06-01T14:02:42","guid":{"rendered":"https:\/\/svenscholz.de\/?p=1683"},"modified":"2025-06-10T13:11:14","modified_gmt":"2025-06-10T12:11:14","slug":"beobachtungen-zur-jobsuche-subjektiv-und-anekdotisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/beobachtungen-zur-jobsuche-subjektiv-und-anekdotisch\/","title":{"rendered":"Beobachtungen zur Jobsuche. Subjektiv und anekdotisch."},"content":{"rendered":"\n<p>Da mein Arbeitsplatz die Insolvenz und den darauf folgenden Verkauf der Agentur, f\u00fcr die ich fast 18 Jahre arbeitete, nicht \u00fcberlebt hat (und mir auch diese 18 Jahre nichts in Sachen Abfindung o.\u00e4. gebracht haben, weil das in der Insolvenz nichts z\u00e4hlt) suche ich seit einiger Zeit nach einem neuen Job.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei habe ich ein paar Beobachtungen gemacht. Das sind &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; <em>meine <\/em>Beobachtungen und Erfahrungen. Wie weit die sich verallgemeinern lassen wei\u00df ich nicht. Ich denke, zum Teil ja, zu einem weiteren Teil abh\u00e4ngig von meinen Kontexten, soweit sie denen anderer \u00e4hneln, auch, aber in gro\u00dfen Teilen bleibt es vielleicht auch sehr individuell.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu meinen Rahmenbedingungen, also den Parametern, mit denen ich mich in dieser Situation wiederfinde: Ich bin mit Mitte 50 nicht mehr ganz jung. Ich habe eine &#8211; nicht diagnostizierte, aber zu 99,99% sichere, Neurodivergenz (Autismus-Spektrum) und ich habe knapp 30 Jahre Berufserfahrung in der &#8222;Was mit Medien&#8220;-Branche, mit einem gewachsenen Skillset, das f\u00fcr diese Branche zus\u00e4tzlich extrem breit gef\u00e4chert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich damit meine: ich arbeite(te) seit fast 30 Jahren fast ausschlie\u00dflich in Agenturen im Bereich Grafikdesign und Mediengestaltung. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich Print gibts wahrscheinlich so gut wie nichts, das ich nicht schon gemacht h\u00e4tte, da macht mir wahrscheinlich niemand mehr irgendwas vor: Print-Anzeigen, klassische &#8222;Brosch\u00fcren und sonstige gedruckte Werbemittel&#8220;, andere Werbemittel auf allen m\u00f6glichen Materialien, aber eben auch Magazine, ganze B\u00fccher, Messeausstattung vom Zubeh\u00f6r \u00fcber Einzelstand bis zu mehreren Messehallen inklusive Wegf\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der sogenannten &#8222;digitalen&#8220; Seite gibts ebenfalls wenig, das ich nicht schon teils sehr intensiv gemacht habe, auch hier beim einfachen Werbebanner begonnen , nat\u00fcrlich Webseitenbau in diversen Content Management Systemen, aber auch &#8222;exotischere&#8220; Dinge wie virtuelle Events von Webinaren bis live gestreamten Events aus Studios mit LED Wand und allem Pipapo. Also nicht &#8222;nur&#8220; statische Grafik, sondern auch Bewegtbild und Ton, Filmschnitt, Speaker*innen-Schulung, und alles was da halt in Vor- und Nachbereitung sonst noch so dazu geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben bedeuten solche teils sehr gro\u00dfen und Dutzende Aspekte und Firmen und Rollen involvierende Projekte nat\u00fcrlich auch viel &#8222;Management&#8220; und Betreuung, also Koordination von Zulieferern und Partnern, Produktionsplanung und -management, man ist beratend und supportend unterwegs von der Angebotsphase an, macht das fachliche Projektmanagement, schaut, dass so ein Projekt nicht nur von der Timeline sondern auch wirtschaftlich &#8222;funktioniert&#8220; und vieles mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel Exposition, aber IMO n\u00f6tiger Kontext zu meinen nun folgenden Beobachtungen:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das Alter ist Faktor Nummer Eins<\/h4>\n\n\n\n<p>Egal, was behauptet oder auch gesetzlich vorgegeben ist: dass ich bei inzwischen mehreren Dutzend Bewerbungen bislang nur genau eine(!) Einladung zu einem Erstgespr\u00e4ch bekam (wahrscheinlich, weil die Firma nur wenige Kilometer von meinem Wohnort mitten in der Odenw\u00e4lder Pampa rumsteht. Dass es nicht &#8222;geklappt&#8220; hat, hatte andere Gr\u00fcnde), kann eigentlich nicht sein, vor allem, wenn es einen Haufen Stellenanzeigen gibt, auf die ich wie die Faust aufs Auge passe, obwohl (oder weil) sie ein so diverses Profil verlangen, das niemand mit grad mal rund 3 Jahren Berufserfahrung, aber auch kein*e langj\u00e4hrige*r Spezialist*in, auch nur ansatzweise erf\u00fcllen kann.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der einzige Faktor, den ich mir f\u00fcr diese Konsistenz der oft sehr schnell eintrudelnden Standard-Absagemail vorstellen kann, ist mein Alter. Das d\u00fcrfte mein Haupt-&#8222;Problem&#8220; sein. <\/p>\n\n\n\n<p>L\u00e4cherlichkeiten am Rande dazu sind die seit Jahren schon st\u00e4ndig verlautbarten politischen Forderungen nach h\u00f6herem Renteneinstiegsalter und j\u00fcngsten populistischem Quatsch wie &#8222;Rentner sollen (mehr) arbeiten&#8220;. Leute, die sowas sagen, leben offensichtlich in irgendeiner delulu Parallelwelt. Auch der Mythos des &#8222;Facharbeitermangels&#8220; entbl\u00f6\u00dft sich hier als &#8222;Mangel an kompetenten Menschen, die aber doch bitte f\u00fcr m\u00f6glichst wenig Geld arbeiten sollen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich nicht nachvollziehen kann ist, dass einerseits geklagt wird \u00fcber hohe Fluktuation, aber im Zweifel doch &#8222;der\/dem j\u00fcngeren Bewerber*in&#8220; der Vorzug gegeben wird, der\/die nach 3 Jahren wieder zum n\u00e4chsten Job springt. &#8222;\u00c4ltere&#8220; Arbeitnehmer*innen suchen im Normalfall nach etwas stabilerem, wo man &#8222;bleiben&#8220; kann. Und in meinem Alter w\u00fcrde das einen Arbeitnehmer bedeuten, der, wenns nicht v\u00f6llig schei\u00dfe l\u00e4uft, f\u00fcr \u00fcber ein Jahrzehnt eine sichere Bank w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nein, &#8222;\u00c4ltere&#8220; sind nicht &#8222;veraltet&#8220;, das geht gar nicht in dieser Branche, man muss immer auf der H\u00f6he der Zeit sein und ist es auch, weil man ja immer an aktuellen und modernen Projekten, Maschinen, Programmen, Umgebungen, whatever arbeitet. Da kann man gar nicht &#8222;zur\u00fcckfallen&#8220;. Erst recht nicht, wenn man selbst neugierig, etwas nerdig und interessiert an dem ist, was man tut.<\/p>\n\n\n\n<p>Das einzige, das ein &#8222;Effekt des Alters&#8220; ist: man wird effizienter. Man wird unglaublich effizient. Weil gerade die tagt\u00e4glichen Routineschritte so ingrained sind, dass man dar\u00fcber kaum mehr nachdenken muss. Und man \u00fcber die Jahre die schnellsten, k\u00fcrzesten, f\u00fcr Fehler risiko\u00e4rmsten Methoden und Routinen entwickelt hat, die man bei Bedarf einfach mal so aus dem \u00c4rmel sch\u00fctteln kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Und damit viel mehr Hirnkapazit\u00e4t frei f\u00fcr gerade das Neue, Innovative, Ungew\u00f6hnliche und Progressive hat, das doch angeblich sooo wichtig und zentral f\u00fcr gerade auch meine Branche sei, als Menschen, die f\u00fcr Routinet\u00e4tigkeiten, die slightly von erst k\u00fcrzlich Gelerntem abweichen, erst einmal ein Youtube-Video brauchen und dann trotzdem noch zum\/r &#8222;erfahrenen&#8220; Kolleg*in gehen, um kurz nach Rat zu fragen, wie man das am besten angehen k\u00f6nne. Oder halt ein paar Stunden damit verplempern, es selbst raus zu bekommen. Erfahrung und Pattern Recognition gehen Hand in Hand. Man kann keine Transferleistung bringen, wenn der Pool dessen, aus dem man Dinge ableiten kann, noch sehr klein ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft aber nicht, dass Altersdiskriminierung das einzige Problem der Branche ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Branche, die sich selbst als jung, dynamisch, hip und zukunftsorientiert identifiziert ist konservativ und altbacken AF<\/h4>\n\n\n\n<p>\u00dcber die H\u00e4lfte der Jobangebote, die ich sichte, bieten kein Home-Office mehr bzw. nicht einmal mehr &#8222;hybrid&#8220; an. In einer Branche, die sich als hip, modern, am Puls der Zeit verstehen will. Und je weiter in der Provinz, irgendwo in der Pampa, desto unwahrscheinlicher. Schon mal was von &#8222;Altenstadt an der Waldnaab&#8220; geh\u00f6rt? Dort wird jemand wie ich gesucht. F\u00fcr &#8222;Vor Ort&#8220;. Ernsthaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Branche, in der kaum ein Projekt mehr ohne Freelancer-Unterst\u00fctzung realisiert wird &#8211; oder werden kann, guess why &#8211; kehrt &#8222;ins B\u00fcro&#8220; zur\u00fcck. Und schreibt in ihre Stellenanzeigen ernsthaft sowas rein wie &#8222;wir freuen uns auf dich in unseren brandneuen modernen B\u00fcror\u00e4umen mit Blick \u00fcber die D\u00e4cher der Stadt&#8220;, als ob das irgendwie ein besonderes Incentive sei und nicht einfach nur eine Red Flag f\u00fcr &#8222;veraltete Strukturen und phantasieloses &#8218;das war schon immer so'&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vor Corona, &#8222;nach&#8220; Corona, trallalallala<\/h4>\n\n\n\n<p>Ich habe bis 2020 auch t\u00e4glich 2h Pendeln am Tag verschwendet, um jeden Tag nach Mannheim &#8222;ins B\u00fcro&#8220; zu fahren, mit der Ausnahme von heftigen Sto\u00dfzeiten haupts\u00e4chlich z. B. kurz vor gro\u00dfen Messen, in denen ich von zu Hause arbeitete, um diese 2h Zeit am Tag mehr f\u00fcr meine Projekte zu haben. Ich habe das nie in Frage gestellt, weil ich es nicht anders kannte und wusste.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam Corona und zwangsweise eine 100% Umstellung auf remote Arbeit. Meine Ex-Firma war daf\u00fcr bestens aufgestellt, das muss ich ihr anerkennen (und das wusste ich auch vorher, da ich das ja schon die Jahre vorher &#8211; siehe oben &#8211; regelm\u00e4\u00dfig genutzt hatte) und formelle wie auch informelle Absprachen, Meetings und Koordinierungen mit Kolleg*innen, Kunden und Zulieferern fanden via Skype, Teams, Zoom, Slack etc. statt, via Webcam und Voice wie auch schriftlich via Chat oder Mail.<\/p>\n\n\n\n<p>Das faszinierende daran: gerade aufw\u00e4ndigere Meetings waren extrem effizienter, weil virtuelle Meetings mehr Disziplin erfordern und nach kurzer Eingew\u00f6hnung diese Disziplin nicht mehr &#8222;verlangt&#8220; werden musste sondern regelrecht genossen wurde. Von allen Beteiligten. Und das war\/ist das Feedback fast aller, mit denen ich mich dar\u00fcber unterhalte. Selbst seitens derer, die dennoch schon fr\u00fch beklagten, dass sie das &#8211; ich wei\u00df nicht, wie besser ausdr\u00fccken &#8211; &#8222;den ganzen Tag lang zusammen mit anderen Leuten in einem Raum sitzen&#8220; vermissten.<\/p>\n\n\n\n<p>Pers\u00f6nlich kann ich nicht nachvollziehen, dass man sowas vermissen kann, aber mir ist klar, dass das wohl haupts\u00e4chlich an meiner Neurodivergenz liegt &#8211; f\u00fcr mich ist das anstrengender. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie anstrengend, wurde mir erst ab 2020 klar. Vorher hatte ich ja keinen Vergleich und dachte, das sei &#8222;normal&#8220;. Als ich nach ein paar Wochen &#8222;Home Office&#8220; feststellte, dass ich mich morgens nicht mehr aus dem Bett qu\u00e4len musste, obwohl ich abends l\u00e4nger wach und fit war und auch \u00fcber den Tag  deutlich bessere Konzentration an den Tag legen konnte, schneller und dennoch noch pr\u00e4ziser arbeitete und \u00fcberhaupt ich mich an keine Zeit davor erinnern kann, in der ich mich so mental stabil gef\u00fchlt h\u00e4tte wie 2020-2023. (2024 gabs dann andere Stressfaktoren. Stichwort &#8222;Insolvenz der Firma&#8220;) war ich deshalb ziemlich \u00fcberrascht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber gut, das bin erst einmal &#8222;nur&#8220; ich. <\/p>\n\n\n\n<p>Und um nicht falsch verstanden zu werden: Nein, ich habe auch kein Problem damit, mal &#8222;vor Ort&#8220; aufzuschlagen. Wenn es sein muss. Weil ein Kunde &#8222;rein kommt&#8220;. Oder man einen besucht. Oder f\u00fcr eine physische Abnahme. Einen Pr\u00e4senz-Workshop. Es gibt einige Dinge, die nicht vom heimischen Schreibtisch aus funktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es macht mir sogar &#8222;Spa\u00df&#8220; &#8211; ich mein: ich performe gerne, auch und gerade &#8222;vor Leuten&#8220;, ich mache nicht grundlos seit meiner Jugend Musik, u. a. auch gerade <em>um <\/em>damit auf B\u00fchnen stehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber 90% der Arbeitszeit tut man Dinge mehr oder weniger &#8222;allein&#8220;. Und wenn man doch ein kurzes Feedback braucht oder gibt, geht das problemlos und sogar schneller via Chat oder auch mal via Teams-Anruf. Was auch daran beobachtbar ist, dass, auch wenn man mal &#8222;drin&#8220; ist, selbst der Kollege\/die Kollegin kurz via Chat oder Teams-Anruf anklopft, die im B\u00fcro eine T\u00fcr weiter sitzt. Und ja, er\/sie wei\u00df, dass ich im Raum daneben sitze.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df das, weil ich durchaus zwischendurch mal &#8222;rein&#8220; gefahren bin, in den letzten Jahren. Um dann mit 10-15 Leuten in den &#8222;hochmodernen und gem\u00fctlichen&#8220; R\u00e4umen einer Agentur zu sitzen, die Platz f\u00fcr knapp 100 Menschen bot.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls: wer glaubt, dass Menschen nur effizient und mit hoher Motivation arbeiten, wenn man sie zwingt, jeden Tag eine bis mehrere Stunden Lebenszeit f\u00fcr den Weg von zu Hause zum Arbeitsplatz und zur\u00fcck zu verschwenden (das sind gern dieselben Leute, die wegen 5 Minuten zu lang auf&#8217;m Klo jammern, wie viel Arbeitszeit da \u00fcber die Zeit summiert verloren ginge), speziell, wenn man vor ein paar Jahren die Erfahrung machen konnte, was es hei\u00dft, diese 2h am Tag &#8222;einfach so&#8220; zur Verf\u00fcgung zu haben, ohne dass irgendwas liegen bliebe oder schlechter, langsamer, ineffizienter (oft gar im Gegenteil) abgearbeitet w\u00fcrde, hat offensichtlich in den letzten 5 Jahren nicht aufgepasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Speaking of &#8222;altes Eisen, das nicht mehr hinterher kommt&#8220;. Das sitzt da n\u00e4mlich wo ganz anders.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mogelpackung &#8222;Hybrid&#8220;<\/h4>\n\n\n\n<p>Was verstehe ich unter &#8222;hybrid&#8220;? Dass ich da Pr\u00e4senz zeige, wo es n\u00f6tig ist, weil es nicht anders geht. Weil es <em>objektiv <\/em>besser ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Was lese ich in vielen Anzeigen, die mit &#8222;hybrid&#8220;, nicht selten sogar unter &#8222;remote&#8220; oder &#8222;home office&#8220; getaggt sind? <em>&#8222;Du kannst auch gerne mal von zu Hause arbeiten&#8220;<\/em>, gern erg\u00e4nzt mit <em>&#8222;ein paar Tage im Monat&#8220;<\/em> oder ganz gro\u00dfz\u00fcgig<em>&#8222;an bis zu zwei Tagen in der Woche&#8220;<\/em>. Unter &#8222;Benefits&#8220; gelistet.<\/p>\n\n\n\n<p>Modernes, effizientes  Arbeiten ist kein &#8222;Benefit&#8220;, der irgendwie gro\u00dfz\u00fcgig &#8222;gew\u00e4hrt wird&#8220;. Was ist das f\u00fcr eine schr\u00e4ge Denke? Als Firma, egal ob Agentur, Marketingabteilung oder Institution, ist es doch <em>mein eigenes<\/em> Interesse, dass Angestellte m\u00f6glichst motiviert und effizient arbeiten, keine &#8222;kostbare Arbeitszeit&#8220; verschwenden und Projekte m\u00f6glichst sauber und reibungslos durchgezogen werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Und selbst das Argument der &#8222;besseren Transparenz, wenn alle vor Ort sind&#8220;, also eigentlich, wenn das Management Angst hat, dass Menschen Dinge an ihnen vorbei machen (vom damit gezeigten grunds\u00e4tzlichen Misstrauen den eigenen Kolleg*innen und Arbeitnehmer*innen mal ganz angesehen), entpuppt sich als kompletter Unsinn, wenn ich Absprachen und Verl\u00e4ufe im Chat oder via Mail schriftlich nachvollziehen kann oder gar ganze Meeting-Aufzeichnungen nochmal nachschauen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es macht auch keinen Unterschied f\u00fcr die &#8222;Transparenz&#8220;, wenn ich mit einer Kollegin in ihrem B\u00fcro, auf dem Flur oder via Teams Dinge m\u00fcndlich bespreche. Au\u00dfer, dass ich via Teams sogar dennoch belegen kann DASS ich dann und dann mit der Kollegin sprach.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es mag Rollen und T\u00e4tigkeiten geben, die nicht remote funktionieren. In meiner Branche sind das aber sehr sehr wenige. <\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten der t\u00e4glichen T\u00e4tigkeiten und Aufgaben ben\u00f6tigen zu mindestens 80%, eher mehr, der Zeit keine Pr\u00e4senz. Und sind zu mindestens der H\u00e4lfte dieser +80% sogar effizienter, transparenter und damit &#8211; Obacht, ein weiteres Wort, mit dem man sich in meiner Branche gern identifiziert &#8211; professioneller auszu\u00fcben (und der Rest zumindest nicht weniger das) als in Pr\u00e4senz.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein &#8222;hybrid&#8220;, wie ich es verstehe, w\u00fcrde mir erm\u00f6glichen, mich auch auf deutlich weiter von mir entfernte Jobs zu bewerben, ohne dass ich gleich einkalkulieren m\u00fcsste, dass ich auf jeden Fall irgendwohin umziehen m\u00fcsste, das weit weg von allem ist, was irgendwie unter &#8222;mein soziales Umfeld&#8220; summiert werden kann. Ich w\u00fcrd&#8216; sogar ein oder zwei Mal von mir (N\u00e4he Mannheim) eine dreistellige Km-Zahl nach K\u00f6ln, Stuttgart, M\u00fcnchen, Frankfurt o. \u00e4. fahren (idealerweise was man mit der Bahn halbwegs brauchbar erreichen kann, ich hasse stundenlange Autofahrten). Und wer wei\u00df, vielleicht sogar doch irgendwann &#8211; dann ohne Stress und weil ich es m\u00f6chte &#8211; auch wieder mal umziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wer Remote Arbeit mal &#8222;ausnahmsweise&#8220; oder &#8222;bis zu 2 Mal die Woche&#8220; anbietet\/zul\u00e4sst, ist keine Option ohne schnellen und damit stressigen (und f\u00fcr manche gar nicht m\u00f6glichen, weil irgendwas mit sozialen Verpflichtungen o. \u00e4.) Umzug. <\/p>\n\n\n\n<p>Was den Sinn von Remote &#8211; n\u00e4mlich m\u00f6glichst gro\u00dfe Unabh\u00e4ngigkeit, die erlaubt, kompromisslos bestqualifizierte Menschen in der eigenen Workforce zu haben &#8211; halt komplett ausl\u00f6scht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gesagt: bei Freelancern geht das doch auch. Und zwar ohne irgendwelches &#8222;das ist so unpers\u00f6nlich, ich k\u00f6nnte das nicht&#8220;-Gejammer. Und die werden eben ja oft gerade deshalb genommen, weil in der eigenen Belegschaft ganz offensichtlich niemand mit passendem Skillset zu finden ist. Warum ist das wohl so?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe auch schon Freelancer-Projekte gemacht. Gro\u00dfe. Die \u00fcber Monate liefen. Koordination ausschlie\u00dflich \u00fcber Teams und Mail. Beteiligte Firmen \u00fcber die ganze Republik verteilt. Lief effizient, sauber, professionell und absolut problemfrei. Hab mein Arbeitszimmer nicht ein Mal daf\u00fcr verlassen m\u00fcssen. Und dennoch auch Kolleg*innen als Personen und nicht nur Rollen kennen gelernt, inklusive &#8222;mal ein Schw\u00e4tzchen halten&#8220;, denn sogar das geht auch &#8222;virtuell&#8220; mal.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Obstkorb. Oder Tischkicker. Oder Obstkorb UND Tischkicker.<\/h4>\n\n\n\n<p>Nein, ich kann mir selber Obst kaufen. Ich muss nicht 1h oder mehr t\u00e4glich in ein B\u00fcro fahren und dieselbe Zeit wieder nach Hause, weil es da einen Obstkorb gibt. For gods sake.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber free Kaffee ist freilich ein Muss. Auch wenn ich nur zwei Mal im Monat rein komme&#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>P. S. :<\/strong> Wenn wer einen absolut ungew\u00f6hnlich breit wie tief aufgestellten und erfahrenen Mediengestalter\/Grafikdesigner sucht, oder sich beim &#8222;Mitarbeitende empfehlen neue Kollegen Programm&#8220; einen Bonus holen will: <br \/>Meine E-Mail steht im Impressum, ich schicke gern ein CV und auch ein bisschen was an Portfolio raus.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Altenbach an der Waldnaab. Ich komm nicht dr\u00fcber weg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da mein Arbeitsplatz die Insolvenz und den darauf folgenden Verkauf der Agentur, f\u00fcr die ich fast 18 Jahre arbeitete, nicht \u00fcberlebt hat (und mir auch diese 18 Jahre nichts in Sachen Abfindung o.\u00e4. gebracht haben, weil das in der Insolvenz nichts z\u00e4hlt) suche ich seit einiger Zeit nach einem neuen Job. Dabei habe ich ein &hellip; <a href=\"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/beobachtungen-zur-jobsuche-subjektiv-und-anekdotisch\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Beobachtungen zur Jobsuche. 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