{"id":170,"date":"2006-05-16T10:57:11","date_gmt":"2006-05-16T09:57:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.svenscholz.de\/?p=170"},"modified":"2008-05-17T10:57:25","modified_gmt":"2008-05-17T09:57:25","slug":"wenn-politische-entscheidungen-nicht-mehr-auf-fakten-basieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wenn-politische-entscheidungen-nicht-mehr-auf-fakten-basieren\/","title":{"rendered":"Wenn politische Entscheidungen nicht mehr auf Fakten basieren"},"content":{"rendered":"<p>kommen Populisten wie die Sch\u00f6nbohms, Sch\u00e4ubles, Schillys, Kochs und wie sie alle hei\u00dfen (Stoibers und Becksteins nicht zu vergessen) ihrem offensichtlichen Ziel, aus einem sozialen Rechtsstaat einen &#8211; gar schon <a href=\"http:\/\/www.rbb-online.de\/_\/kontraste\/beitrag_jsp\/key=rbb_beitrag_4189502.html\" target=\"_blank\">willk\u00fcrlich<\/a> anmutenden &#8211; <a href=\"http:\/\/wirres.net\/article\/articleview\/3640\/1\/6\/\" target=\"_blank\">b\u00fcrokratischen Obrigkeitsstaat<\/a>, die dessen Einwohner in v\u00f6lliger Ohnmacht als <a href=\"http:\/\/wirres.net\/article\/articleview\/3653\/1\/6\/\" target=\"_blank\">Spielball<\/a> der &#8222;M\u00e4chtigen&#8220; zur\u00fcckl\u00e4sst, zu machen gef\u00e4hrlich nahe.<\/p>\n<p>Denn gerade das st\u00e4ndige &#8222;Sicherheits&#8220;-Gequatsche, das dem Otto Normal da drau\u00dfen suggeriert, die Zeiten w\u00fcrden immer gef\u00e4hrlicher und unsicherer, Verbrechen all \u00fcberall, gegen das nur ein &#8222;hartes Vorgehen&#8220; h\u00fclfe, basiert, wie das Wissenschaftsmagazin <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/nano\/\" target=\"_blank\">&#8222;nano&#8220;<\/a> berichtete, auf einer vor allem durch die Boulevardisierung in den Medien zur\u00fcckf\u00fchrbaren Verzerrung  der Realit\u00e4t und damit der Wahrnehmung eben jener seitens des B\u00fcrgers.<\/p>\n<blockquote>\n<p>[&#8230;]Obwohl man in den Nachrichten permanent \u00fcber Kriminaldelikte h\u00f6rt und liest, sinkt die Zahl der Straftaten in Deutschland tats\u00e4chlich von Jahr zu Jahr. Das hat Christian Pfeiffer, ehemaliger Justizminister von Niedersachsen und heutiger Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts des Bundeslandes anhand von Statistiken festgestellt: &#8222;Die gef\u00fchlte Kriminalit\u00e4tstemperatur entspricht absolut nicht der Realit\u00e4t.&#8220; Im Vergleich zu vor zehn Jahren ging die Zahl der Morde um 40,8 Prozent zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Bank\u00fcberf\u00e4lle nahmen um 44,4 Prozent ab und die Zahl der Wohnungseinbr\u00fcche sank um 45,7 Prozent. [&#8230;]<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>nano: <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/nano\/bstuecke\/91920\/index.html\" target=\"_blank\">Immer weniger Verbrechen, doch die Angst wird gr\u00f6\u00dfer<\/a><\/p>\n<p>Nun ist das ja vom Effekt her <a href=\"http:\/\/www.svenscholz.de\/index.php\/bedrohungen\/\">nicht wirklich neu<\/a> (und langsam wei\u00df ich wieder, warum ich mein Blog mal so nannte wie es jetzt hei\u00dft), aber die These dass <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/nano\/news\/75998\/index.html\" target=\"_blank\">schwerpunktm\u00e4\u00dfig &#8222;das Fernsehen Schuld&#8220; sei<\/a> ging mir da heute nicht mehr aus dem Kopf, denn mein Grundreflex ist eigentlich der, zu sagen (\u00e4quivalent zu den d\u00fcmmlichen Diskussionen um &#8222;Killerspiele&#8220; und all den Quatsch) dass ich das eigentlich nicht so recht glauben kann. Und in der vereinfachten These einer <a href=\"http:\/\/familie.wordpress.com\/2006\/03\/11\/per-gesetz-gegen-jugendlichen-medienkonsum\/\" target=\"_blank\">&#8222;direkten&#8220; Kausalit\u00e4t auch nicht<\/a> tue, denn letztlich gewinnt man Kompetenz, hier Medienkompetenz, nicht durch Vermeidung (oder gar Verboten, wie die populistischen Politiker allenthalben aktionistisch aus <a href=\"http:\/\/www.absolutfamilie.de\/?p=95\" target=\"_blank\">solchen Studien schlie\u00dfen<\/a>, um sich letztendlich aber nur um ihre eigenen Verantwortungen zu dr\u00fccken) sondern durch reflektierte Besch\u00e4ftigung mit entsprechenden Dingen.<\/p>\n<p>Erschreckend und neu war f\u00fcr mich allerdings die Information \u00fcber manche Konsequenz dieser Tendenzen, <a href=\"http:\/\/www.svenscholz.de\/index.php\/wenn-politische-entscheidungen-nicht-mehr-auf-fakten-basieren\/\" id=\"more-564\"><\/a>z.B. dass trotz R\u00fcckgang der Kriminalit\u00e4t die Gef\u00e4ngnisse voller sind als je, weil das Strafrecht v\u00f6llig gegen den Trend immer mehr versch\u00e4rft wurde, immer mit dem Argument, &#8222;abschrecken&#8220; zu m\u00fcssen, zu Gunsten einer Sicherheit, die in Wahrheit schon l\u00e4ngst gr\u00f6\u00dfer war und ist als wie sie uns da verkauft wird. Warum? Vielleicht hat nano mit dieser These ja recht:<\/p>\n<blockquote>\n<p>[&#8230;]Wie Justiz-Professor Bernhard Haffke von der Uni Passau herausgefunden hat, hat es seit 1998 im deutschen Strafrecht nur noch Gesetzesversch\u00e4rfungen gegeben. Bei fast allen gr\u00f6\u00dferen Straftatbest\u00e4nden hob der Gesetzgeber die Strafandrohungen ganz wesentlich an. Dabei war die Zahl der Straftaten schon vorher kontinuierlich massiv zur\u00fcckgegangen. Ein Grund f\u00fcr diese Versch\u00e4rfung k\u00f6nnte in der Legitimation des Staates liegen.<\/p>\n<p>In Zeiten, in denen der Staat den B\u00fcrgern offensichtlich keine ausreichende Sozial-, Renten- und Gesundheitsversorgung mehr anbieten kann und auch bei der Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen versagt, muss er sich eben anders legitimieren. Um die hohen Ausgaben f\u00fcr die eigene Unterhaltung zu rechtfertigen, propagiert die Politik den Sicherheitsstaat und die Einschr\u00e4nkung von Freiheitsrechten, obwohl sie eigentlich die Demokratie sch\u00fctzen soll. [&#8230;]<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>nano: <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/nano\/bstuecke\/91943\/index.html\" target=\"_blank\">Weniger Verbrechen &#8211; mehr Menschen sitzen im Gef\u00e4ngnis<\/a><\/p>\n<p>Dann fiel mir aber ein, dass es einen eklatanten Unterschied gibt zwischen dem, was man heute (nicht nur, aber dort noch immer sehr viel st\u00e4rker) von den Privaten auf den Bildschirm geschmiert bekommt und dem, was ich von &#8222;Fernsehkonsumfreudigeneren Zeiten&#8220; her kenne, bevor ich in den letzten Jahren selbst mein Medienverhalten \u00e4nderte (n\u00e4mlich, immer weniger und daf\u00fcr immer gezielter und punktueller fern zu sehen &#8211; eben wegen jener Ver\u00e4nderungen). Hei\u00dft, anstatt (wie auch Pfeiffer allzuoft) st\u00e4ndig nur Quantit\u00e4ten gegeneinander zu stellen und lustige Kausalketten drauf aufzubauen, w\u00e4re es wohl mal interessant, sich die qualitativen Ver\u00e4nderung des Wahrzunehmenden anzuschauen und mit dem abzugleichen, was die Leute aus ihren Wahrnehmungen auf die sie umgebende &#8222;Realit\u00e4t&#8220; zur\u00fcckschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>In den letzten paar Jahren kamen gerade in den Privaten inflation\u00e4r Formate auf, die bewusst die bisher halbwegs klaren Grenzen zwischen fiktionalen Inhalten (wie Krimis, Actionfilme o.\u00e4.) und Realit\u00e4t &#8222;vermittelnden&#8220; (wie Reportagen und Dokumentationen) aufweichen &#8211; da werden jeden Tag auf mehreren Sendern von &#8222;echten&#8220; Richtern und &#8222;echten&#8220; Staatsanw\u00e4lten o.\u00e4. &#8222;F\u00e4lle&#8220; behandelt, einerseits so banal und damit &#8222;allt\u00e4glich&#8220; wie m\u00f6glich, andererseits so schlecht &#8222;gestellt&#8220;, dass es einen an die nachgespielten F\u00e4lle von &#8222;XY-Ungel\u00f6st&#8220; erinnert &#8211; und die waren ja auch &#8222;echt&#8220;, das machte ja damals schon den Grusel aus.<\/p>\n<p>Wenn das Argument korrekt ist, dass &#8222;Killerspiele&#8220; und &#8222;Gewaltfilme&#8220; einen &#8222;normal&#8220; sozialisierten Menschen nicht zum schie\u00dfw\u00fctigen Gewaltmonster mutieren lassen, eben, <em>weil <\/em>(und diese Erfahrung kann ich voll und ganz best\u00e4tigen) schon Kinder sehr gut zwischen ihren fiktionalen Spielwelten, und eben auch denen im &#8222;gespielten&#8220; Film oder Computerspiel, und der &#8222;Welt in echt&#8220; unterscheiden k\u00f6nnen, dann ist es wohl genau diese Tendenz, seitens der Massenmedien diesen Unterschied immer mehr verschwimmen zu lassen, die tats\u00e4chlich die fiktionale &#8222;kriminelle&#8220; Welt in die v\u00f6llig ungef\u00e4hrliche Realit\u00e4t als Wahrnehmung ohne reales Gegenst\u00fcck her\u00fcberschwappen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das Ergebnis sind v\u00f6llig \u00fcber\u00e4ngstliche Eltern und Gro\u00dfeltern, die ihre Kinder am liebsten nur noch mit Bodyguard &#8222;nach drau\u00dfen&#8220; lassen w\u00fcrden und nicht mehr schlafen k\u00f6nnen, wenn der Spr\u00f6ssling beginnt, abends auf Parties zu gehen oder gar mal \u00fcber Nacht wegbleiben zu wollen, Menschen, die sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus trauen und Kinder, die durch das Beispiel ihrer Eltern und Gro\u00dfeltern tats\u00e4chlich schon richtige Phobien entwickeln und die Umwelt als potentiell bedrohlich beigebracht bekommen, und damit langsam eine wachsende Atmosph\u00e4re gegenseitigen Misstrauens, das ich pers\u00f6nlich jetzt schon als unertr\u00e4glich empfinde.<\/p>\n<p>Und dann kommen die Herren Politiker auch noch und nutzen auf unverantwortlichste Art und Weise diese v\u00f6llig unbegr\u00fcndeten \u00c4ngste f\u00fcr ihre Zwecke. Klar, wer Angst hat muckt nicht auf. Es gibt Dinge inzwischen, da muss man sich schon sehr anstrengen, fiktionale Vorstellungen streng von realistischen Handlungen getrennt zu halten. <\/p>\n<p>Ob es da wirklich hilfreich ist, diese Trennungssch\u00e4rfe auch noch bewusst und mit &#8222;Gewalt&#8220; aufzuweichen? Nicht, dass eben jene Herren eines Tages aufwachen und um sie herum haben sich gerade die <a href=\"http:\/\/www.kopfhoch-studio.de\/blog\/?p=2204\" target=\"_blank\">Fiktionen<\/a>, die so &#8222;in echt&#8220; freilich keiner wirklich wollen kann, Bahn in die Realit\u00e4t gebrochen, die sie tats\u00e4chlich verhindern wollten&#8230; <a href=\"http:\/\/www.kopfhoch-studio.de\/blog\/?p=1371\" target=\"_blank\">man<\/a> wird <a href=\"http:\/\/www.kopfhoch-studio.de\/blog\/?p=1619\" target=\"_blank\">ja<\/a> nochmal <a href=\"http:\/\/derwahredicki.twoday.net\/stories\/1951607\/\" target=\"_blank\">tr\u00e4umen<\/a> d\u00fcrfen&#8230; noch, jedenfalls. <\/p>\n<p>Mal sehn wie lange noch&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>kommen Populisten wie die Sch\u00f6nbohms, Sch\u00e4ubles, Schillys, Kochs und wie sie alle hei\u00dfen (Stoibers und Becksteins nicht zu vergessen) ihrem offensichtlichen Ziel, aus einem sozialen Rechtsstaat einen &#8211; gar schon willk\u00fcrlich anmutenden &#8211; b\u00fcrokratischen Obrigkeitsstaat, die dessen Einwohner in v\u00f6lliger Ohnmacht als Spielball der &#8222;M\u00e4chtigen&#8220; zur\u00fcckl\u00e4sst, zu machen gef\u00e4hrlich nahe. 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