{"id":492,"date":"2012-04-07T20:25:42","date_gmt":"2012-04-07T19:25:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.svenscholz.de\/index.php\/wunschpunsch-popularkultur-was-ich-will-und-was-nicht\/"},"modified":"2012-06-27T21:22:11","modified_gmt":"2012-06-27T20:22:11","slug":"wunschpunsch-popularkultur-was-ich-will-und-was-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wunschpunsch-popularkultur-was-ich-will-und-was-nicht\/","title":{"rendered":"Wunschpunsch: Popul\u00e4rkultur. Was ich will. Und was nicht."},"content":{"rendered":"<p>Im Gesichtsbuch hat sich eine Gruppe von Leuten, haupts\u00e4chlich Musikern, zusammen gefunden, um \u00fcber das Urheberrecht zu reden (Mit einem IMO nicht besonders passenden Namen, aber was solls). Anlass war eine andere Facebook-Gruppe, die offensichtlich im Rahmen der aktuell gestarteten Kampagne der Rechteverwerter &#8222;Mein Kopf geh\u00f6rt mir&#8220; den selben M\u00fcll nachplappert und \u00e4u\u00dferst unwirsch reagiert, wenn man ihnen die Fakten aufzeigt, die mit diesem Geplapper, wie das bei Propaganda-Kampagnen halt so \u00fcblich ist, nicht viel zu tun haben. Stephan Kleinert von der Band <a href=\"http:\/\/botanybay.cc\/Botany_Bay\/main.html\" target=\"_blank\">Botany Bay<\/a> gr\u00fcndete in Anlehnung an den Namen der anderen Gruppe also die <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/groups\/358315494220872\/\" target=\"_blank\">Facebook-Gruppe &#8222;Songwriter f\u00fcr Piraten&#8220;<\/a> (hatte ich schon erw\u00e4hnt, dass ich den Namen suboptimal finde?) als Gegenmodell gegen diese platte Propaganda. Da ich ja bekanntlich  auch selber <a href=\"http:\/\/www.singvoegel.com\" target=\"_blank\">in einer Band spiele<\/a> fand ich den konstruktiven Ansatz in dieser Gruppe nat\u00fcrlich super.<\/p>\n<p>In dieser Gruppe versuchen wir, aus der &#8222;Wir gegen die gegen die&#8220;_Falle raus zu kommen. Denn die Frage ist ja: Wie wollen wir <em> alle<\/em>&#8211; Urheber, Verwerter und Konsumenten &#8211; zusammen unsere Leidenschaft f\u00fcr Kultur leben? In dieser Gruppe wollen wir versuchen, eine Vision daf\u00fcr zu finden. Fair und ausgewogen f\u00fcr alle Beteiligten, ohne einander \u00fcber den Tisch zu ziehen. Denn wir haben ein gemeinsames Interesse: Kunst und Kultur in unser aller Leben zu erm\u00f6glichen und gl\u00fccklich zu sein.<\/p>\n<p>Der erste Schritt auf allen Seiten der IMO n\u00f6tig ist: erkennen, dass wir alle &#8211; als &#8222;Kreative&#8220;, als &#8222;Konsumenten&#8220; und als &#8222;Gesch\u00e4ftsleute&#8220; &#8211; also alle sogenannten &#8222;Marktteilnehmer&#8220; (denn auch das ist n\u00f6tig: die Anerkennung der Realit\u00e4t, sonst k\u00f6nnen wir sie nicht \u00e4ndern) , ein gemeinsames Ziel haben: Spa\u00df an Kultur (Musik, Texten, Lyrik, Filmen, Bildern), die der Seele gut tut und den Geist anregt (oder beruhigt, auch das), sprich: einfach ein wenig Gl\u00fcck im Leben zu haben. Und um dieses gemeinsame Ziel zu erreichen m\u00fcssen wir alle zusammenhalten. Dazu geh\u00f6rt, erst einmal die Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche <em>aller<\/em> Beteiligten als &#8222;legitim&#8220; anzuerkennen.<\/p>\n<p>Und dann k\u00f6nnen wir regeln, wie wir speziell die Bed\u00fcrfnisse, die sich zu widersprechen scheinen, so untereinander in Balance bekommen, dass jeder Beteiligte noch genug W\u00fcnsche erf\u00fcllt bekommt, dass er auch gut damit leben kann, wenn er zu Gunsten der W\u00fcnsche seines Nachbarn auch hier und da ein paar Abstriche machen muss. Denn das muss jeder, damit am Ende alle zufrieden sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Somit w\u00e4re es wohl die erste Aufgabe: mal zusammenstellen, welche Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche die jeweiligen Menschen in ihren jeweiligen &#8222;Funktionen&#8220; \u00fcberhaupt so haben. Also K\u00fcnstler (am besten tats\u00e4chlich aufgeteilt in die verschiedenen k\u00fcnstlerischen Ausdrucksformen, Musiker, Fotograf, Autor, Produzent, etc.), Konsumenten\/&#8220;Fans&#8220;, Verwerter (Verleger, Distributor, Label, etc.). Ohne Bewertung oder Rechtfertigungszwang oder unkonstruktive Konzepte wie &#8222;Schuld&#8220; oder Unterstellungen.<\/p>\n<p>Im Rahmen des ersten Schrittes, zun\u00e4chst einmal zusammen zu sammeln, was denn eigentlich die Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche der sogenannten &#8222;Marktteilnehmer&#8220; im sogenannten &#8222;kulturellen Sektor&#8220; sind, stellte ich dort mal meine Gedanken vor, erstmal ohne drauf zu achten, ob das &#8222;realistisch&#8220; sei oder mit den Interessen eines anderen kollidiert. Weil facebook leider ein geschlossenes System ist kopiere ich das auch noch mal hier her, vielleicht interessierts ja noch mehr Leute. <!--more--><\/p>\n<p>Ich sehe mich dabei in zwei der beteiligten Gruppen vertreten. Obacht,  jetzt wirds lang&#8230;<\/p>\n<p><b>1. Als Urheber<\/b><\/p>\n<p>Ausgangssituation (Die meisten reinen &#8222;Konsumenten&#8220; wissen das ja meist nicht wie sowas aussieht):<\/p>\n<p>Ich bin Musiker. Ich habe viel Zeit und Geld investiert, um Musik machen zu k\u00f6nnen, sowohl was die Ausbildung betrifft als auch was Equipment und Infrastruktur (von Homepage, Instrumente, Proberaum bis zu einem Auto, das ich nie h\u00e4tte (weil zu teuer) wenn ich nicht st\u00e4ndig gro\u00dfe Mengen Kram rumfahren m\u00fcsste).<\/p>\n<p>Bei ersterem bin ich zwar Autodidakt, habe also nie Unterricht genommen geschweige denn studiert, nichtdestotrotz habe ich freilich Zeit und auch Geld f\u00fcr Material, mit dem ich mir das beibrachte ausgegeben. Und das nicht wenig. Andere geben noch mehr Geld aus, denn es gibt kaum eine Ausbildung, speziell auf dem Sektor &#8222;popul\u00e4rer&#8220; Musik, die man nicht selbst zahlen muss. Man muss schon gro\u00dfer Idealist sein (und entweder Kohle haben oder bereit sein, l\u00e4ngere  Zeit sehr sehr prek\u00e4r zu leben oder &#8222;nebenher&#8220; arbeiten, was von der zur Verf\u00fcgung stehenden Zeit abgeht. Ein Student, der seine Studiengeb\u00fchren selbst erwirtschaften muss wei\u00df was ich meine, ein Student, der &#8222;nur&#8220; seinen Lebensunterhalt f\u00fcr die Studienzeit dazu jobbt k\u00f6nnte es ahnen), um sich das anzutun, denn egal wie sehr das Musik machen Spa\u00df macht: sich deshalb kaputt zu schuften und trotzdem zu hungern macht keinen. Ich hatte das Geld nicht (damals gabs auch im staatlichen Hochschulsektor nichts wie z.B. die Popakademie in Mannheim (BW, also (noch) Studiengeb\u00fchren).<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir, dass speziell den Leuten, die glauben, dass &#8222;Musik machen&#8220; erst mal nicht mehr als ein Hobby ist, verstehen, dass es das eben nicht ist. Es ist ein Beruf, meist auch &#8222;Berufung&#8220;, der, soll das, was dabei rauskommt, ein bestimmtes Qualit\u00e4tsniveau nicht unterschreiten, so richtig viel Zeit und Geld kostet f\u00fcr Ausbildung als auch \u00fcber die weitere Zeit um das Niveau zu halten\/steigern. Und ich w\u00fcnsche mir, dass erkannt wird, dass genau das dann auch die Voraussetzung daf\u00fcr ist, \u00fcberhaupt &#8222;gute&#8220; Songs zu komponieren. Also dauerhaft kreativ zu sein und urheberrechtlich gesch\u00fctzte Werke zu erstellen.<\/p>\n<p>Wenn das im Bewusstsein &#8211; auch so mancher Nerds, von denen manche leider gern mal \u00e4rgerlich naive Vorstellungen vom Song schreiben haben (da gibts doch inzwischen &#8217;ne App f\u00fcr) &#8211; angekommen ist w\u00e4re schon viel getan. Vor allem weil man sich dann nicht mehr dauernd rechtfertigen m\u00fcsste. Und dabei ist das egal, ob ich mir das &#8222;freiwillig&#8220; so ausgesucht habe &#8211; jede(r) tut das, was er tut irgendwie auch &#8222;freiwillig&#8220;. Auch Sysadmins oder Krankenschwestern. Letzteren kommt man \u00fcbrigens auch stets mit dem Argument &#8222;Aber ist es nicht ein tolles Gef\u00fchl, Menschen zu helfen? Und wenn es dir zu stressig und unterbezahlt ist, warum hast du denn dann den Beruf gew\u00e4hlt und nichts besser bezahltes gemacht?&#8220;. Kultur und Soziales haben da ein sehr \u00e4hnliches Problem. Bildung auch (Geisteswissenschaften speziell, Stichwort &#8222;Orchideenfach&#8220;).<\/p>\n<p>Wenn aus diesem Bewusstsein auch bei den Nutzern, bei denen das noch nicht so ist, die Erkenntnis erw\u00e4chst, dass der Wert eines Musikst\u00fcckes nicht in der in der Tat f\u00fcr sich selbst &#8222;wertlosen&#8220; Datei liegt sondern in der Arbeit, die aufgewendet wurde, dass diese \u00fcberhaupt existiert (sozusagen das Ergebnis einer vorangegangenen und finanziell vorgestreckten &#8222;Dienstleistung&#8220; ist, die man mit dem Bezahlen der Datei entlohnt &#8211; denn freilich ist &#8222;Diebstahl&#8220; v\u00f6llig unpassend, weil nur Dinge gestohlen werden k\u00f6nnen. Aber nicht nur Dinge haben Wert, andererseits) muss sich hoffentlich kein K\u00fcnstler mehr einen spie\u00dfigen &#8222;H\u00e4ttest du halt was gescheites gelernt&#8220;-Kommentar anh\u00f6ren. Oder &#8222;Du wolltest es doch nicht anders&#8220; &#8211; denn freilich bedeutet die Entscheidung, Musik \u00fcber Hobbyniveau hinausgehend machen zu wollen nicht auch, in Armut und Mangel leben &#8222;zu wollen&#8220;.<\/p>\n<p>Vom Gesetzgeber w\u00fcnsche ich mir eine klare und f\u00fcr alle verst\u00e4ndliche Unterscheidung zwischen &#8222;gewerblicher&#8220; und &#8222;privater&#8220; Nutzung von Kulturgegenst\u00e4nden und ein Lizenz- und Verwertungsrecht, das sich auf diesem Unterschied aufbaut. Ich w\u00fcrde das relativ einfach halten wollen: private Nutzung ist ab dem Zeitpunkt gegeben, ab der Mehrwertsteuer gezahlt wurde (denn dieses markiert im Normalfall den Kauf eines Produktes durch einen sogenannten &#8222;Verbraucher&#8220;) UND keine Eink\u00fcnfte damit erzielt werden.<\/p>\n<p>Die private Nutzung schlie\u00dft ein: die Privatkopie (die durch Wegfall von DRM oder Kopierschutzma\u00dfnahmen auch erm\u00f6glicht werden muss und bekanntlich abgegolten ist durch entsprechende Abgaben auf Ger\u00e4ten und Datentr\u00e4gern). Ver\u00f6ffentlichung sollte eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich sein (das Urlaubsvideo mit einem Musikst\u00fcck im Background, z.B., inklusive hochladen auf eine Videoplattform und\/oder Einbetten auf eine private Homepage, SocialMedia Profil o.\u00e4. &#8211; dass diese Plattformen u.U. damit Geld verdienen ist eine andere Baustelle, wenn diese die M\u00f6glichkeit zum Einstellen von privaten Videos erm\u00f6glichen m\u00fcssen sie freilich auch entsprechende Entgelt-Konditionen mit den Rechteinhabern aushandeln, denn hier sind wir im Bereich kommerzieller Nutzung. Die aber nichts mit der Privatperson, die das Video erstellt und hochgeladen hat, zu tun hat)<\/p>\n<p>Auf Verwerterseite w\u00fcnsche ich mir wieder weniger Corporate-Denke (Quartalsergebnisse, kurzfristige und -sichtige Strategien) und wieder mehr &#8222;Herz&#8220; f\u00fcr das, was man da eigentlich verkaufen m\u00f6chte. Dazu geh\u00f6ren faire Vertr\u00e4ge (keine Total-Buy-Out-Vertr\u00e4ge mehr, sowas geh\u00f6rt schlicht verboten) und die Erkenntnis, dass eine langfristige Investition nachhaltigere Ergebnisse nach sich zieht. Das Rausfeuern immer neuer Eintagsfliegen entwertet die Produkte. Einen Teil der Verantwortung daf\u00fcr, dass heute speziell im Pop-Bereich Musik oft  kein Wert mehr zugestanden wird d\u00fcrfte auch in dieser Form des &#8222;Produktmanagements&#8220; der gro\u00dfen Labels liegen.<\/p>\n<p>Das ist doch nicht, wof\u00fcr ihr mal angetreten seid, oder? Billigstes Fast Food, am liebsten zu Gourmet-Preisen verkauft? Come on! Auch ihr wolltet doch mal die Welt ver\u00e4ndern! Als ihr gegen alle Widerst\u00e4nde Leute auch politisch und sozialkritisch ambitionierte Acts gro\u00df gemacht habt. Damals. Und schaut sie euch an, gerade die sind nach wie vor die, die euch einen Haufen Geld in die Kasse sp\u00fclen. The Who, Stones, Beatles, U2, Nirvana, BAP uvm. &#8211; hat sich da die Investition nicht wirklich gelohnt, auch und gerade auf lange Sicht? Und warum h\u00f6rt man von euch heute nur noch Belanglos-POP, Herz-Schmerz-Befindlichkeitsfidifidi und Party? Wir hatten seit der Mitte der 90-ger mindestens so viele Kriege wie in den 60-gern, 70-gern und 80-gern, sogar mitten in Europa. In der Popul\u00e4rmusik hat man davon so gut wie nichts mitbekommen! Wo war eure Unterst\u00fctzung f\u00fcr K\u00fcnstler, die sich damit auseinander gesetzt haben?<\/p>\n<p>So unkommentiert h\u00e4tte auch der mainstreamigste Popul\u00e4r-Bereich in den vorangegangenen Jahrzehnten keinen Krieg gelassen, keine gesellschaftliche Entwicklungen, die sich aus einer Krise nach der anderen ergeben, usw. &#8211; und das liegt nicht daran, dass es die K\u00fcnstler dazu nicht gegeben h\u00e4tte. Sondern daran, dass ihr lieber Heimatfilme verkauft habt. Kraft durch Freude, wir sind wieder wer, nur keine Kunden durch sowas wie Gesellschaftskritik oder Welt-Probleme vergr\u00e4tzen. Ich w\u00fcnsche mir, dass ihr nicht mehr so feige seid. Und K\u00fcnstler wieder explizit dazu ermuntert, auch &#8222;politisch&#8220; zu sein. Ihr habt eine Aufgabe in der Gesellschaft. Wenn ihr die nicht wahrnehmen wollt: sterbt, denn dann braucht euch keiner mehr.<\/p>\n<p>Ich halte Verwerter nicht f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig. Im Gegenteil: sie k\u00f6nnen Dinge, die ich nicht kann. Sie wissen, wie man diesen B\u00fcrokratieschei\u00df mit GEMA, GVL, usw. handelt, so, dass ich am Ende sogar was rausbek\u00e4me. Sie haben PR-M\u00f6glichkeiten. Sie k\u00f6nnen finanzieren. Sie k\u00f6nnen mir den R\u00fccken frei halten. Ich will gar nicht &#8222;mich selbst vermarkten&#8220; m\u00fcssen, denn das kostet einen Haufen Zeit, der von meiner sowieso sp\u00e4rlichen Zeit, die ich f\u00fcr Musik aufwenden kann, nochmal abgeht. Ich will nicht Veranstaltern selbst hinterhertelefonieren m\u00fcssen, es gibt nichts bl\u00f6deres als sich selbst anpreisen zu m\u00fcssen, ich freue mich, dass es Booker, Verleger, Distributoren, Verk\u00e4ufer, PR-Leute usw. gibt, und sie alle sollen daf\u00fcr, dass sie mit meiner &#8222;Ware&#8220; Handel treiben auch ihren fairen Anteil am Gewinn haben. Diesen Gewinn erzielt man mit den Menschen, die sagen &#8222;Ja, das ist toll, da bezahle ich gern daf\u00fcr&#8220;.<\/p>\n<p>Die die tats\u00e4chlich nicht bezahlen wollen interessieren nicht, die w\u00fcrde so oder so nicht zahlen, die nehmen mir also nichts weg, auch wenn sie meine Musik h\u00f6ren, denn ob sie sie h\u00f6ren oder nicht, ich s\u00e4he keinen Cent von ihnen, auch keinen theoretisch zu errechnenden, denn k\u00f6nnten sie mich nicht &#8222;illegal&#8220; haben h\u00e4tten sie mich halt gar nicht und h\u00f6rten halt was anderes. M\u00f6gen ihnen die Ohren abfaulen, sollten sie mich st\u00e4ndig h\u00f6ren, aber mir nichts zahlen wollen, aber es ist Zeit- Energie- und Geldverschwendung, sich an denen aufzureiben. Ich halte die \u00fcbrigens f\u00fcr eine absolut vernachl\u00e4ssigbare Minderheit, ohnehin.<\/p>\n<p>Denn sonst vergr\u00e4tzt man die IMO viel gr\u00f6\u00dfere Gruppe derer, die bezahlen w\u00fcrden, es aber erst mal  nicht tun (k\u00f6nnen, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer). Die werden bezahlen, wenn sie feststellen &#8222;Oh, das gef\u00e4llt mir&#8220;, was sie aber erst k\u00f6nnen, wenn sie mich geh\u00f6rt haben. Und wenn sie es so k\u00f6nnen, wie sie es gern m\u00f6chten, also wenn man ihnen die &#8222;Ware&#8220; so verkauft, wie sie sie gern haben m\u00f6chten, in der Form, Pr\u00e4sentation  und der Einfachheit, wie sie das m\u00f6chten (Beispiel: iTunes und Co., ein Millionenmarkt, den jetzt ein Computerhesteller dominiert, weil die Musikindustrie es nicht schaffte, eine solche Verkaufsplattform als Antwort auf Napster und Co. aufzubauen, weil sie zu besch\u00e4ftigt war, Napster &#038; Co. zu verklagen. Dabei w\u00e4re es so einfach gewesen&#8230;.).<\/p>\n<p>Die werden aber nicht bezahlen, wenn man sie kriminalisiert, drangsaliert und mit juristischer Schei\u00dfe \u00fcberh\u00e4uft, obwohl sie doch unsere Fans sind. Ich w\u00fcrde da dann auch nichts mehr zahlen. K\u00f6nnten mich mal am Arsch lecken. Logisch? Na also.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir ein F\u00f6rderungsmodell (keine Ahnung, wie das aussehen kann, aber vielleicht f\u00e4llt ja wem was ein), das das derzeit mangelnde Engagment der Industrie ausgleicht, Kunst am Rande und au\u00dferhalb des Mainstreams zu f\u00f6rdern, denn kommerziell erfolgreich ist freilich nur, was einen Massemarkt erreicht, und das ist nie so progressiv wie die, die neue Impulse geben, Neues erfinden, experimentieren und damit nur einen Nischenmarkt bedienen, der allein ihnen keinen finanziellen Halt geben kann, weil er einfach zu klein ist. Ohne diese Leute aber dreht sich der Mainstream immer mehr im Kreis, verstreamlinet immer weiter, wie man ja heute sehen kann. Nie zuvor in der Geschichte war Mainstream so Retro wie heute.<\/p>\n<p>Das liegt IMO auch daran, dass kaum was neues entstehen kann, weil daf\u00fcr kein Platz und kein Geld da ist. Der R\u00fcckgriff auf die progressiven Elemente der 70-ger und 80-ger ist reine Notwehr, denn dort gibt es wenigstens noch Progressives, auf das man zur\u00fcckgreifen kann. \u00dcberlegt mal, die die die 80-ger erlebt haben: 25 Jahre alte Musik als direktes(!) (denn freilich gabs auch immer Inspirationen aus vorangegangenem) Vorbild f\u00fcr aktuelle Bands? Wir h\u00e4tten die ausgelacht und gefragt, was die mit dieser Opa-Mucke wollen. Heute wird aus dem Elektro, dem Punk, dem Grunge, dem Metal und dem New Wave der 80-ger nochmal rausgeholt was irgend geht. Denn was anderes ist nicht da. Es gibt niemanden, der darin einen Wert sieht. Und entsprechend Finanzen daf\u00fcr reserviert. Eigentlich m\u00fcssten die Plattenfirmen das tun, gerade aus den Erfahrungen der vor-90ger heraus, so viel Inspiration gabs nie, und soviel wirklich &#8222;gute&#8220;, neue Musik und K\u00fcnstler, die man verkaufen konnte gab es entsprechend auch nie.<\/p>\n<p>Tun sie aber nicht. Also muss es, wenn sie solche Musik bzw. auch solche Einfl\u00fcsse auf ihre Popkultur, haben m\u00f6chte, die &#8222;Gesellschaft&#8220; tun. Die, die mit dem Wort &#8222;Kultur&#8220; am Ende auch gemeint sind. Und denen eine vielf\u00e4ltige Kultur nutzt und mehr wert ist als die Zahlen in einer Bilanz.<\/p>\n<p>Kann sein, dass ein Konzept wie das BGE dieses Problem l\u00f6sen helfen kann. Bis das allerdings wirklich kommt, wenn \u00fcberhaupt, k\u00f6nnen noch Jahre und Jahrzehnte verstreichen. Nutzt uns also nichts, ebensowenig wie eine L\u00f6sung zu finden, die so tut, als g\u00e4be es es schon. Denn sie n\u00fctzt heute (noch) niemandem. Im Gegenteil, sie schadet, denn sowas gaukelt eine L\u00f6sung nur vor, so dass man vergisst, eine f\u00fcr die aktuellen Umst\u00e4nde zu finden.<\/p>\n<p>Flatrate? B\u00fcrokratischer Alptraum und hat die selben Probleme wie die GEMA-Praktik: es drohen genau die durch den Rost zu fallen, die jeden kleinen Cent n\u00f6tig h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Also: irgendwie muss es eine Kulturf\u00f6rderung geben, und zwar eine, die explizit die unterst\u00fctzt, die nicht schon Vertr\u00e4ge in der Tasche haben, die unabh\u00e4ngig sind und die noch keinen kommerziellen Erfolg haben (also das Gegenteil der heute g\u00e4ngigen Praxis, die sich gerade auch an kommerziellem Erfolg orientiert). Wie? (Noch) keine Ahnung. Die derzeitige F\u00f6rderung, speziell im popul\u00e4ren Bereich, beschr\u00e4nkt sich auf Jugendf\u00f6rderung (die ber\u00fcchtigten &#8222;Band-Durchschnittsalter 27&#8220;-Veranstaltungen). Also: Kulturf\u00f6rderung. Von Bands, von Veranstaltungen und Locations, auf denen Bands spielen k\u00f6nnen, von Finanzierungen f\u00fcr Produktionen. *Centindenwunschbrunnenwerf*<\/p>\n<p>Dann GEMA: Leidiges Thema, ich machs kurz: Ich will eine Rechtewahrnehmung, die sich nicht an die Person bindet sondern ans Werk. Hei\u00dft: ich will Werke anmelden k\u00f6nnen, am liebsten sogar nach Nutzungen aufgeschl\u00fcsslt, also Song X als GEMA-Material f\u00fcr Broadcasting und Tontr\u00e4ger, aber live und Internet nehme ich meine Rechte selbst wahr. Song Y ist CC. Song Z setze ich gar public domain. Derzeit ist ein Standard-GEMA-Vertrag quasi ein total Buy-Out, nicht nur aller bestehenden sondern auch aller zuk\u00fcnftiger Werke in welcher Form auch immer (sogar jede Impro-Jamsession auf einer open-Mic-B\u00fchne, ob ich das will oder nicht). Das ist nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df und auch nicht praktikabel.<\/p>\n<p>Ebenso wie die GEMA-Vermutung. Inzwischen machen so viele Menschen Musik, und ver\u00f6ffentlichen die auch, vor allem auch im Internet, weil man eben keine entsprechend darauf spezialisierten Techniker mehr daf\u00fcr braucht. Fr\u00fcher(TM) konnte man in der Tat vermuten, dass alles, was irgendwie &#8222;ausgestrahlt&#8220; wurde auch GEMA-Material ist, weil der Aufwand bis dahin auf jeden Fall gro\u00dfe professionelle Betriebe ben\u00f6tigte, so dass niemand &#8222;broadcastete&#8220;, der nicht so stark &#8222;professionalisert&#8220; war, dass die GEMA zum Standard geh\u00f6rte. Heute ist das anders. Also weg damit.<\/p>\n<p>Pay to Play: sittenwidrige Schei\u00dfe, sollte ebenso verboten werden wie Total-Buy-Outs. Hm, das wissen vielleicht auch viele Konsumenten gar nicht: als unabh\u00e4ngige Band hast du kaum mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Auftritte. Slots auf Festivals werden meist an Label oder sonstwen reserviert, die nat\u00fcrlich ihre signed artists da unterbringen oder Internetportale, die dann irgendein bl\u00f6dsinniges &#8222;Voting&#8220; veranstalten, kleine B\u00fchnen gibts kaum mehr, weil den Wirten GEMA zu teuer ist und sie gemerkt haben, dass sie mit &#8222;Kleinkunst&#8220; (meist Stand-Up Comedy o.\u00e4.) billiger fahren usw., daf\u00fcr verbreitet sich die Sitte wie die Pest, dass K\u00fcnstler in &#8222;Pay to Play&#8220;-Modellen quasi selbst f\u00fcr ihre Auftritte bezahlen. Also nicht nur keine Gage, sondern sogar Kosten. Auch Vorgruppen werden zunehmend nicht mehr gebucht sondern m\u00fcssen sich einkaufen, oft wird auch meistbietend versteigert (hei\u00dft, sogar Bands f\u00f6rdern die Selbstausbeutung anderer Bands, das ist schon sowas wie Kannibalismus).<\/p>\n<p>Unter solchen Bedingungen kommt so mancher Spruch von Konsumenten, speziell auch manchem Nerd, der die &#8222;Kostenlosigkeit&#8220; einer Mp3-Datei rechtfertigen m\u00f6chte (die das aber freilich einfach nicht wissen, sonst w\u00fcrde die sowas ja nicht sagen) \u00e4u\u00dferst zynisch, dass &#8222;die Bands heute doch viel mehr Geld durch Konzerte und Merchandising verdienen k\u00f6nnen und das doch der Mehrwert w\u00e4re, mit dem sich ein Auskommen erwirtschaften&#8220; lie\u00dfe &#8211; nein, tut es nicht, jedenfalls nicht f\u00fcr kleine Bands ohne Investor: Merch (Shirts etc.) muss erstmal eingekauft werden, also auch hier: vorgestreckt, in entsprechder Auflage\/Anzahl, und kleine Konzert werfen kein Geld ab sondern im Gegenteil, sie kosten meist sogar welches.<\/p>\n<p><b>2. Als Konsument<\/b><\/p>\n<p>Als Konsument geht es mir derzeit relativ gut, denn ich konsumiere haupts\u00e4chlich unabh\u00e4ngige Musik, so dass ich an der Stelle pers\u00f6nlich wenig mitbekomme von den G\u00e4ngelungen, denen Nutzer von Mainstream-Musik ausgesetzt sind, denn ich kaufe meist &#8222;direkt beim Erzeuger&#8220;, also den jeweiligen Bands, die ich h\u00f6re, oder im &#8222;Gro\u00dfmarkt&#8220;, denn mp3-Alben kann man ja inzwischen DRM-frei und bequem kaufen. OK, der Gro\u00dfteil des Geldes dieser letzteren K\u00e4ufe geht nicht mehr zu den Plattenherstellern, was aber nunmal daran liegt, dass die es verschliefen, selbst diese virtuellen Plattenl\u00e4den aufzubauen.<\/p>\n<p>Aber ich will von Plattenfirmen nicht als potentieller Verbrecher angesehen werden, und ich will nicht mit Geldstrafen bedroht werden, wenn ich meinem Kumpel oder im Social Media-Netzwerk meinen Freunden oder auf meinem Blog der ganzen Welt meine Begeisterung \u00fcber eine neu entdeckte Band zeigen will und dazu ein H\u00f6rbeispiel verlinke oder auf einen Geburtstagssampler ein paar meiner Lieblingssongs brenne. Das nennt man &#8222;Empfehlung&#8220;, und die Chance, dass das der Verbreitung und damit auch weiteren Verk\u00e4ufen nutzt ist weit gr\u00f6\u00dfer als dass dass jemand z.B. aufw\u00e4ndig den Stream rippt und das Teil kopiert ohne was zu zahlen. H\u00e4tt er ja eh nie, siehe oben.<\/p>\n<p>Ich will aber auch, dass es nicht noch schlimmer wird, sprich, keine Netzsperren, noch mehr Drohungen, Unterstellungen und Verd\u00e4chtigungen, die am Ende meine Privatsph\u00e4re durchl\u00f6chern, keine Zwangsabgabe, um Eink\u00fcnfte zu generieren, die auf dem freien Markt offenbar niemand mehr zu zahlen bereit ist (Leistungsschutzrecht o.\u00e4.) usw usf. &#8211; wie w\u00e4re es statt dessen damit, mir das und so zu liefern, wie ich das gern h\u00e4tte? Ich zahl sogar daf\u00fcr. Dann.<\/p>\n<p>Bei Filmen (ich liebe Bewegtbild) ist das etwas anders, da \u00e4rgere ich mich, dass mir die Industrie nicht das liefert was ich will, nicht mal, obwohl ich daf\u00fcr bezahlen w\u00fcrde (meine Original-DVD-Sammlung belegt meine Bereitschaft dazu glaube ich eindeutig) &#8211; ich will die aktuellste Serienstaffel sehen, wenn es sie gibt und nicht 3 Jahre drauf warten. Ich will die Filme sehen wann und wo ich m\u00f6chte, dazu geh\u00f6rt, dass ich sie mir konvertieren oder kopieren kann (oder man mir entsprechende Formate ohne Zusatzkosten zur Verf\u00fcgung stellt). Ich zahl sogar daf\u00fcr. Dann.<\/p>\n<p>Ich rippe meine gekauften DVDs auf Netzwerk-Platte. Dass ich dazu einen Kopierschutz \u00fcberwinden muss nervt. Ich mach das aber nicht nur, weil ich von jedem Ger\u00e4t drauf zugreifen will, das ich habe, sondern schmei\u00df bei der Gelegenheit auch immer die &#8222;Raubkopierer sind Verbrecher&#8220;-Werbung raus. Ihr Trottel: ich will nicht von euch  als Kunde beschimpft werden gerade WENN ich eine legale, von mir bezahlte DVD von euch angucke! Also: lasst den Kopierschutz weg und vor allem diese Beleidigung von Trailer.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich missf\u00e4llt mir, dass ich nach neuen Sachen, die etwas weg vom oder gar weit au\u00dferhalb des Mainstreams liegen, ewig suchen muss, und wenn ich was gefunden habe, feststellen muss, dass deren technische Qualit\u00e4t meist nicht mit deren kreativen Qualit\u00e4t mithalten kann, nicht weil sie schlecht w\u00e4ren, sondern weil sie einfach nicht die Mittel (Zeit, Equipment, Geld) haben, trotz m\u00f6glichst gro\u00dfer Selbstausbeutung (\u00fcbrigens auch etwas, das ich von der anderen Seite ebenfalls sehe, an mir selbst). <\/p>\n<p>Weil sie niemand unterst\u00fctzt, nicht finanziell, nicht Promo-m\u00e4\u00dfig, nicht mit Gigs, mit gar nichts. Ich will diese tollen, verr\u00fcckten, die Bezeichnung &#8222;authentisch&#8220; wirklich verdienenden, origin\u00e4ren Leute in mindestens der selben guten Qualit\u00e4t h\u00f6ren, sehen und sp\u00fcren wie den weichgesp\u00fclten Mainstreamm\u00fcll, mit dem ich \u00fcberall geflutet werde, ob ich das will oder nicht, und f\u00fcr den scheinbar so viel Kohle da ist, dass man es sich leisten kann, 10 fach redundant immer das selbe in 20 Varianten mit einem PR-Geld rauszuhauen, dass man sich fragt, wo denn dieses ganze Geld her kommt, wenn es der Branche angeblich so schlecht geht.<\/p>\n<p>Ich will F\u00f6rderungen, die es  independent Labeln erlauben, langfristig investieren k\u00f6nnen, um ihre K\u00fcnstler nachhaltig aufbauen zu k\u00f6nnen, wenn es schon die, die es sich eigentlich leisten k\u00f6nnten und das auch fr\u00fcher mal leidlich taten, nicht mehr tun.<\/p>\n<p>Ich will Konzerte, auf denen nicht immer und nur die selben Superstar-Headliner bis in den vorletzten Slot zu sehen sind (ein oder zwei brauchts als Zugpferd, klar, aber doch nicht nur noch!) , denn die k\u00f6nnen auch eigene gro\u00dfe Touren machen und bekommen die auch voll. Ich will Vielfalt.<\/p>\n<p>Und last but not least: <strong>Ich will Popkultur, die sich wieder um Gesellschaft, Politik und Menschen k\u00fcmmert, die wieder dort hinzeigt wo es richtig weh tut, ich will Protesthymnen und Pathos, ich will Musiker, die sich wieder trauen, Positionen und Stellungen zu beziehen und f\u00fcr diese eintreten.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/flattr.com\/thing\/1694\/sagichdoch\" target=\"_blank\" style=\"border:0;\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" title=\"Flattr this\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gesichtsbuch hat sich eine Gruppe von Leuten, haupts\u00e4chlich Musikern, zusammen gefunden, um \u00fcber das Urheberrecht zu reden (Mit einem IMO nicht besonders passenden Namen, aber was solls). 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