{"id":508,"date":"2012-11-08T13:48:37","date_gmt":"2012-11-08T12:48:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.svenscholz.de\/index.php\/till-kreuzer-uber-das-urheberrecht\/"},"modified":"2013-08-05T11:57:00","modified_gmt":"2013-08-05T10:57:00","slug":"till-kreuzer-uber-das-urheberrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/till-kreuzer-uber-das-urheberrecht\/","title":{"rendered":"Till Kreuzer \u00fcber das Urheberrecht"},"content":{"rendered":"<p>Till Kreuzer hat einen <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/archiv\/jahr\/2012\/10\/2863\/\" target=\"_blank\">langen, interessanten Aufsatz \u00fcber die Herausforderungen an ein modernes Urheberrecht <\/a>geschrieben. Und fordert darin, die Vermischung von Urheber- und Wirtschaftsrechten aufzuheben, da u.a. genau diese Vermischung zum einen Privatpersonen in einen f\u00fcr sie eigentlich nie &#8222;gedachten&#8220; \u00fcberkomplexen Rechtsrahmen gezogen hat, innerhalb dessen diese st\u00e4ndig und zwangsl\u00e4ufig nun mit ebenjenen Rechtsschranken st\u00e4ndig in Konflikt geraten, ob sie das nun wollen oder nicht, zum anderen diese Vermischung f\u00fcr ein Ungleichgewicht zu Ungunsten der Urheberseite auch gegen\u00fcber rein wirtschaftlich agierender Protagonisten, die nicht Urheber sondern &#8222;nur&#8220; Verwerter von deren Werken sind, f\u00fchrt. <\/p>\n<p>Dass die Interessen zwischen privatem &#8222;Nutzer&#8220;, Urhebern und Verwertern &#8211; f\u00fcr alle drei Parteien &#8211; neu austariert werden m\u00fcssen ist f\u00fcr jeden, der sich auch nur ein bisschen mit dem Thema besch\u00e4ftigt hat, ja (wenn er ehrlich ist) offensichtlich. Dass diese Austarierung IMO so fair ausbalanciert werden muss, dass zum einen das Vorteils-\u00dcbergewicht auf Verwerterseite, das die eigentlichen Urheber zu einfach in unfaire und vielfach sehr prek\u00e4re Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse zwingt, aufgel\u00f6st wird (keine Sorge, IMO wird kein Verwerter pleite gehen, der sein Gesch\u00e4ft zu fairen Bedingungen macht, es gibt genug seri\u00f6se Verwerter, die das schon immer tun und &#8222;trotzdem&#8220; erfolgreich sind &#8211; im Gegenteil, solche Verwerter w\u00fcrden im Wettbewerb gest\u00e4rkt, denn sie m\u00fcssten nicht mehr &#8222;Billigheimern&#8220; und Konzernen gegenhalten, die mit Vertragskonstrukten, die schon fast an Betrug, zumindest aber an Ausbeutung grenzen oder gar nur als solches zu bezeichnen sind, den Markt zu dominieren suchen), zum anderen den Privatmenschen wieder aus dem Rechtsrahmen herausnimmt, der nie f\u00fcr ihn gedacht war sondern bis vor vielleicht 15 Jahren sich ausschlie\u00dflich an gewerbliche Marktteilnehmer wandte und nur f\u00fcr diese relevant (und gedacht) war, ist  in der Tat mehr als \u00fcberf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Von der Idee einer &#8222;Kulturflatrate&#8220; bin ich aus verschiedenen Gr\u00fcnden (u.a. Stichwort: Verteilungsschl\u00fcssel, Nachweisb\u00fcrokratie und einiges mehr) nicht \u00fcberzeugt, insoweit hoffe ich f\u00fcr die zu suchenden L\u00f6sungen noch auf etwas Phantasie, die den Spagat zwischen B\u00fcrokratie und Missbrauchspotential einerseits und der Verg\u00fctung und fairen Verteilung andererseits irgendwie gel\u00f6st bekommt. Aber f\u00fcr die Beleuchtung der grunds\u00e4tzlichen Probleme und die Beschreibung dessen, wo es hingehen sollte (und warum) ist dieser Artikel eine saubere, sachliche und &#8211; vor allem &#8211; angenehm verst\u00e4ndliche und somit nachvollziehbare Grundlage.<\/p>\n<blockquote><p>[&#8230;]Obwohl der Urheber schon immer auch und vor allem Schutz vor seinem Vertragspartner brauchte (dem Verleger, dem Filmhersteller usw.), war das Urheberrecht stets so ausgestaltet, dass er alle Rechtspositionen, die ihm Geld einbringen, mehr oder weniger vollst\u00e4ndig abtreten konnte. Unter dem Diktat der Vertragsfreiheit wird es dem zumeist \u00fcberm\u00e4chtigen Verwerter \u00fcberlassen, ob und wenn wie viel der Urheber von den Erl\u00f6sen abbekommt. Nur das Pers\u00f6nlichkeitsrecht bleibt ihm, zumindest soweit wirtschaftliche Interessen des Verwerters hierdurch nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig beeintr\u00e4chtigt werden. Ein solches System ist nicht dazu geeignet (man k\u00f6nnte mutma\u00dfen: auch nicht dazu bestimmt), um den Urhebern ein Einkommen zu sichern.<\/p>\n<p>Die im Urheberrecht angelegte &#8211; vermeintliche &#8211; Schicksalsgemeinschaft zwischen Urheber und Verwerter ist ein Geniestreich der Kreativwirtschaft und wohl einer der gr\u00f6\u00dften Lobbyerfolge aller Zeiten. Sie ist der Grund daf\u00fcr, dass in Urheberrechtsdebatten sehr erfolgreich kulturelle, romantische und moralische Aspekte vorgeschoben werden (k\u00f6nnen), obwohl es fast ausschlie\u00dflich um reine Wirtschaftsinteressen, genauer darum geht, den Verlagen, Musik- oder Filmunternehmen weitergehende Monopole zur Gewinnmaximierung zu bescheren.<\/p>\n<p>Diese Vermischung v\u00f6llig unterschiedlicher Funktionen in einem &#8222;Urheberrecht&#8220; f\u00fchrt zu massiven Ineffizienzen und dazu, dass der Blick auf die unterschiedlichen Interessen und Anforderungen an den Schutz kreativer Leistungen verstellt wird. Dies zu unterbinden ist eine der gro\u00dfen Herausforderungen und wichtigsten Ansatzpunkte f\u00fcr zuk\u00fcnftige Urheberrechtsreformen. Eine konzeptionelle L\u00f6sung l\u00e4ge darin, die Interessen von Urhebern und Verwertern regelungssystematisch zu trennen. Man k\u00f6nnte in diesem Zuge ein &#8222;richtiges&#8220; Urheberrecht schaffen, das den Interessen der Kreativschaffenden tats\u00e4chlich gerecht wird (das z.B. als wesentliches Element neben den Pers\u00f6nlichkeitsrechten ein starkes Urhebervertragsrecht aufweist). Neben das Urheberrecht w\u00e4ren spezielle Wirtschaftsrechte zu stellen, die gleicherma\u00dfen die wirtschaftlichen Interessen der Verwerter (Werkmittler) als auch einen funktionierenden Wettbewerb sichern.[&#8230;]<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/flattr.com\/thing\/1694\/sagichdoch\" target=\"_blank\" style=\"border:0;\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" title=\"Flattr this\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Till Kreuzer hat einen langen, interessanten Aufsatz \u00fcber die Herausforderungen an ein modernes Urheberrecht geschrieben. 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