{"id":717,"date":"2013-10-27T12:25:28","date_gmt":"2013-10-27T11:25:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.svenscholz.de\/?p=717"},"modified":"2023-07-01T10:19:31","modified_gmt":"2023-07-01T09:19:31","slug":"kritische-massen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/kritische-massen\/","title":{"rendered":"Kritische Massen"},"content":{"rendered":"<p>Diesen Artikel habe ich eigentlich f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20131121103931\/http:\/\/fotoschraubr.wordpress.com\/2013\/10\/26\/kritische-massen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fotoblog Fotoschraubr<\/a> geschrieben, aber da ich finde, dass dieses Thema nicht nur Fotos und Foto-Communities oder -Blogs betrifft sondern alle Bereiche des Lebens, in denen &#8222;kritisiert&#8220; wird, poste ich ihn, nur leicht angepasst, auch noch einmal hier in meinem Blog, einfach, weil unser Fotoblog noch nicht die Reichweite hat, die ich mir f\u00fcr dieses Thema w\u00fcnsche.<\/p>\n<p>Hier bei mir im Blog geht es mir um eher Grunds\u00e4tzliches, denn ich bin der Meinung, dass wir alle, die wir mit einer sehr &#8222;typisch deutschen&#8220; Kritik- und damit zusammenh\u00e4ngenden Fehlerkultur aufwuchsen und von ihr gepr\u00e4gt wurden, Potentiale verschenken. Nein, verschenken ist zu schwach: wir trampeln auf ihnen herum und zerst\u00f6ren sie, ohne es zu bemerken.<\/p>\n<p>Ich will heute n\u00e4mlich mal ein Reizthema ansprechen: Die Sache mit der Kritik. Sowohl \u00f6ffentliche Kritik, die Menschen unter Bilder, Texte, Musik oder welche Ver\u00f6ffentlichung anderer Menschen auch immer schreiben, als auch die in &#8222;pers\u00f6nlicherem&#8220; Rahmen, von Schule, Studium, Beruf bis hin zu Freundeskreisen und Familie.<\/p>\n<p>Es gibt da ja grob zwei Fraktionen, nat\u00fcrlich mit Schnittmengen und flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4ngen, aber vereinfacht ausgedr\u00fcckt sagen die einen &#8222;Wenn mir etwas negativ auff\u00e4llt, dann sag ich das der\/demjenigen, damit in Zukunft diese Fehler vermieden werden&#8220; und die anderen &#8222;Ich n\u00f6rgle nicht ungefragt an Leuten herum, speziell nicht an Leuten, die ich gar nicht wirklich kenne, weil ich niemanden demotivieren m\u00f6chte&#8220;.<\/p>\n<p>Entsprechend dazu gibt es diese jeweiligen Vorlieben auch bei denen, die kritisiert werden selbst, also die, die rein positive Kommentare unter z.B. Fotos, von denen sie selbst wissen, dass sie M\u00e4ngel haben, als &#8222;Schleimerei&#8220; empfinden und das nicht als &#8222;richtige Kritik&#8220; empfinden, und solche, die sich von negativen Kommentaren verunsichern lassen, sie als \u00fcbergriffig empfinden und denen sowas deshalb auch nicht wirklich hilft.<\/p>\n<p>Nun, gerade im deutschen &#8222;Kulturraum&#8220; wird hinter dem Wort &#8222;Kritik&#8220; tats\u00e4chlich eher die &#8222;Benennung von M\u00e4ngeln&#8220; verstanden. Das bewerte ich nicht, das ist einfach eine Feststellung. Wenn ich im deutschen Sprachraum um Kritik bitte kann ich zu 99,9%er Sicherheit davon ausgehen, dass mein Gegen\u00fcber ein ernstes Gesicht macht, mit der Stirne runzelt, <em>&#8222;Hmmmm&#8230;&#8220;<\/em> sagt, und nach scharfem Blick und kurzer \u00dcberlegung tats\u00e4chlich beginnt, eine M\u00e4ngelliste aufzuz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Und zwar egal, wie gut das zu kritisierende Objekt neben diesen M\u00e4ngeln ist. Und ich kann mir auch ziemlich sicher sein, dass das mein Gegen\u00fcber auch wirklich etwas findet, denn die Aufforderung war ja die, zu kritisieren, und da sucht man eben auch wirklich so lange, bis man etwas gefunden hat.<\/p>\n<p>In anderen Kulturr\u00e4umen ist das anders, <!--more-->ich kenne zum Beispiel den angels\u00e4chsischen recht gut. Dort ist die Chance sehr hoch, dass unter der Aufforderung zu &#8222;Criticism&#8220; zun\u00e4chst einmal sogenannter &#8222;supportive criticism&#8220;, also &#8222;unterst\u00fctzende\/aufbauende Kritik&#8220; verstanden wird. Und selbst, wenn sich ein angels\u00e4chsischer Gegen\u00fcber bem\u00fc\u00dfigt f\u00fchlt, direkt nach der Frage<em> &#8222;Und? Was meinst du dazu?&#8220; <\/em>auch einen Mangel zu benennen, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit zun\u00e4chst eine Aufz\u00e4hlung dessen, was ihm gef\u00e4llt und was er &#8222;gro\u00dfartig&#8220; findet vorwegschicken, bevor er einen Mangel benennt, den er aber selbst tendenziell nochmal dadurch relativiert, indem er ihn in ein &#8222;overall positive&#8220; Feedback verpackt.<\/p>\n<p>Auf Menschen, die im deutschen Kulturraum gepr\u00e4gt wurden und mit der dortigen Form der &#8222;Kritik&#8220; aufgewachsen sind und diese deshalb mehr oder weniger als &#8222;normal&#8220; empfinden und gewohnt sind, macht diese angels\u00e4chsiche Form der Kritik oft einen oberfl\u00e4chlichen Eindruck, ich h\u00f6rte, wenn ich selbst diese (von mir inzwischen sehr gesch\u00e4tzte) Form der Kritik aus\u00fcbe, oft regelrecht entt\u00e4uschte Reaktionen im Sinne von &#8222;Aber das ist doch nicht nur alles toll an dem Ding, gibts denn nichts zu bem\u00e4ngeln?&#8220;.<\/p>\n<p>Wenn das von der Person kommt, zu deren Arbeit ich da was gesagt habe, ist das dann OK, dann sehe ich das als Aufforderung, ebenjene M\u00e4ngel ebenfalls zu benennen.<\/p>\n<p>Aber oft kommt eine solche Reaktion auch von &#8222;Zuschauern&#8220;, also Menschen, die gar nicht betroffen sind. Das finde ich dann immer recht interessant, zeigt es doch, wie tief diese &#8222;M\u00e4ngel-Kritik&#8220; hierzulande als &#8222;normal&#8220; empfunden wird und eine Abweichung von dieser Norm dann folgerichtig als &#8222;das ist doch keine richtige Kritik&#8220; wahrgenommen und empfunden wird, bis hin zu solchen Urteilen wie &#8222;Schleimerei&#8220; oder dass man &#8222;unehrlich&#8220; sei, als ob die Betonung dessen, was einem gef\u00e4llt, ohne gleichzeitig dazu zu sagen, was einem nicht gef\u00e4llt, &#8222;gelogen&#8220; sei, also das, was mir da &#8222;angeblich&#8220; gef\u00e4llt, dadurch nicht die &#8222;Wahrheit&#8220; sei, weil ich eben nur das Kund tue. Ich finde so eine Sichtweise inzwischen zunehmend irritierend, die quasi nur den Mangel als &#8222;Ehrlichkeit&#8220; anerkennt.<\/p>\n<p>Speziell, wenn ich den Menschen nicht wirklich kenne, weil es einfach irgendwer auf einer Community-Platform im Internet ist, oder nur fl\u00fcchtig, habe ich ja keine Ahnung, wie dieser Mensch mit negativem Feedback umgeht, ob ich ihn demotiviere oder ich ihm sonstwie zu nahe trete. Wenn ich jemanden pers\u00f6nlich kenne, gar befreundet bin, dann mag das ein bisschen anders sein, weil ich diese Person besser einsch\u00e4tzen kann oder konkret schon wei\u00df, welche Form von Kritik sie bevorzugt, aber selbst solchen gegen\u00fcber w\u00fcrde ich nie ungefragt(!) irgendwelche Negativkritik r\u00fcberwerfen an Dingen, die dieser Mensch da einfach f\u00fcr sich und weil er Spa\u00df dran hat tut.<\/p>\n<p>Ich habe diese angels\u00e4chsische Form (ich nenne das mal so, vereinfachend) der Kritik bewusst kennengelernt in einer weltweit besetzten Community von Musikern, die sich jeden Februar online &#8222;treffen&#8220;, um in diesem Monat Lieder zu schreiben.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung hei\u00dft <a href=\"http:\/\/fawm.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;FAWM&#8220; &#8211; &#8222;February Album Writing Month&#8220;<\/a>, und dort finden sich jedes Jahr aberhunderte Menschen aus aller Welt ein, von absoluten &#8222;Profis&#8220; bis zu blutigen Laien, die sich gegenseitig ihre Werke vorspielen. Das Ziel ist, 14 Songs in 28 Tagen zu schreiben und idealerweise auch Aufnahmen davon bereit zu stellen. Gerade die Nicht-Profis w\u00fcrden, wenn dort die &#8222;deutsche&#8220; Kritikkultur herschte, dort v\u00f6llig demotiviert werden, so aber, indem man ihnen sagt, an welchen Punkten ihrer Songs, sei es Texte, sei es ein Instrument, oder das Arrangement, oder auch die Aufnahme, ihre Songs &#8222;gut&#8220; sind, motiviert sie das ungemein, den n\u00e4chsten Song &#8222;besser&#8220; hinzubekommen, und meist schaffen sie das auch, eben weil die von Leuten auf ihre St\u00e4rken hingewiesen wurden.<\/p>\n<p>Es ist n\u00e4mlich meiner Erfahrung nach so: Menschen, die ambitioniert sind, etwas &#8222;Gutes&#8220; zu bewerkstelligen, sind im Normalfall \u00fcberkritisch (im &#8222;M\u00e4ngel&#8220;-Sinne) sich selbst gegen\u00fcber. Sie wissen meist ganz genau, wo es hakt, was ihnen nicht gef\u00e4llt an ihren Ergebnissen, und das verunsichert sie sowieso schon genug.<\/p>\n<p>Ich muss keinem Menschen, der Musik aufnimmt und im Takt wackelt, sagen &#8222;Hey, du stolperst aber ganz sch\u00f6n heftig!&#8220; &#8211; das wei\u00df diese Person normalerweise selbst. Ich muss auch nicht unter ein Foto, in dem der Himmel \u00fcberbelichtet ist und &#8222;ausblutet&#8220;, schreiben &#8222;Boah, dein Himmel da ist ja eine einzige wei\u00dfe Fl\u00e4che, die noch dazu in die Landschaft am Horizont reinstrahlt und das Bild v\u00f6llig kaputt macht&#8220; &#8211; jemand, die\/der mit etwas Ambition fotografiert, wei\u00df das und d\u00fcrfte schon selbst zur Gen\u00fcge grob ungl\u00fccklich \u00fcber diesen Mangel sein. Oder dar\u00fcber, dass einem Bild irgendwie Dynamik und Stabilit\u00e4t gleicherma\u00dfen fehlt, weil der Horizont zu hoch oder zu tief h\u00e4ngt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1591 aligncenter\" src=\"https:\/\/svenscholz.de\/wp-content\/2884722.06bec99f.800.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/svenscholz.de\/wp-content\/2884722.06bec99f.800.jpg 800w, https:\/\/svenscholz.de\/wp-content\/2884722.06bec99f.800-300x225.jpg 300w, https:\/\/svenscholz.de\/wp-content\/2884722.06bec99f.800-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p>Im besten Falle sagt man das einem selbstbewussten Menschen, der ja dennoch einen Grund hatte, das Bild zu zeigen, eben weil irgendwas daran doch so &#8222;gut&#8220; ist, dass er auf den Mangel, den es auch zeigt, einfach mal pfeift. Und damit auch darauf, dass irgendein Captain Obvious glaubt, ihn darauf hinweisen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im schlechtesten Falle tut man das einem Menschen an, der es noch nicht besser hinbekommen hat, und den man mit dieser Fokussierung darauf, warum das Bild &#8222;schlecht&#8220; sei, verunsichert und dazu bringt, im Zweifel nichts mehr zu ver\u00f6ffentlichen oder gar zu glauben, man sei einfach zu schlecht, mit dem Ergebnis, dass da jemand etwas sein l\u00e4sst, wo sie\/ereigentlich Potential gehabt h\u00e4tte, weil sie\/er z.B. ein herausragendes Talent f\u00fcr Timing oder Perspektiven hat. Das dann nicht mehr genutzt geschweige denn ausgebaut w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Von unsicheren Menschen kann ich erst mal nicht erwarten, &#8222;Herausragendes&#8220; geliefert zu bekommen. Denn herausragend kann man nur auf Gebieten werden, die einem &#8222;liegen&#8220;, wo das Talent den Durchschnitt \u00fcbersteigt. Wenn ich ihnen aber die Teilbereiche, auf denen sie schon &#8222;gut&#8220; sind, nicht sage, sondern im Gegenteil, ihnen (nur) vermittle, wo sie unterdurchschnittlich sind, dann sagt das Feedback:<em> &#8222;Du bist unterdurchschnittlich, und zwar durchweg&#8220;<\/em>. Denn die Unsicherheit verschiebt diesen Menschen den Blick ja sowieso schon, und ein solches Feedback best\u00e4tigt diesen verschobenen Blick. Wie gesagt, im schlimmsten Falle bedeutet das: die Person gibt auf.<\/p>\n<p>Menschen, die sich zun\u00e4chst darauf konzentrieren, ihre M\u00e4ngel zu bearbeiten, die meist wo ganz anders liegen als ihr Talent, und dabei die Bereiche, auf denen ihre Talente zu finden sind, erst einmal liegen lassen, f\u00e4llt es schwer, ein \u00fcberdurchschnittliches Ergebnis zu erreichen, denn dort, wo sie sich anstrengen m\u00fcssen liegt der Bereich, an dem sie mit viel Flei\u00df und Arbeit eben jene Durchschnitts-&#8222;G\u00fcte&#8220; erreichen k\u00f6nnen &#8211; Aber eben auch nicht wirklich mehr. &#8222;Mit viel Flei\u00df und Arbeit&#8220; bedeutet dar\u00fcber hinaus: mit Anstrengung. Was wenig Spa\u00df macht, also auch nicht wirklich der Motivation beitr\u00e4gt. Das beste Ergebnis, das man erreichen kann, ist der Durchschnitt? Nein, das macht keinen Spa\u00df. Das ist doch kein Ziel, das einen antreibt, &#8222;durchchnittlich gut&#8220; zu werden!<\/p>\n<p>Wenn sie sich aber stattdessen auf ihre Talent-Bereiche konzentrieren, dann k\u00f6nnen sie diese schnell \u00fcber den Durchschnitt heben, und der Rest zieht dann automatisch mit, denn mit dem Spa\u00df und der Motivation kommt auch Routine \u00fcber den Rest einer Aufgabe ins Spiel, so dass sich die M\u00e4ngel-Seite von ganz alleine verbessert, aber die Talentseite gleichzeitig \u00fcberragend werden kann.<\/p>\n<p>Das Problem ist f\u00fcr die meisten, ihre Talentseite \u00fcberhaupt zu erkennen, sie sich bewusst zu machen. Denn was hei\u00dft denn Talent? Dass einem etwas leicht von der Hand geht, oft ohne genau zu wissen warum und ohne sich dar\u00fcber bewusst zu sein, was man da eigentlich tut. Gerade weil es sich da um die Bereiche handelt, die man wie selbstverst\u00e4ndlich aus dem \u00c4rmel sch\u00fcttelt ist einem oft nicht bewusst, dass das keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist.<em> &#8222;Ach, das ist doch nichts&#8220; <\/em>ist da oft die Antwort und spiegelt eine Einsch\u00e4tzung der eigenen Leistung, die der Qualit\u00e4t dessen, was die Person da abliefert, \u00fcberhaupt nicht entspricht.<\/p>\n<p><em>&#8222;Das kann doch jeder, das ist doch nicht schwer, das ist doch selbstverst\u00e4ndlich&#8220; <\/em>&#8211; nein, ist es eben nicht. Das ist, was man den Menschen sagen muss. Dass das, worauf sie am wenigsten achten, weil es ihnen am leichtesten f\u00e4llt, genau das ist, was sie bzw. ihre Arbeiten au\u00dfergew\u00f6hnlich macht oder machen kann. Positives &#8222;supportive&#8220; Feedback hilft der so &#8222;kritisierten&#8220; Person, sich besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Und das, was sie derzeit noch mehr oder weniger unbewusst &#8222;gut&#8220; macht, zu kultivieren, ins Bewusstsein zu holen, auszubauen, um zu wissen, was man da eigentlich tut und das dann mit \u00fcberraschend wenig M\u00fche auf Qualit\u00e4tsstufen zu heben, die ein Werk in diesen Bereichen &#8222;\u00fcberragend&#8220; machen.<\/p>\n<p>Der Ehrgeiz und damit auch die Motivation, das Drumherum dann auch noch zu perfektionieren, kommt dann von ganz alleine. Und die F\u00e4higkeit, das auch zu schaffen, ebenfalls. Die \u00dcberdurchschnittlichkeit auf dem Gebiet der St\u00e4rken zieht alles andere automatisch mit, denn wenn man Spa\u00df hat an dem was man tut und &#8222;zufrieden&#8220; mit dem, was man schafft, dann tut man mehr. Und wer mehr tut wird routinierter. Und wer Routine aufbaut, der\/dem fallen Dinge leichter &#8211; auch die, auf sie\/er sich gar nicht so bewusst konzentriert. Oder vielleicht sogar: gerade deshalb, weil die Hauptkonzentration wo anders liegt.<\/p>\n<p>Erst dann, wenn ein Mensch derma\u00dfen &#8222;aufgebaut&#8220; ist, kommt das Feintuning, und das kommt dann auch von ganz alleine. Also die Fragen z.B., wie man diesen oder jenen kleinen Mangel noch beheben k\u00f6nnte, um etwas durchweg hammerm\u00e4\u00dfig hinzubekommen. Eine selbstbewusste Person, die motiviert ist und ambitioniert, herausragende Dinge zu schaffen, hat kein Problem mehr damit, sich auch \u00fcber die M\u00e4ngel eines Werkes zu unterhalten. Im Gegenteil, sie spricht das dann selber an. Eben weil sie wei\u00df, dass sie eigentlich ein tolles Ergebnis hat &#8211; oder haben k\u00f6nnte, wenn in diesem oder jenem Detail noch etwas perfektioniert werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Entsprechend wird eine solche Person von ganz alleine Fragen stellen, die M\u00e4ngel ansprechen und benennen. Um Antworten zu bekommen, die ihr helfen, diese M\u00e4ngel auch noch zu beheben. Weil sie es selbst will, weil sie selbst ein rundum &#8222;perfektes&#8220; Ergebnis haben m\u00f6chte, einen perfekten Rahmen f\u00fcr das, was ihr Spa\u00df macht, und das ebendas, ihr Talent und ihre St\u00e4rken, heraushebt und zur Geltung bringt.<\/p>\n<p>Das ist eine v\u00f6llig anderere Herangehensweise als erstmal den Rahmen aufzubauen und dann erst die Elemente auszubauen, die ein Ergebnis strahlen l\u00e4sst. Das n\u00e4mlich tut niemand. Da macht man irgendwann lieber einfach was anderes. Was was Spa\u00df macht.<\/p>\n<p>Und so ist dann auch meine weitere Erfahrung: irgendwann kommt jede Person, die etwas dadurch besser machen will, weil etwas zwar irgendwo ein richtig tolles Element beinhaltet, aber drum herum noch kleinere oder gr\u00f6\u00dfere M\u00e4ngel bestehen, das das Tolle daran tr\u00fcbt, von selbst an und will wissen, was man besser machen kann. Es kann durchaus vorkommen, dass diese Person dann eine Frage stellt, wie <em>&#8222;Ich bin grunds\u00e4tzlich ja super zufrieden mit dem Ergebnis, aber irgendwas stimmt nicht ganz daran, aus irgendeinem Grund f\u00fchlt es sich nicht so perfekt an, wie es sein k\u00f6nnte &#8211; sieht irgendwer, woran das liegen k\u00f6nnte?&#8220;<\/em> &#8211; Dann, und nur dann ist eine M\u00e4ngelliste angebracht. Am besten gleich mit Tipps versehen, wie man sie beheben kann.<\/p>\n<p>Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass so eine Person die M\u00e4ngel sowieso selber anspricht.<em> &#8222;Verdammt, das w\u00e4re so ein tolles Landschaftsbild, aber ich bekomme die Belichtung nicht in den Griff, so das mir st\u00e4ndig der Himmel zu wei\u00df wird &#8211; was mach&#8216; ich da falsch, kann mir jemand einen Tipp geben?&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Wie gesagt: wenn jemand ambitioniert ist, z.B. &#8222;gute Fotos&#8220; zu machen, dann wei\u00df die\/derjenige eben meist selbst gut genug, welche M\u00e4ngel ein Bild hat. Man darf drauf warten, bis die\/derjenige das selbst anspricht. Denn das wird sie\/er.<\/p>\n<p>Und zu guter Letzt noch: Leuten, die \u00fcberhaupt nicht die Ambition haben, &#8222;tolle Fotos&#8220; zu machen, sondern denen es gen\u00fcgt, z.B. auf einer Reise einfach quasi dokumentarisch zu knipsen, hauptsache, das, was man da sieht, ist irgendwie festgehalten, braucht man ebenfalls nicht mit M\u00e4ngeln daher kommen. Denn die interessieren die betreffende Person nicht, im Gegenteil, man kann davon ausgehen, als bl\u00f6der Besserwisser dazustehen, und das sogar zu recht.<\/p>\n<p>Aber wenn man so jemanden trifft und man in seinen Knipsereien etwas entdeckt, das heraussticht, z.B. dass die\/derjenige offensichtlich ein Auge f\u00fcr Bildausschnitte hat, oder f\u00fcr Situationen, oder Farben &#8211; dann ist es wiederum das positive, das &#8222;supportive&#8220; Feedback, das es vielleicht schaffen kann, da Ambitionen zu wecken. Und damit ein Talent auszugraben, von dem die\/derjenige gar keine Ahnung hatte, dass es da ist. Und dass sie\/er Spa\u00df dran haben k\u00f6nnte, etwas damit anzufangen und es auszubauen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1592\" src=\"https:\/\/svenscholz.de\/wp-content\/26987397.92b32c97.1024.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"684\" srcset=\"https:\/\/svenscholz.de\/wp-content\/26987397.92b32c97.1024.jpg 1024w, https:\/\/svenscholz.de\/wp-content\/26987397.92b32c97.1024-300x200.jpg 300w, https:\/\/svenscholz.de\/wp-content\/26987397.92b32c97.1024-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Also, beim n\u00e4chsten Mal, wenn ihr jemanden kritisiert: fragt euch doch mal, wie ihr das eigentlich so macht, mit der &#8222;Kritik&#8220;. Wie ihr selbst das gerne h\u00e4ttet und wie ihr selber gelernt habt, zu kritisieren. Und fragt euch speziell, wenn ihr mal wieder glaubt, irgendwen auf einen Mangel hinweisen zu m\u00fcssen, ob das wirklich das ist, was diese Person ben\u00f6tigt, um bessere Ergebnisse zu erzielen&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Artikel habe ich eigentlich f\u00fcr das Fotoblog Fotoschraubr geschrieben, aber da ich finde, dass dieses Thema nicht nur Fotos und Foto-Communities oder -Blogs betrifft sondern alle Bereiche des Lebens, in denen &#8222;kritisiert&#8220; wird, poste ich ihn, nur leicht angepasst, auch noch einmal hier in meinem Blog, einfach, weil unser Fotoblog noch nicht die Reichweite &hellip; <a href=\"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/kritische-massen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Kritische Massen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"activitypub_content_warning":"","activitypub_content_visibility":"","activitypub_max_image_attachments":3,"activitypub_interaction_policy_quote":"anyone","activitypub_status":"","footnotes":""},"categories":[8,4,14,11],"tags":[31,111,112,92,113],"class_list":["post-717","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fremdlesen","category-gesellschaft","category-kultur","category-medien","tag-blog","tag-kritik","tag-normen","tag-socialmedia","tag-zwischenmenschliches"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=717"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1593,"href":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717\/revisions\/1593"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}