{"id":898,"date":"2014-08-04T17:22:49","date_gmt":"2014-08-04T16:22:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.svenscholz.de\/?p=898"},"modified":"2018-06-18T10:44:34","modified_gmt":"2018-06-18T09:44:34","slug":"warum-ich-jetzt-halt-doch-pazifist-bin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/svenscholz.de\/index.php\/warum-ich-jetzt-halt-doch-pazifist-bin\/","title":{"rendered":"Warum ich jetzt halt doch Pazifist bin&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8230;und sich diese Haltung mit jedem Jahr, das ich \u00e4lter ich werde, verst\u00e4rkt hat.<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin ja nun schon ein paar J\u00e4hrchen alt. Sechzehnunddrei\u00dfig werde ich dieses Jahr. In meiner Jugendzeit tobte der kalte Krieg, der, wie wir inzwischen wissen, nur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Able_Archer_83\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">durch Zufall<\/a> und weil am Ende einer Befehlskette <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stanislaw_Jewgrafowitsch_Petrow\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Mensch sa\u00df, der sein Hirn nicht abgeschaltet hatte<\/a>, nicht hei\u00df wurde. Und wer wei\u00df, wie viele Beinahekatastrophen es noch gab, die nicht so bekannt geworden sind wie diese zwei.<\/p>\n<p>Nach den vielen kleinen Stellvertreterkriegen dieser Zeit kamen dann Irakkrieg 1, Yugoslawien, Irakkrieg 2, Afghanistan und viele mehr, Israel war sowieso immer Thema, eine der gr\u00f6\u00dften Katastrophen und Entt\u00e4uschungen war <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jitzchak_Rabin#Ermordung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rabins Ermordung<\/a>, die die beste und seit langer Zeit einzige Hoffnung auf Frieden seit Jahrzehnten da unten mit nur drei Kugeln f\u00fcr weitere Jahrzehnte zerst\u00f6rte, indem man das zum Anlass nahm, das Gegenteil dessen zu tun was Rabin wollte, damit die M\u00f6rder gewinnen lie\u00df und Rabin so doppelt verriet.<\/p>\n<p>Ich war nicht immer Pazifist. Hm, stimmt nicht, ich war es eigentlich schon, aber ich h\u00e4tte mich nicht immer als solcher bezeichnet. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Jedes Kind kann Empathie lernen. Und das hat nichts mit Bildung zu tun. Aber mit Menschlichkeit.<\/strong><\/p>\n<p>Meine Eltern sind keine &#8222;Intellektuellen&#8220;, sie haben beide &#8222;nur&#8220; Volksschulabschluss, wie es bei der Generation der Jahrg\u00e4nge um 1945 herum nicht un\u00fcblich ist (Dass man mit einem solchen Abschluss damals tats\u00e4chlich noch etwas rei\u00dfen konnte, im Gegensatz zu heute, ist ein anderes Thema). Sie sind oder waren auch keine Hippies, oder sonstige &#8222;Revoluzzer&#8220;, au\u00dfer, dass mein Vater in den 70gern mal l\u00e4ngere Haare hatte (nicht so lange wie ich), aber er war ja auch <a href=\"http:\/\/www.svenscholz.de\/index.php\/foto-im-raum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Drummer in einer Band<\/a>, da durfte man das. Dennoch &#8211; im Sinne &#8222;entgegen des Klischees&#8220; &#8211; haben sie mir fr\u00fch beigebracht, \u00fcber Konsequenzen von Krieg und Gewalt nachzudenken. Genau genommen haben sie mich als Kind damit genervt, wenn sie mich daf\u00fcr kritisierten, mit Spielzeugpistolen oder auch D\u00fcsenj\u00e4germodellen usw. zu spielen. Ich habe nat\u00fcrlich nicht verstanden, was sie meinen, und ich ignorierte diese Bedenken nat\u00fcrlich, wie ein Kind das eben ignoriert. &#8222;Da rein, dort wieder raus&#8220;.<\/p>\n<p>Aber es ging nicht vollst\u00e4ndig wieder raus, es suchte sich ein gem\u00fctliches verstecktes Pl\u00e4tzchen da in dem kleinen Kinderhirn, wo es einfach wartete. Als Erinnerung und als Information f\u00fcr sp\u00e4ter, wenn ich mal soweit sei, Zuammenh\u00e4nge herzustellen und ich nicht mehr in einer reinen Spielwelt leben w\u00fcrde. Sondern auch in der &#8222;echten&#8220;.<\/p>\n<p>Meine Eltern haben den Krieg als solchen nicht miterlebt, mein Vater war ein Jahr alt, als er endete, meine Mutter war noch nicht geboren. Aber sie haben dessen lange Zeit nachwirkenden direkten Auswirkungen erlebt, denn sie sind in einer zerst\u00f6rten Welt aufgewachsen und haben diese als Normalit\u00e4t erlebt, um dann \u00fcber Jahre zu lernen, dass das so nicht normal ist sondern besser werden kann. Sie sind Kinder der Stunde Null und des Wiederaufbaus und sp\u00e4ter dann des Wirtschaftswunders.<\/p>\n<p>Wenn es eine Generation gibt, die durch eigene Erfahrung gelernt hat, wie toll das ist, in einer Welt zu leben, in der Frieden ein Dauerzustand ist und wie dieser Zustand das Leben &#8222;gut&#8220; bzw. immer besser machen kann, je l\u00e4nger eine solche Zeit anh\u00e4lt, dann diese. Und speziell noch der Teil dieser Generation, dem meine Eltern angeh\u00f6rten: Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p>Die Familie meines Vaters floh aus Ostpreu\u00dfen, K\u00f6nigsberg. Meine Oma mit drei Kindern, Opa war in russischer Kriegsgefangenschaft, schaffte es irgendwie, da raus zu kommen, zur\u00fcck nach K\u00f6nigsberg, und die Familie auf den Weg zu bringen, bevor es zu sp\u00e4t war. Sie flohen zu Fu\u00df. Von Ostpreu\u00dfen bis Nordbayern. Kurz sp\u00e4ter gings nach D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>Die Familie meiner Mutter kommt urspr\u00fcnglich aus dem Egerland, heute Tschechien. Und landete in einer Holzbaracke au\u00dferhalb eines Dorfes ebenso in der Rh\u00f6n. Keiner dort wollte mit Fl\u00fcchtlingen zu tun haben, das war quasi unterster gesellschaftlicher Bodensatz. Hatten ja nix. Also richtig gar nix.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht genau, warum Fl\u00fcchtlinge, sogar Landsleute, oft von Einheimischen so schlecht behandelt wurden, vielleicht hatte es damit zu tun, dass sie den Menschen zu deutlich klar machten, dass (auch) sie Schei\u00dfe gebaut hatten und verloren haben, dass sie &#8222;Schuld&#8220; sind, dass dies das Ergebnis ihres absoluten Versagens ist, das sie da jetzt direkt vor Augen haben.<\/p>\n<p>Diese Geschichte aber ist mein Hintergrund, wenn ich mich \u00fcber die Behandlung von Fl\u00fcchtlingen und Asylanten heute hier und in Europa aufrege. Auch wenn ich selbst diese Behandlung nicht mehr erleben musste, meine Familie hat es erlebt, und ja, diese Familiengeschichte traumatisiert auch noch nachfolgende Generationen.<\/p>\n<p>Meine Eltern, wahrscheinlich weil sie selbst nichts verloren haben sondern in den Stand Null hinein geboren wurden und damit nie ein &#8222;es war so sch\u00f6n, dann wurde alles zerst\u00f6rt&#8220; erlebten sondern nur ein &#8222;es ist ganz furchtbar, aber mit jedem Jahr wird es etwas besser&#8220;, geh\u00f6ren nicht zu jenen, die ihrer verlorenen Heimat hinterhertrauerten, denn sie kannten diese ja nicht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hei\u00dft das nicht, dass sie gefeit w\u00e4re vor Abstumpfung und Trauma, im Gegenteil, sie wuchsen in einer Umwelt auf, die voller Scham, voller Schuldgef\u00fchle (wer wei\u00df, <a href=\"http:\/\/www.nornirsaett.de\/norm-schuld-die-rueckkehr-ins-paradies\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie &#8222;Schuld&#8220; funktioniert<\/a>, wei\u00df, dass das ein gro\u00dfes Problem ist, denn um Schuld loszuwerden muss man sie einem anderen geben) und voller traumatisierter Menschen war. Einer solchen Umwelt f\u00e4llt es schwer, ihren Kindern den Wert von Menschlichkeit, Mitgef\u00fchl und Empathie beizubringen.<\/p>\n<p>Irgendwie schafften meine Eltern es dennoch, solche Werte zu erfahren und ihrerseits weiterzugeben. Kann sein, dass es zu einem gro\u00dfen Anteil daran lag, dass die Familie m\u00fctterlicherseits eine echte Gro\u00dffamilie ist und deshalb zumindest innerhalb der Familie nicht ohne soziale Grundwerte auskam und deshalb solche behielt, entwickelte und weitergab.<\/p>\n<p>Ich wuchs jedenfalls tats\u00e4chlich im Bewusstsein dar\u00fcber auf, dass es da mal einen Krieg gab, der noch nicht so lange her war. &#8222;Nicht so lange&#8220; ist nat\u00fcrlich relativ, 1975, also als ich 7 war, war er 30 Jahre lang her, seine direkten sicht- und sp\u00fcrbaren Auswirkungen allerdings h\u00f6chstens 20 Jahre. Wenn ich mir heute \u00fcberlege, dass &#8222;vor 20 Jahren&#8220; aus heutiger Sicht 1994 ist und wie mich heute die 90ger pr\u00e4gen und wie nah mir diese sind, dann ist das keine lange Zeit. F\u00fcr meine Eltern.<\/p>\n<p><strong>Was ist Zeit?<\/strong><\/p>\n<p>Und so, wie ich mich an den Mauerfall vor 25 Jahren wie gestern erinnere, waren die Erinnerungen an zerbombte St\u00e4dte, Milit\u00e4r, Fl\u00fcchtlinge, zur\u00fcckkehrende Kriegsgefangene, Not und Zerst\u00f6rung pr\u00e4sente Erinnerungen meiner Eltern, die sie nat\u00fcrlich auf die selbe Weise weitergeben wie ich meine Erinnerungen an die 80er und 90er.<\/p>\n<p>Ich denke, dass man sich das ruhig mal bewusst machen muss, diese zeitlichen Dimensionen. Sie sind kleiner als man denkt. Zumindest werden sie es mit jedem Jahr, das man selbst \u00e4lter wird. Denn, nat\u00fcrlich: als ich selbst 20 war, waren diese Dimensionen nat\u00fcrlich v\u00f6llig un\u00fcberschaubar gro\u00df und wenig nachvollziehbar. Die Pers\u00f6nlichkeit, die ich heute bin, war mit 20 Jahren gerade mal h\u00f6chstens 5 Jahre alt. Wenns hin kommt.<\/p>\n<p>Davor war ich jedes Jahr jemand anderes, meist sogar v\u00f6llig neues. Wie jedes Kind. Auch dessen sollte man sich erinnern, wenn 40 oder 50-j\u00e4hrige heute von h\u00f6chstens 20-j\u00e4hrigen fordern, Dinge aus der aus unserer Sicht aktuellen Geschichte nachzuvollziehen. Das k\u00f6nnen die nicht. So wie ich das mit 20 nicht mit der f\u00fcr meine Eltern pr\u00e4senten Geschichte konnte.<\/p>\n<p>Das erste Mal, dass ich mit meinem inneren Pazifisten zu tun bekam jedenfalls war, als die Entscheidung &#8222;Bundeswehr oder Zivildienst&#8220; anstand. Zu meiner eigenen Verwunderung stellte ich n\u00e4mlich fest, dass Wehrdienst keine Option war. Und zwar kategorisch. Ich konnte mich nicht in Uniform vorstellen, auf einem Kasernenhof oder im Gel\u00e4nde mit einer Waffe im Schlamm robbend. Das ging nicht. Das war nicht vorstellbar. So weit weg und unerreichbar wie eine andere Galaxis.<\/p>\n<p><strong>Perspektiven<\/strong><\/p>\n<p>Warum mich das verwunderte? Weil ich mich durchaus f\u00fcr Milit\u00e4rtechnik interessierte, schon als kleines Kind. Flugzeuge, speziell D\u00fcsenj\u00e4ger. Ich spielte ja auch schon mehrere Jahre mit Begeisterung Computerspiele. Bevorzugt sogenannte Ballerspiele. Und schon als Kind mit Spielzeugpistolen. Oder Pfeil und Bogen. Schwerter waren auch schon immer eine tolle Sache. Ich war und bin Star Wars-Fan der ersten Stunde, ich liebe Filme mit gepflegter Weltraumballerei und gro\u00dfen Explosionen. Und \u00fcberhaupt Filme mit viel Krachbumm. Noch heute. \u00c4sthetisch in Szene gesetzte Gewaltszenen, wie z.B. in &#8222;Matrix&#8220; kann ich mir immer wieder anschauen. Und all sowas. Es ist also nicht so, dass es grunds\u00e4tzlich das Bild von Gewalt ist, womit ich nichts zu tun haben wollte. Ich dachte damals lange nach, warum f\u00fcr mich ein Wehrdienst so unmissverst\u00e4ndlich und kategorisch keinesfalls in Frage kommen konnte.<\/p>\n<p>Damals kam ich zu dem Schluss, dass ich mir nicht vorschreiben lassen wollte, wer mein Feind zu sein hat. Dass jemand kommen k\u00f6nnte und sagt &#8222;Du kennst den zwar nicht, aber t\u00f6te ihn, denn er ist unser Feind&#8220; drehte mir den Magen um. Ich schrieb genau das in meine Verweigerung. Und nat\u00fcrlich, dass ich in einer pazifistisch denkenden Familie aufwuchs und entsprechende Werte hatte, die ich nicht aufzugeben ged\u00e4chte.<\/p>\n<p>Mein Vater ist auch Wehrdienstverweigerer. Er musste zu seiner Zeit noch das volle Programm durchziehen, Gewissenspr\u00fcfung in mehreren Gerichtsverhandlungen, inklusive den perfiden &#8222;Was w\u00fcrden Sie tun, wenn ein russischer Soldat Ihre Frau vergewaltigt und Sie k\u00f6nnten das verhindern, weil Sie eine Waffe in der Hand haben&#8220;-Fragen und alles. Er hat es geschafft.<\/p>\n<p>Ich musste zu meiner Zeit nur noch einen zwei Seiten langen Brief schreiben. Und konnte darin sogar ein wenig Ambivalenz zeigen. Was vielleicht auch daran lag, dass das Gesundheits- und Sozialsystem Anfang der 90ger fest mit Zivildienstleistenden kalkulierte. Eine individuelle Schwerbehindertenbetreuung (was ich dann machte) kam ebensowenig ohne Zivis aus wie jedes Krankenhaus. Gen\u00fcgend Zivis zu haben war nicht weniger wichtig als gen\u00fcgend Soldaten zu haben. Vielleicht sogar wichtiger, denke ich.<\/p>\n<p>Heute wei\u00df ich, dass meine R\u00fcckschl\u00fcsse damals zwar richtig waren, aber lange nicht alles. Bzw. nicht eine Ursache, sondern eine Folge von ganz anderen Dingen. Vor allem eine Folge der Erziehung meiner Eltern. Die haben mir nie verboten, Krieg zu spielen. Sie kauften mir als Kind Spielzeugpistolen und Munition zu Fasching, sie lie\u00dfen mich D\u00fcsenj\u00e4ger malen und Kampfszenen, mich drau\u00dfen mit St\u00f6cken rumfuchteln, sie lie\u00dfen mich Filme schauen, Comics lesen, Computer spielen.<\/p>\n<p>Aber sie zeigten jeweils und immer Missbilligung. Sie fragten mich stets, ob ich mir im Klaren sei, was das, was ich da spielte, was mich faszinierte, was mich interessierte, bedeutete, wenn es &#8222;echt&#8220; w\u00e4re. Eine echte Pistole. Die Menschen wirklich verletzt oder t\u00f6tet. Sie machten mich immer drauf aufmerksam, dass eine Explosion im Film in der Wirklichkeit Tote, Verletzte und Zerst\u00f6rung bedeuten w\u00fcrde. Und immer auch Unschuldige tr\u00e4fe. Und es auch immer in Frage zu stellen sei, ob die jeweiligen Gegner wirklich alle so eindeutig &#8222;b\u00f6se&#8220; seien, wie es der Film vorgab. Denn in der Wirklichkeit w\u00e4ren die auch mal Kinder wie ich gewesen. Mit Eltern. Und vielleicht mit eigenen Kindern.<\/p>\n<p>Meine Eltern taten das nicht massiv. Sondern in einer subtilen Stetigkeit, die das zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit machte. Manchmal reichte sogar nur ein Blick oder ein Verdrehen der Augen. Es waren meist auch nur Nebens\u00e4tze. Kleine Bemerkungen.<\/p>\n<p>Diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit, den Sinn von Gewalt, von Waffen, von Kampf und Krieg immer zu hinterfragen ist, denke ich heute, das, was ich meinen inneren Pazifisten nenne. Der selbstverst\u00e4ndlich den Sinn eines Wehrdienstes hinterfragte. Und selbstverst\u00e4ndlich zum Schluss kam, dass Milit\u00e4rdienst eine v\u00f6llig bescheuerte Idee w\u00e4re. Weil Wehrdienst im echten Leben stattfindet. Und eben kein Spiel ist.<\/p>\n<p>Denn genau das war der Effekt, den dieses Hinterfragen hatte: den Unterschied zwischen Spiel und Ernst nicht nur zu erkennen, sondern sich dieses Unterschieds jederzeit und ohne gro\u00df dr\u00fcber nachdenken zu m\u00fcssen bewusst zu sein. Nie ein Problem mit der Frage gehabt zu haben &#8222;Du spielst Ballerspiele, du schaust Filme, in denen das Blut spritzt und kannst dar\u00fcber sogar lachen, du hast Schwerter daheim an der Wand h\u00e4ngen, mit denen du sogar umgehen kannst, aber du bezeichnest dich als Pazifist und bist gegen jede Form von Krieg oder auch nur Milit\u00e4r, das ist doch ein Widerspruch?&#8220; &#8211; Nein. Ist es nicht. War es nie. Denn ich kann zwischen Fiktion und Realit\u00e4t unterscheiden.<\/p>\n<p>Da ist eine Grenze, die mir so deutlich und eindeutig erkennbar ist wie eine Betonfl\u00e4che neben einer Sommerwiese. Und das selbe gilt f\u00fcr andere &#8222;Vorstellungen&#8220;, mit denen man Realit\u00e4t angeblich abbildet, aber oft genug nur versteckt. Z.B. die, die durch Ideologien und Vorurteile (die letztlich ja auch nur Phantasiewelten sind, wie die, in denen ich als Kind spielte, sind) gezeichnet werden. Oder durch Medien mit ihren Zahlen und Grafiken, hinter denen Menschen und ihre Schicksale versteckt werden anstatt gezeigt.<\/p>\n<p><strong>Popkultur doing it right<\/strong><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.dailymotion.com\/embed\/video\/x2eb44\" width=\"480\" height=\"270\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.dailymotion.com\/video\/x2eb44_sting-russians_music\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sting &#8211; Russians<\/a> <i>von <a href=\"http:\/\/www.dailymotion.com\/zocomoro\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zocomoro<\/a><\/i><\/p>\n<p>Hilfreich war es wahrscheinlich auch, dass ich meine Jugend in den 80gern verbrachte. Und damit im letzten Jahrzehnt, bevor die BWLer und Shareholderprinzipien den Musikmarkt komplett \u00fcbernahmen. Im damaligen Mainstream fanden sich noch echte politische Themen. Selbst im musikalisch oberfl\u00e4chlichsten Pop-Segment schlichen sich immer wieder politische oder gesellschaftliche Themen ein. Und an den R\u00e4ndern des Mainstreams, wo der Avantgarde begann, gab es noch Durchl\u00e4ssigkeiten, von denen man heute nur noch tr\u00e4umen kann. Die Grenze zwischen Avantgarde und Progressivit\u00e4t und dem Mainstream war sehr breit, da konnten sich Dinge mischen und den Pop(ul\u00e4r)-Bereich befruchten.<\/p>\n<p>Und so sang Springsteen den alten Edwin Starr Song &#8222;War&#8220; und machte einen Welthit daraus, Sting sang von den &#8222;Russians&#8220; und hoffte, dass auch diese ihre Kinder liebten, Elton John gab mit seiner Schnulze &#8222;Nikita&#8220; dem &#8222;Feind&#8220; ein h\u00fcbsches Gesicht (und schummelte nebenbei noch etwas f\u00fcr die Schwulenszene ein, denn im Gegensatz zu der h\u00fcbschen Frau im Video ist &#8222;Nikita&#8220; ein M\u00e4nnername) &#8211; und wohl auch nicht zuf\u00e4llig w\u00e4hlte er den Vornamen von Chrustchov, der zu der Zeit noch durchaus in Erinnerung war. Selbst im belanglospoppigsten Italo-Disko (OK, in dem Fall spanisch) sang man mit &#8222;Vamos a la playa&#8220; von atomverseuchten Str\u00e4nden.<\/p>\n<p>Billy Joel sang von Clowns in Leningrad, und Paul Hardcastle arbeitete mit &#8222;19&#8220; die Sinnlosigkeit des Sterbens im Vietnamkriegs elektropoppig auf. U2 rockten \u00fcber den &#8222;Bloody Sunday&#8220; Nordirlands, die Simple Minds thematisierten das Thema auch, und selbst im deutschen Schlager kamen Themen vor, die in der heutigen &#8222;Blo\u00df nichts Politisches!&#8220;-Agenda der gro\u00dfen Musiklabels nicht mal mehr deren als &#8222;progressiv&#8220; gehandelten Vertragssklaven erlaubt wird. Selbst die Ikone des Mainstream-POPs Michael Jackson hatte Gesellschaftskritik und Politik im Programm. Und im deutschen Mainstream-Popbereich flogen 99 Luftballons, die einen Krieg ausl\u00f6sten, weil Milit\u00e4rs und Kriegsminister einfach nichts anderes im Hirn hatten. Und an den R\u00e4ndern des Mainstreams, manche etwas n\u00e4her, manche etwas weiter drau\u00dfen, fand man einen Rio Reiser, die Einst\u00fcrzenden Neubauten, Nina Hagen, DAF, und viele viele mehr.<\/p>\n<p>Die einzigen, die das heute noch in dieser Form ohne gro\u00dfe Widerst\u00e4nde d\u00fcrfen sind die, die das schon immer &#8211; meist halt tats\u00e4chlich schon in den 80gern &#8211; getan haben und bekannt und auch beliebt daf\u00fcr sind. Newcomer oder gar Casting-Pseudostars werden aber ohne solche Ecken und Kanten gemacht. Soll ja allen schmecken, drum nur nicht zu stark w\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Es waren jedenfalls diese Songs, die \u00fcberall im Radio liefen, die aus &#8222;den Russen&#8220;, &#8222;den Soldaten&#8220;, \u00fcberhaupt &#8222;den Anderen&#8220;, irgendwelchen anonymen unpers\u00f6nlichen Mengenbezeichnungen, Menschen machten, mit Gesicht, mit Gef\u00fchl und mit jeweils eigener, menschlicher Identit\u00e4t, in denen man sich pl\u00f6tzlich wiederfinden und spiegeln konnte. Starke Videos taten ihr \u00dcbriges dazu.<\/p>\n<p>Nein, das soll jetzt nicht hei\u00dfen, dass es seit den 90gern gar keine kritischen Elemente mehr in die Popkultur geschafft h\u00e4tten &#8211; nat\u00fcrlich gab es das auch weiterhin, weil Popkultur nun mal nicht nur von Shareholdern sondern von allen Kulturteilnehmern gemacht wird und deshalb nat\u00fcrlich auch in den letzten 20 Jahren viele Menschen auf gro\u00dfartige Musik und K\u00fcnstler zur\u00fcckgriffen, die ihnen mehr als &#8222;Schalalala&#8220; sagten, so wie es nat\u00fcrlich belanglosestes &#8222;Schalalala&#8220; auch vor 1995 zur Gen\u00fcge gab. Ich <a href=\"http:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/free-pussy-riot-and-free-yourself\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">behaupte allerdings<\/a>, dass das <em>trotzdem<\/em> inzwischen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2014-07\/mark-fisher-popkultur-retro-musik\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sehr viel st\u00e4rker geworden ist<\/a>. Also dass solche Dinge deutlicher <em>trotz<\/em> der Gatekeeper der Unterhaltungsindustrie ihre Wege fanden. Und kaum mehr <em> wegen<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Am Ende sind es immer Menschen<\/strong><\/p>\n<p>Meine Eltern hier, Sting und Co dort, brachten mir bei, hinter den Zahlen, Stereotypen und Klischees immer noch den Menschen zu suchen. In der Realit\u00e4t ist nun mal jeder andere Mensch ein echter Mensch. Wie ich. Mit Gef\u00fchlen, Schmerzen, Freude, Leid, Wut, Angst, Sehns\u00fcchten, W\u00fcnschen, Liebe. St\u00e4rken und Schw\u00e4chen. Wie ich. Jeder Mensch wei\u00df was das ist. Wie ich. Jeder Mensch ist eine eigene, einmalige Pers\u00f6nlichkeit mit einer eigenen spannenden Geschichte. Wie ich. Und jeder Mensch tut verschiedenste Dinge: gute, b\u00f6se, sch\u00f6ne, intelligente, saudumme, was auch immer &#8211; es gibt kein &#8222;gut&#8220; und &#8222;b\u00f6se&#8220; wie im Hollywoodfilm. Echte Menschen wollen nicht &#8222;b\u00f6se&#8220; sein oder &#8222;B\u00f6ses&#8220; tun.<\/p>\n<p>Ja, manche tun es dennoch. Und manche sogar mit Vorsatz. Aus Trotz, Eitelkeit, Gier, aber auch Verletzung, Angst, blinder Wut, Unwissenheit, und weil sie nie gelernt haben, wie man mit Konflikten umgehen kann. Oder eben nur eine Methode gelernt haben. Weil sie glauben, ihre Gr\u00fcnde seien &#8222;gute&#8220;. Weil man ihnen das so beigebracht hat. Weil sie nichts anderes kennengelernt haben und deshalb keinen Vergleich haben, der ihnen Entscheidungsoptionen b\u00f6te.<\/p>\n<p>Nein, Gr\u00fcnde entheben nicht der Verantwortung f\u00fcr das, was man tut. Aber dennoch sind es Gr\u00fcnde. Gr\u00fcnde wahrzunehmen, ihre Existenz zu akzeptieren, ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um Dinge zu \u00e4ndern. Neue Gr\u00fcnde, f\u00fcr andere Optionen, Fertigkeiten, M\u00f6glichkeiten zu liefern. Denn Entscheidungen werden von Menschen getroffen. Im Rahmen ihrer M\u00f6glichkeiten, und zwar der M\u00f6glichkeiten, die sie sehen.<\/p>\n<p><strong>Glaubenss\u00e4tze machen blind<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Alternativlosigkeit&#8220; ist der schlimmste Zustand, der Menschen vermittelt werden kann. Es gibt kaum etwas verantwortungsloseres als solche Bilder zu verbreiten. Es ist einer der destruktivsten und sch\u00e4dlichsten Glaubenss\u00e4tze, den man Menschen, speziell in der Pr\u00e4gungszeit von Kindern und Jugendlichen, antun kann. Es ist der Glaubenssatz, der andere Optionen am sichersten zu verhindern wei\u00df. Wo Alternativlosigkeit herrscht gibt es kein &#8222;Es gibt immer einen Weg&#8220; mehr. Oder &#8222;Gro\u00dfartiges ist m\u00f6glich, wenn man es nur tut&#8220;. Oder auch nur ein &#8222;Du z\u00e4hlst etwas&#8220;.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt sind es wohl Glaubenss\u00e4tze, auf die wir schon fr\u00fch, meist in der Kindheit, gepr\u00e4gt wurden, die einem friedlichen Zusammenleben oft im Weg stehen. Israelis und Pal\u00e4stinenser (gern f\u00e4lschlich als &#8222;Juden und Moslems&#8220; vergr\u00f6bert) seien eben &#8222;Feinde&#8220;, das ist halt so und das sei so komplex und verworren, das das inzwischen ja irgendwie unl\u00f6sbar sei. Ja, das waren Deutsche und Franzosen bis vor nicht mal 70 Jahren auch noch.<\/p>\n<p>Das zwischen Deutschen und Franzosen wurde gar als &#8222;Erbfeindschaft&#8220; bezeichnet. Weit \u00fcber 100 Jahre lang. Vor noch 70 Jahren h\u00e4tte man mich f\u00fcr verr\u00fcckt oder einen unverbesserlich naiven Romantiker (oder &#8222;Gutmenschen&#8220;) gehalten, h\u00e4tte ich damals jemandem erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, was von dieser als quasi &#8222;nat\u00fcrlich&#8220; vorgegebenen &#8222;Erbfeindschaft&#8220; geblieben ist, heutzutage. Und wie schnell das ging, diesen Zustand zu erreichen, als man sich endlich mal entschlossen hatte, diese selbstverst\u00e4ndliche Feindschaft sein lassen zu wollen.<\/p>\n<p>Es ist eine Trag\u00f6die, dass Menschen offenbar bis heute glauben, erst einmal die Option &#8222;Gewalt&#8220; teils bis zu einem absoluten Fanal durchspielen zu m\u00fcssen, bevor sie bemerken, dass es nicht funktioniert. Und erst katastrophal menschlich scheitern m\u00fcssen, bevor sie sich zu einer menschlichen Entscheidung durchringen. Denn wenn sie das dann endlich einmal tun, zeigt sich, dass es sehr schnell sehr viel besser werden kann. Und Menschen durchaus auch immer das Potential in sich tragen, sehr gro\u00dfartige Dinge zu tun.<\/p>\n<p><strong>Fucking for virginity<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Krieg als letzte Option, wenn alles andere scheitert&#8220; &#8211; so ein Quatsch! Kriegerische Mittel waren und sind bis heute eine der ersten Optionen, die gew\u00e4hlt wurden und werden. Und wenn sogar ein deutscher Bundespr\u00e4sident sich heute hinstellt und wieder nach &#8222;Engagement im Ausland&#8220; ruft und damit das Milit\u00e4r meint, also Menschen, deren Ger\u00e4t und Ausbildung explizit auf das T\u00f6ten anderer Menschen ausgerichtet ist, dann spreche ich diesem Bundespr\u00e4sidenten ab, irgendetwas von dem verstanden zu haben, was von ber\u00fchmten humanistischen Denkern bis hin zu kleinsten Popsternchen erkannt und vermittelt wurde. Und, nat\u00fcrlich, spreche ich ihm ab, in meinem Namen zu sprechen.<\/p>\n<p>Was f\u00e4llt dem Mann ein? Und was f\u00e4llt den Politikern ein, die junge Menschen in den Krieg schicken, um andere Menschen zu t\u00f6ten und um selbst get\u00f6tet zu werden? &#8222;Heldentot&#8220;? &#8222;F\u00fcrs Vaterland&#8220;? Am Arsch, schickt eure eigenen Kinder oder geht am besten selber, wenn ihr glaubt, dass das T\u00f6ten anderer Menschen irgendeine L\u00f6sung f\u00fcr einen Konflikt w\u00e4re! Krieg ist nicht einmal eine letzte Option, denn wie um alles in der Welt soll das T\u00f6ten von Menschen eine Option sein, die Dinge besser, sch\u00f6ner, lebenswerter machen soll? Krieg ist keine Option daf\u00fcr. War es nie.<\/p>\n<p>Jaja, der zweite Weltkrieg, Hitler und so, die <a href=\"http:\/\/www.svenscholz.de\/index.php\/nazis-und-die-meinungsfreiheit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nazis<\/a>. Ja, ich bin froh, dass sich hier Menschen aus allen m\u00f6glichen L\u00e4ndern zusammen taten und den deutschen Wahnsinn gestoppt haben, unter Einsatz und Verlust unglaublich vieler kostbarer Leben. Aber warum war das denn \u00fcberhaupt erst n\u00f6tig? Warum war ein Hitler \u00fcberhaupt m\u00f6glich? Also, hier, in Deutschland? &#8222;Das ist komplex&#8220;. Ja, ist es. Aber nicht so komplex, dass mans nicht trotzdem kapieren k\u00f6nnte. Die Geschichte des beginnenden 20. Jahrhunderts ist kein Buch mit sieben Siegeln.<\/p>\n<p>Nationalismus, Egoismen und M\u00e4nner mit neuem Kriegsger\u00e4t, das sie unbedingt ausprobieren wollten. Der erste Weltkrieg war ein Krieg, in dem sich Millionen Menschen gegenseitig t\u00f6teten, weil eine Hand voll Mitglieder einer \u00fcber ganz Europa verteilten Familie glaubten, kindische Familienstreitigkeiten auf dem R\u00fccken vieler anderer Menschen austragen zu m\u00fcssen &#8211; bzw. von diesen austragen zu lassen &#8211; die nichts damit zu tun hatten, dass die Cousins Nikolaus und Wilhelm sich wie Kleinkinder um das Sandkastensch\u00e4ufelchen streiten wollten. Vergessen die Zeit, als sie als Kinder bei ihrer Oma Victoria zusammen die Ferien verbrachten. Aber offenbar auch nie \u00fcber Kindergartenlogik hinausgekommen. Andere Menschen waren f\u00fcr diese Leute offenbar genauso nur Spielzeug wie ihre Schiffe und Fahrzeuge. Zum hin und herschieben und gegenseitigem kaputt machen.<\/p>\n<p>Dazu noch ein ger\u00fcttelt Ma\u00df an sozialer Ungerechtigkeit, der zu all diesen h\u00e4sslichen Dingen f\u00fchrt wie S\u00fcndenbock-Schuldzuweisungen, Vorurteilen, Radikalisierungen usw. &#8211; es gibt inzwischen ja genug soziologische Studien, die eindeutig belegen, was soziales Ungleichgewicht mit einer Gesellschaft macht. Bis heute. Und man muss nicht studiert haben, um das \u00fcberall auf der Welt inklusive vor der eigenen T\u00fcr erkennen und begreifen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Genau genommen sehe ich da wenig Unterschied zu heute. \u00c4hnlich wie die kleinen Kaiser- und Zareng\u00f6ren schieben heute Politiker und sogar Bundespr\u00e4sidenten Menschen, die sie nicht kennen, wie Spielfiguren hin und her, mit dem alleinigen Zweck, andere Menschen, die sie ebenfalls nicht kennen, zu t\u00f6ten. Deren Mensch-sein zur Unkenntlichkeit zu unpers\u00f6nlichen Zahlen und Begrifflichkeiten versachlicht, so dass ihnen das m\u00f6glichst wenig bewusst ist, was sie da in Wirklichkeit tun: echte Menschen t\u00f6ten, f\u00fcr ihren pers\u00f6nlichen, meist gar virtuellen Vorteil, ihr Bankkonto, ihren Status, ihre vermeintliche oder echte Macht, ihre Gier, ihre Rachegel\u00fcste, ihren Hass oder ihre \u00c4ngste. Oder eine Kombination derselben.<\/p>\n<p>Egal was es ist, es hat nichts mit den jeweiligen Menschen zu tun, die am Ende verletzt, verst\u00fcmmelt oder get\u00f6tet werden. Es sterben Menschen, weil irgendwo anders irgendwelche anderen Menschen den Bezug zu direkten und indirekten Folgen ihrer Entscheidungen verloren haben. Oder Wege gefunden, diesen Bezug irgendwie vor sich selbst zu verstecken.<\/p>\n<p>Inklusive Krokodilstr\u00e4nen \u00fcber &#8222;leider unvermeidliche&#8220; (der kleine Bruder von &#8222;Alternativlos&#8220;) zivile Kollateralsch\u00e4den, Eltern, Kinder, versteckt hinter angeblichen Alternativlosigkeiten und verbr\u00e4mt mit zur Schau getragenem Widerwillen, da man ja &#8222;gezwungen sei, etwas zu tun&#8220; oder perverserweise gar verschleiert hinter angeblich &#8222;humanit\u00e4ren&#8220; Gr\u00fcnden. Bedauerliche Opfer, die aber &#8222;nicht sinnlos gestorben&#8220; seien, denn es gehe ja um &#8211; ja was denn eigentlich? Dass weniger Menschen sterben? Wie soll das gehen, wenn man sie erst mal umbringt? Dieser Zynismus, der nur dazu dient, alle Empathie abzut\u00f6ten, ist mir so zuwider.<\/p>\n<p><strong>Frieden &#8211; ein Zustand, f\u00fcr den man sich entscheiden muss<\/strong><\/p>\n<p>Frieden passiert nicht. So wie ein Krieg nicht &#8222;ausbricht&#8220;. Frieden zu haben ist eine Entscheidung mit Konsequenzen, ebenso wie Krieg. Und wenn man sich einmal klar macht, welche Parameter diese Entscheidung hat und braucht, und welche Konsequenzen die eine wie die andere Entscheidung haben w\u00fcrde, dann ist das auch pl\u00f6tzlich nicht mehr so schwierig und kompliziert. Deshalb braucht es ja den Trick \u00fcber Glaubenss\u00e4tze und &#8222;Alternativlosigkeit&#8220;, den &#8222;Zwang von au\u00dfen&#8220;, das &#8222;keine Wahl lassen&#8220;, den &#8222;schuldigen anderen&#8220;. Denn all diese Dinge sind dazu da, diese Entscheidung zu verschleiern. Vor anderen, aber auch vor sich selbst.<\/p>\n<p>Denn &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; niemand <em>will<\/em> Krieg. Alle <em>wollen<\/em> Frieden. Daf\u00fcr allerdings, dass das eigentlich so ist, gibt&#8217;s ja dann doch \u00fcberraschend viele Kriege auf der Welt, und dass wir hier in Westeuropa seit 70 Jahren fast keinen mehr hatten (im Vergleich zu den 100 Jahren davor. Oder 200. Oder 1000.) ist ja eher dem Umstand zu verdanken, dass die Kriegerische Zeit hier mit erstem und zweiten Weltkrieg so exzessiv bis zum bitteren Ende durchgezogen wurde, dass wirklich der letzte Hinterw\u00e4lder kapiert hat: nein, irgendwie ist der Verlauf und erst Recht das Ergebnis eines Krieges einfach nicht das, was man sich unter einer &#8222;sch\u00f6nen Welt&#8220; vorstellt, egal wie sehr man sich anstrengt damit, Dinge zu zerst\u00f6ren und Menschen jeglichen Alters und Geschlechts zu verst\u00fcmmeln und zu t\u00f6ten &#8211; es wird einfach nicht sch\u00f6n und lebenswert damit. Es macht einfach ums Verrecken keinen Spa\u00df und bringt auch aus irgendeinem Grund einfach keine Freude. Seltsam.<\/p>\n<p>Ironie beiseite &#8211; ich will Frieden, du willst Frieden, alle wollen Frieden.<\/p>\n<p>Dann lasst ihn uns doch machen und halten. Den Frieden. Es ist eigentlich ganz einfach. Vor der Entscheidung zwischen &#8222;Jemanden t\u00f6ten&#8220; oder &#8222;Niemanden t\u00f6ten&#8220; sich bewusst machen, wer denn &#8222;Jemand&#8220; in Wirklichkeit ist: M\u00fctter, V\u00e4ter, Kinder. Die lachen, spielen, Spa\u00df und Freude haben m\u00f6chten. Mit denen man grillen k\u00f6nnte. Oder als Kind h\u00e4tte spielen k\u00f6nnen. Mit denen ich einen sch\u00f6nen Abend haben k\u00f6nnte, die mir interessante Sachen zeigen k\u00f6nnten, Geschichten erz\u00e4hlen k\u00f6nnten, mich zum Lachen bringen k\u00f6nnten. Die nicht anders sind als ich es bin. Die ich selber bin. Und dann entscheiden.<\/p>\n<p>Ich muss niemanden t\u00f6ten, um ein erf\u00fclltes Leben zu haben, um Freude und Liebe zu erfahren und zu geben. Niemand muss das. Warum also lassen wir&#8217;s nicht einfach, dieses andere Leute umbringen? Es ist eigentlich doch eine ganz einfache Entscheidung.<\/p>\n<p>Treffen wir sie doch.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: 0; width: 100%; height: 120px;\" src=\"http:\/\/bandcamp.com\/EmbeddedPlayer\/album=4164342000\/size=large\/bgcol=ffffff\/linkcol=e99708\/tracklist=false\/artwork=small\/track=557392407\/transparent=true\/\" width=\"300\" height=\"150\" seamless=\"\"><a href=\"http:\/\/singvoegel.bandcamp.com\/album\/westwind\">WESTWIND by Singv\u00f8gel<\/a><\/iframe><\/p>\n<p><a style=\"border: 0;\" href=\"http:\/\/flattr.com\/thing\/1694\/sagichdoch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" title=\"Flattr this\" src=\"http:\/\/api.flattr.com\/button\/flattr-badge-large.png\" alt=\"\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;und sich diese Haltung mit jedem Jahr, das ich \u00e4lter ich werde, verst\u00e4rkt hat. Ich bin ja nun schon ein paar J\u00e4hrchen alt. 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