Ärgernis des Tages: Die B.Z. zwingt mich, die GEMA in Schutz zu nehmen!

Es gibt ja viel zu kritisieren an der GEMA, wer mich kennt, weiß, dass ich wahrlich kein GEMA-Freund bin und aus für mich sehr guten Gründen deshalb den Aufbau der alternativen Verwertungsgesellschaft C3S unterstütze – was ihr übrigens hier auch tun könnt, wenn ihr möchtet und könnt. Wir bauen das Teil derzeit fast ausschließlich ehrenamtlich auf, dennoch gibt es laufende Kosten, was ein Problem ist, weil die während der Aufbauzeit nicht gedeckelt werden können. Weil noch keine Zulassung, und ohne Zulassung auch keine regulären Einnahmen. Aber ohne die jetztige Arbeit (und die damit verbundenen laufenden Kosten) auch keine Zulassung. Aber ich schweife ab.

Was ich sagen will: es ist überhaupt nicht hilfreich, wenn ein Boulevardblatt mit offensichtlichem Unfug auf GEMA-Bashing macht, weils so viele schöne Empör-Klicks gibt, ohne sich vorher mal wenigstens ansatzweise zu informieren. Denn damit werden Mythen in die Köpfe geschrieben, die so einfach nicht der Realität entsprechen. Was am Ende auch der C3S schaden wird, einfach, weil zu viele Leute falsch informiert darüber sind, wie öffentliche Musikdarbietung funktioniert.

Grade stolperte ich über diesen Artikel in der B.Z. – und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, den Kopf auf den Tisch zu schlagen ob des vielen Blödsinns, der in diesem Artikel steht. (LSR-Verlagslink, einfach „weiter zur Zielseite“ klicken)

Gema dreht Neuköllner Kiez-Kneipe das Mikro ab

Im Zapotek traten unbekannte Bands und Straßenkünstler auf. Bis die Gema knapp 700 Euro forderte – obwohl keiner der Musiker dort registriert ist. […]

Und schon im Teaser fass ich mir an den Kopf, weil es nun mal völlig egal ist, ob aufführende Musiker bei der GEMA „registriert“ sind (sie wären, wenn, „Mitglied“, weil die GEMA ein Verein… ach, wie gesagt, man weiß echt nicht wo anfangen), weil es hier um Urheber geht und nicht um Interpreten. Aber der Reihe nach:

  1. Natürlich muss eine öffentliche Musikdarbietung laut UrhG einer Verwertungsgesellschaft – und damit der GEMA, weil sie die einzige ist, die es gibt – gemeldet werden. Woher soll eine Verwertungsgesellschaft denn sonst wissen, dass es eine Veranstaltung gab? Diese Meldepflicht ist – zu Recht – gesetzlich festgeschrieben. Wir können uns gern über die GEMA-Vermutung, die sich aus dieser gesetzlichen Vorgabe und dem Umstand, dass die GEMA derzeit noch Monopolist ist, in der Folge als Rechtsauffassung entwickelt hat und an der man einiges zu Recht aussetzen kann, unterhalten, aber dass eine öffentliche Aufführung gemeldet werden muss ist doch völlig logisch. Wie sollen denn sonst berechtigte Ansprüche erkannt und berechnet werden? Per Hellseherei?
  2. Ob Musiker GEMA-Mitglieder sind hat nichts zu sagen, diese Information im Artikel wäre ausschließlich dann interessant, wenn dazu geschrieben würde, dass dort keinerlei Coverversionen sondern ausschließlich Eigenkompositionen gespielt würden. Was nicht dabei steht, deshalb gehe ich tatsächlich davon aus, dass dort Material anderer Urheberschaft gespielt wurde. Was bei „Straßenmusikern“ ja auch durchaus üblich und wahrscheinlich ist. Nach der Veranstaltung wird eine einfache Spielliste abgegeben, und wenn keiner der Urheber – also Texter und Komponisten – der gespielten Songs GEMA-Mitglied (oder einer ausländischen Verwertungsgesellschaft, die sich von der GEMA in DE vertreten lässt) ist, kostet es nichts. Nada. Nullinger.
  3. Der „unverhältnismäßige Aufwand“, eine Anmeldung vorher als auch eine Spielliste hinterher (nicht etwa, wie es im Artikel den Anschein erweckt, vorher) einzureichen ist gering, es gibt tausende Veranstaltungen und zig auch kleine Musikkneipen in ganz DE, die das problemlos und seit Jahr und Tag hinbekommen. Musiker wissen das im Normalfall auch. Ich hab solche Listen auch schon ausgefüllt, das ist eine Sache von 10 Minuten. Und ja, es ist gerechtfertigt, dass Komponisten und Texter einen finanziellen Anteil erhalten, wenn ihre Arbeit im Rahmen einer Wertschöpfungskette verwendet wird. Egal, ob die Wertschöpfung in Eintrittsgeldern, Werbung, Attraktivitätssteigerung oder Abverkauf von Getränken liegt.
  4. Einmalig knapp 700€ für 7 Monate und der Mann muss seinen Laden dicht machen? Sorry, aber dann stimmt schon was mit dem Laden nicht. 50€ für eine Veranstaltung mit 5 Gästen? Dann wurde hier der falsche Tarif gewählt. Ja, die GEMA-Tarife sind schwer durchschaubar (was allerdings in dem Artikel nicht kritisiert wurde, aber warum auch einen echten Kritikpunkt finden, wenns Allgemeinplätze und Plattitüden tun). Wobei ich persönlich nicht glaube, dass diese Zahl einen realen Hintergrund hat sondern einfach mal als Behauptung in den Raum gestellt wird. Im Gegenteil, wenn da 100 Euro im Monat angesetzt werden dürfte da ja nicht mehr als 2 Mal im Monat Musik gespielt werden. Es liest sich aber so, als sei das durchaus mehr.Ja, das Tarifsystem ist kritikwürdig. Und manche Tarife sind durchaus…. seltsam und schwer nachvollziehbar auch ob der Höhe der Kosten, ums freundlich auszudrücken. Aber ebendas sehe ich in diesem Artikel überhaupt nirgends angesprochen, da wird ausschließlich das Klischee bedient. Im Gegenteil, mir erscheinen 100 Euro im Monat als überraschend wenig, da kennt man durchaus andere Stories (von Leuten, die grundsätzlich gewillt wären und waren zu zahlen).
  5. Wenn dem Mann 100€ im Monat zuviel sind, um Livemusik im Laden zu haben heißt das wohl, dass die Musiker, die bei ihm spielen, wahrscheinlich für umsonst spielen. Jedenfalls lese ich nirgends die Beschwerde, dass diese immense Summe verhindere, den auftretenden Künstlern eine rudimentäre oder auch nur symbolische Gage zu zahlen, dafür, dass sie seine Gäste unterhalten. „Geht es nicht um Profit“ höre ich auch oft genug. Meist, um mir nicht einmal irgendwas anzubieten, das meine eigenen Aufwände etwas abfedert geschweige denn deckt.“Es geht nicht um Profit“ höre ich zu oft und zu schnell grade von Leuten, die mit einer Betonung auf das „Künstlerische“ gerade mit dafür sorgen, dass Künstler sich selbst ausbeuten und nicht aus der prekären Ecke rauskommen. Danke für nichts, „nicht für den Profit“ my ass. Der Mann führt ein Geschäft. „Nicht für den Profit“? Dann komm ich demnächst mal einen Kaffee da trinken. Mal sehen, was der sagt, wenn ich ihn großäugig anschaue und frage „Wie jetzt? Du machst das doch nicht etwa für den Profit? Ich empfehle dich doch auch weiter!“ wenns ans Zahlen geht.
  6. Der Mann müsste nicht einmal diese 700€ zahlen, wenn er tatsächlich ausschließlich GEMA-freie Künstler, die ausschließlich eigenes Material spielen, in seinen Schuppen holte und der GEMA einfach die Veranstaltung als GEMA-frei mit einer entsprechenden Spielliste meldete, es gibt deren durchaus. Ja, kann sein, dass die GEMA Kontrolleure schickt. So what, dann hat die GEMA Geld für nix ausgegeben und man kann sie sogar auslachen dafür.

Ich halte es aber aus eigener Erfahrung gar nicht für besonders unwahrscheinlich, dass der Mann solche Leute gar nicht erst annähme, angesichts der Absagen, die z.B. meine Band, GEMA-frei und nur Eigenkompositionen, regelmäßig bekommt, ohne dass überhaupt mal reingehört wurde. Weil schon bei Erwähnung von Eigenmaterial abgewunken wird und die Begründung dabei grundsätzlich ist „Wenn ihr nicht mal ein paar Covers bekannter Bands spielt, die die Leute aus dem Radio kennen, bin ich nicht interessiert, gegen ein zwei eigene Stücke im Set hätte ich nichts, aber ausschließlich Eigenes, nein, kein Interesse.“

Wie gesagt: es gibt wirklich genug an der GEMA auszusetzen, auch und gerade seitens Veranstaltern, die ich zum größten Teil als durchaus einsichtig kenne, was Abgaben an Verwertungsgesellschaften selbst betrifft. Deren Kritik ist im Normalfall nicht, dass sie was zahlen sollen, sondern liegt woanders, sei es im Tarifdschungel, in mancher Willkürlichkeit, die u.a. auch ebendiesem Dschungel und anderen Intransparenzen geschuldet ist und in tatsächlichen bürokratischen Aufwänden, die aber dann deutlich außerhalb des bisschens Spielliste-Melden liegen. Es gibt Fälle von falscher Beratung, falschen Tarifen, die angesetzt wurden, entsprechenden Rechtsstreitigkeiten und was nicht alles. Da muss niemand irgendwas blödsinnig skandalisieren, was gar kein Skandal ist. Solche Artikel sorgen am Ende dafür, dass die berechtigte Kritik nicht mehr gehört wird, weil jegliche Kritik als „typische Skandalisierung und GEMA-Bashing“ verunglimpft werden kann. „Cry Wolf“-Effekt.

In diesem Artikel jedenfalls finde ich nicht einen Punkt der tatsächlichen Probleme, die Künstler und Veranstalter mit der GEMA haben, aufgelistet. Nicht einen einzigen. Obwohl es wirklich mehr als genügend davon gäbe.

Und ja, ich ärgere mich über solche Artikel, die mich quasi zwingen, dass ausgerechnet ICH ein langes Posting schreiben muss, das ausgerechnet die GEMA verteidigt!

Ich hab nämlich eigentlich besseres zu tun:

Singvøgel auf der C3S-Party in Potsdam
Ich mit Singvøgel auf der C3S-Party in Potsdam

 


Ich hab ein neues Objektiv….

… und schrob drüben im fotoschraubr-Blog, warum ich das Budget-Zoom Tamron 150-600 F/5-6.3 Di VC USD tatsächlich gut finde.

tamron2

Ja, ich weiß, dass ich dieses Blog sträflich vernachlässige. Ich habe drei angefangene Artikel im Draft-Ordner, die ich nicht fertig bekomme. Die Tagespolitik nervt mich ungemein, da sie mir ein Deja-Vu nach dem anderen beschert und ich das Gefühl habe, dass ich, um sie zu kommentieren, eigentlich nur jeweils die Veröffentlichungsdaten von Artikeln der letzten 10 Jahre aktualisieren müsste und höchstens mal den ein oder anderen Protagonistennamen auswechseln müsste, um up to date zu sein. Aber wer weiß, vielleicht schaff ichs ja doch irgendwann mal wieder, was Schlaues hier rein zu schreiben. Im Moment aber geht das einfach nicht.

 


Das Tamron 150-600 F/5-6.3 Di VC USD Super-Zoom. Ein erster Eindruck.

[Dieses Posting erschien zuerst im „Fotoschraubr“-Blog, das leider nicht mehr existiert, weshalb ich es aus der wayback-machine rauskopiert habe.]

Ich habe nicht viele Fotos gemacht im vergangenen Monat, außer ein paar Testschüsse mit einem neuen Objektiv. Drum dachte ich mir, ich mache stattdessen einen Erfahrungsbericht über ebendieses, und ein paar Fotos sind dann ja auch dabei.

Das mit dem Equipment ist ja immer so eine Sache: ich sehe das im Grundsatz genauso wie Kollege Rollinger, nämlich, dass es nicht das Equipment ist, das ein gutes Foto „macht“ sondern das Auge der Person, die das Foto schießt. Weshalb ich seinen letzten Blogbeitrag auch komplett unterschreibe.

Aber.

Es gibt Fotos, die ohne das entsprechende Equipment nicht zu machen sind. Für eine Makroaufnahme braucht man eine Makro-Linse, für eine nächtliche Milchstraße ein Weitwinkel und eine Kamera, die über gute ISO-Fähigkeiten verfügt, für die meisten Wildtiere ein Tele, usw. usf. Insoweit, natürlich (und da wird mir Herr Rollinger natürlich auch zustimmen) ist die Frage nach Equipment durchaus auch eine relevante und interessante Frage für dieses Blog – in der Form von „Wenn ich wilde Tiere, wie z.B. heimische Vögel, fotografieren möchte, womit kann ich das tun?“ – ob das Bild, das man dann schießt, tatsächlich „gut“ wird, natürlich, liegt dann am Ende dennoch beim Fotografierenden. Auch ein 10.000 Euro-Tele garantiert kein einziges gutes Bild eines Piepmatzes, wenn die Fotografin oder der Fotograf ihre/seine Ausrüstung nicht kennt, kein Auge hat für Bildkomposition, kein Gespür für die Gelegenheit und/oder keine Geduld, auf eine solche zu warten.

Aber.

Es wäre nicht dieses Blog, wenn wir an diese Frage nicht dennoch etwas anders ran gingen. Nämlich ein wenig „realistischer“, in dem Sinne, dass sich nur die wenigsten Menschen da draußen das 10.000 Euro-Objektiv leisten können. Oder auch „nur“ eins für 4.000. Ich jedenfalls kann das nicht. Ich spare zwar immer ein wenig Geld, um mir „irgendwann“ mal dieses oder jenes Teil anzuschaffen und ich spare lange genug, damit ich mir auch mal was „besseres“ leisten kann, aber ich denke, ich dürfte mit meinen Möglichkeiten im Durchschnitt liegen. Und für den Durchschnitt bedeutet „gutes Equipment“ eben meist: ein bisschen besser als das billigste, was man kriegen kann, aber unerreichbar weit weg bleibend von allem, das sich der Vollprofi kaufen würde.

So habe ich das letzte Jahr auf ein neues Tele-Zoom gespart. Wer ein paar meiner Bilder kennt, hat schon mitbekommen: ich gehe gern auf „Jagd“, neben weiten Landschaften haben es mir Tiere angetan. In unseren Breiten sind das meist Vögel, die Gelegenheit auf Rehe oder ähnliches ist eher selten und ein Glücksfall. Wenn ich Lust auf frische Lust habe und einen Gang in die Natur mache, sind Vögel im Normalfall das, wovon man sich schon relativ sicher sein kann, dass man sie zu Gesicht bekommt. Bei mir war bis vor Kurzem bei 300 mm Brennweite Ende.

Ja, ich habe durchaus ein paar schöne „Abschüsse“ hinbekommen damit, das Nikkor 70-300 ist „trotz“ seines vergleichsweise günstigen Preises ein sehr gutes Objektiv, wie man ja an meinem letztmonatigen Foto des Monats sehen kann, aber es kam einfach zu oft vor, dass ich Tieren nicht nah genug kommen konnte bevor sie wegliefen oder -flogen. Nicht jeder Vogel ist so neugierig wie ein Rotkehlchen, das einen schon mal 3-4 Meter nah rankommen lässt. Bei Abständen von 10 Metern und mehr sind 300mm – speziell bei kleinen Tieren wie z.B. Singvögel – oft zu wenig.

Vor einiger Zeit schon kamen dann tatsächlich bezahlbare Super-Zooms bis 500 mm raus, speziell von Tamron und Sigma, und als Tamron ein Zoom bis 600 mm ankündigte war ich sehr gespannt, wenn auch ein bisschen skeptisch. Letzten Monat dann war es so weit, das Tamron 150-600 F/5-6.3 VC USD für meine Nikon D800 (das Folgende bezieht sich also auf Vollformat) rutschte unter die 1000 Euro-Grenze und da ich seit längerem schon mehrere Zooms beobachtete und die negative Kritik am Tamron sich in Grenzen hielt, die das Risiko (Das keins ist: ich kann es umtauschen, wenn ich nicht zufrieden wäre) wert erschienen ließen, schlug ich zu.

Tamron 150-600 F/5-6.3 Di VC USD

Optik, Haptik und Handling

Erster Eindruck: Scheiße, ist das ein riesiges Teil! Die Verdopplung der Brennweite im Vergleich zu meinem alten Zoom bringt auch eine fast doppelte Größe – in Länge wie in Breite, wenn man den riesigen Gegenlicht-Eimer mitrechnet – des Objektivs mit sich. Und das Gewicht von 2 Kilogramm muss man auch erstmal verdauen.

Tamron 150-600 F/5-6.3 VC USD auf 600mm ausgefahren

Das Teil hat nicht umsonst einen Fuß für die Montage auf ein Stativ. Jedes normale Stativ hätte immense Schwierigkeiten, die Kamera zu halten, würde man diese am Gewinde der Kamera aufs Stativ schrauben. Der Fuß trifft den Schwerpunkt zumindest bei mir aber sehr genau, so dass das Stativ keine Probleme macht und auch ein Einbein die Kamera dort stützt, wo es sinnvoll ist.

Überhaupt ist ein Einbein tatsächlich empfehlenswert, wenn man irgendwo auf der Lauer liegt – frei gehalten geht das Teil ziemlich in die Arme. Man kann zwar auch aus der Hand fotografieren, aber bei längeren Wartezeiten wird es spürbar anstrengend. Allerdings stellte ich für mich fest: mein altes Einbein reicht nicht, ich brauche ein etwas stabileres.

Der Nachteil des Stativ-Mounts: er stört tatsächlich ein wenig, wenn man doch aus der Hand fotografieren möchte*.

Normalerweise würde man die Kamera ja mit dem Objektiv auf die linke Hand legen (wenn man Rechtshänder ist wie ich) und mit dieser Hand den Korpus des Objektivs von unten umgreifen. Der Fuß verhindert das bei mir ein Stück weit. Zumindest so weit, dass es nicht mehr bequem geht – mir fehlt ein knapper Zentimeter Platz zwischen Objektiv und Fuß, um das Objektiv bequem so greifen zu können, wie ich wollte. Das Handgelenk wird ein wenig zu stark verdreht bzw. drückt mir der Mount auf den Handrücken und die Hand wird eingeklemmt.

*Dann entdeckte ich – Tage später – dass man den Fuß verstellen kann. Eine dicke Schraube löst ihn soweit, dass man ihn bequem zur Seite drehen kann. Ja, es ist mein erstes Objektiv mit so einem Fuß, und ich wusste das nicht, dass das geht. Aber, natürlich, ist das ja auch logisch, denn wie anders soll man sonst auf Hochformat umstellen können? Jedenfalls: mit zur Seite gedrehtem Fuß lässt sich auch bestens direkt aus der Hand fotografieren.

Das Objektiv hat einen „Lock“, mit dem man den Zoom bei 150mm fixieren kann. Das Herausdrehen des Zooms ist zwar schwergängig genug, um zu verhindern, dass sich die Einstellung bei kleineren Schräglagen verdreht, aber wenn die Kamera während des Laufens um den Hals hängt und nach unten schaut rutscht das Objekt schon ein wenig durch. Da ist es schon ganz praktisch, wenn man es im kürzesten Zustand fixieren kann. Die manuelle Schärfe lässt sich ebenfalls sehr gut an, nicht zu leichtgängig, aber auch nicht rucklig, mit einer guten Übersetzung.

Alles in allem macht das Teil in der Verarbeitung einen durchweg guten Eindruck, es klappert und wackelt nichts und es fühlt sich alles angenehm stabil bis hin zu massiv an. Da kann man nicht motzen.

Was hat es noch an Extras? An der Seite befinden sich 3 Schalter: einer für den Verwacklungsschutz, den man bei Stativnutzung ja besser ausschaltet, einer für die Umschaltung des Autofokus auf manuelle Fokussierung und einer, der den Autofokus auf eine Mindestentfernung von 15 Metern beschränkt. Letzteres ist praktisch, wenn man sowieso nur an entfernten Motiven interessiert ist, denn das verkürzt gegebenenfalls die automatische Fokussierzeit deutlich, weil das Objektiv dann erst gar nicht versucht, etwas in der Nähe zu fokussieren. Auf „Full“ ist der Mindestabstand etwas mehr als 2,5 Meter, Objekte näher als dieses können nicht mehr scharf gestellt werden.

Die Praxis: Fotos machen mit 600mm

Aaalso, wo fang ich an. Vielleicht damit: Nein, das Tamron ist kein lichtstarkes Objektiv. Natürlich nicht. Wie sollte es das, bei diesem Preis. Ich war allerdings schon mal positiv überrascht, dass es bis hin zu etwa 450mm mindestens so gute Bilder macht wie mein Nikkor (das natürlich bei f5.6 am langen Ende auch nicht als „lichtstark“ gelten kann, aber eben auch hier gilt: nicht zu diesem Preis). Heißt: ich habe mal 150mm mehr Brennweite bei gleicher Qualität, dafür fehlen mir die 70-150mm. Somit ein brauchbarer Tausch, wenn es mir ja um das lange Ende geht.

Oberhalb der 450mm wird das Tamron etwas schwieriger zu handhaben. f6.3 bei 600mm maximale Blendenöffnung ist nicht viel, und wie ich festgestellt habe, sollte man bei 600mm eher noch etwas stärker abblenden, da feine Strukturen – wie es Federn bei Vögeln nun mal sind – etwas zum Zermatschen neigen. Bei nicht idealen Lichtbedingungen heißt das: den ISO hoch, denn der Verwacklungsschutz ist zwar tatsächlich nicht schlecht, kann aber auch keine Wunder vollbringen.

Mein erstes Foto machte ich im Hof vor meiner Wohnung. Dort hängt ein Nistkasten, in dem Meisen gerade Junge haben. Was super ist, da damit sicher ist, dass alle Minute ein Elternvogel zum Füttern vorbei kommt.

Die Bedingungen waren nicht 100% ideal: der Kasten hing im Schatten, es war hauptsächlich bewölkt und es war später Nachmittag. Meisen bewegen sich zudem gern etwas hektischer. Der Lichthunger des Objektivs einerseits und die Notwendigkeit, eine nicht zu geringe Verschlusszeit zu haben, bei gleichzeitig etwas geschlossenerer Blende, um auch am langen Ende des Objektives genug Schärfe für so ein fein strukturiertes Motiv zu erreichen hieß: ISO hoch auf 500, obwohl es heller Tag war. Das Ergebnis schaute wie folgt aus:

Vollformat ohne Crop – EXIF: 1/125 • f/9.0 • 600.0 mm • ISO 500 • NIKON D800

Und hier ein Ausschnitt in 100%. Man sieht durchaus ein paar Schwächen in der Schärfe, was natürlich auch daran liegt, dass bei ISO 500 nach dem Herausziehen der Schatten bei der Nachbearbeitung in Lightroom bei pixelgenauer Ansicht schon etwas Rauschen zu sehen ist und dieses Rauschen feine Linien und Kanten deutlich zerfasert, so dass man um etwas Unschärfe durch das notwendige Entrauschen nicht herum kommt.

Der Haupt“fehler“ allerdings dürfte in der noch zu geringen Auslösegeschwindigkeit liegen, mit 1/125 s ohne Abstützen aus der Hand (noch dazu noch ohne zu schnallen, dass ich den Stativ-Mount zur Seite drehen kann) habe ich dann doch ein wenig verwackelt. Man sagt ja „1/Brennweite = Verschlusszeit“ – das kann man getrost halbieren, wenn der Verwacklungsschutz aktiviert ist, und wer eine ruhige Hand hat – oder etwas, worauf man sich aufstützen kann, oder beides, kommt auch schon mal auch darunter. Aber 1/125 aus der Hand bei 600mm geht auch bei mir nicht mehr ohne leichtes Verwackeln.

Skalierung 100% – EXIF: 1/125 • f/9.0 • 600.0 mm • ISO 500 • NIKON D800

Das muss aber nicht heißen, dass das Foto „kaputt“ ist. Es kommt relativ selten vor, dass ein Foto tatsächlich Pixelgenau gezeigt werden soll, wie man am Foto oben sieht, als Gesamtbild bleiben die Details durchaus annehmbar, selbst wenn man nicht die vollen 7360×4912 Pixel beibehält sondern nur einen Ausschnitt aus dem Bild holt, von sagen wir also ca. 3400 Pixel Breite. Was aber auch hier deutlich sichtbar bleibt: der Farbkontrastverlust, der durch die Kombination Schatten und Rauschen entsteht.

Bei idealeren Bedingungen schaut die Sache dann auch schon anders aus. Das folgende Bild entstand bei Sonnenschein mitten am Tag.

Für die Auslösegeschwindigkeit von 1/320s bei ebenfalls etwas stärker geschlossener Blende musste ich selbst bei Sonnenschein schon den ISO etwas erhöhen. ISO 250 ist aber tatsächlich noch überhaupt kein Problem, insoweit stört mich das nicht.

Vollformat ohne Crop – EXIF: 1/320 • f/9.0 • 600.0 mm • ISO 250 • NIKON D800

In der pixelgenauen 100%-Ansicht sieht man dann schon noch sehr deutlich, dass das Objektiv am langen Ende nicht so scharf ist wie das lange Ende meines NIKKOR 70-300ers, aber dafür steckt hier ja auch die doppelte Brennweite drin.

Skalierung 100% – EXIF: 1/320 • f/9.0 • 600.0 mm • ISO 250 • NIKON D800

Für ein Objektiv, das nicht einmal mehr 1000 Euro kostet ist diese Abbildungsqualität am extremen Ende seiner Leistungsfähigkeit – wie gesagt, unterhalb der 600 mm muss sich das Tamron nicht hinter dem Nikkor 70-300 verstecken – durchaus annehmbar. Jedes Objektiv, das bei dieser Brennweite bessere Ergebnisse erzielt liegt deutlich außerhalb des Budgets, von dem wir hier reden.

Fazit

Das Tamron 150-300 ist ein Budget-Zoom, das ein durchaus sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis aufweist. Das heißt: es hat seine eindeutig identifizierbaren Schwächen, die belegen, dass man für unter 1000 Euro kein absolutes High-End-Produkt herstellen kann. Aber es beweist auch, dass man auch im Budget-Bereich brauchbare Produkte anbieten kann.

Brauchbar heißt: es ist gut verarbeitet, stabil, da wackelt nichts und es fühlt sich damit durchaus „wertig“ an. Der Autofokus arbeitet relativ schnell und präzise genug (bei schwachem Kontrast vertut er sich leider auch mal um ein paar Zentimeter), der Verwacklungsschutz ist gut – gut genug, um auch am langen Ende aus der Hand fotografieren zu können – die Mechaniken von Zoom und manuellem Fokus liegen ausgewogen zwischen angenehm leichtgängig und widerstandsfähig genug und die Abbildungsleistung ist wirklich gut über 3/4 der Brennweitenstrecke und im letzten Viertel brauchbar bis hin zu durchaus gut, wenn man etwas abblenden kann.

Die Schwächen des Objektivs verhindern, dass es ein Allrounder ist. Bei schlechteren Lichtverhältnissen braucht man es erst gar nicht aus der Tasche holen, es sei denn, man hatte eh vor, eine Langzeitbelichtung zu machen. Bei nicht ganz idealen Bedingungen braucht man eine Kamera, die gut mit hohen ISO-Werten umgehen kann.

Bei idealen Lichtverhältnissen aber gibt es kaum etwas auszusetzen – der einzige Kritikpunkt, der für mich dann noch bleibt ist die Notwendigkeit, allerspätestens ab 500mm aufwärts abblenden zu müssen, damit das Ergebnis ausreichend Schärfe aufweist, was bei der ohnehin nicht besonders hohen Lichtstärke und der Notwendigkeit, bei diesen Zoom-Stufen auch eine schnellere Verschlusszeit zu benötigen, natürlich schon wirklich weh tun kann.

Denn essentiell für gute Ergebnisse ist: Verschlussgeschwindigkeit hoch, je größer die gewählte Brennweite. Aus der Hand bedeutet das bei mir: ca. eine halbe Brennweitestel Sekunde (1/Brennweite/2 s) – vorausgesetzt, das Motiv bewegt sich nicht. Abgestützt oder mit einem stabilen Einbein kann man das noch etwas verbessern. Besser ist es aber, nicht unbedingt immer an die persönlichen Limits zu gehen.

Für einen hektischeren Vogel empfiehlt sich aber natürlich auch bei 300 mm schon eine deutlich schnellere Verschlusszeit als die nach dieser Rechnung 1/150 s.

Das Tamron kommt natürlich nicht an High End Objektive ran, für die man aber natürlich dann auch deutlich mehr auf den Tisch legen muss. Objektive im Preissegment 3.000 Euro bis 10.000 Euro liegen so deutlich außerhalb meines Budgets, solche Objektive würde ich bei Bedarf leihen (Es gibt da entsprechende Dienstleister, die das anbieten), aber ich könnte sie niemals kaufen.

Somit bin ich froh, mit dem Tamron ein Objektiv innerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten gefunden zu haben, das für die Zwecke, für die ich es haben wollte, sehr gut geeignet ist. Für rund 950 Euro leistet dieses Objektiv mehr als ich für diesen Preis erwartet hätte. Und ich freue mich schon darauf, das nächste Mal damit raus in die Natur zu gehen und genau die Fotos zu machen, die ich oft gern gemacht hätte aber bisher nicht machen konnte.

Aufmerksamkeitsökonomie in Zeiten der Empörung

Auf Facebook postete Patrick Breitenbach gestern folgenden Gedanken:

Jede Empörung hat das eigentliche Objekt der Empörung durch meine Timeline bei mir ins Bewusstsein gepostet. Ich hätte ohne eure Empörung vermutlich weder „Post von Wagner“ noch den Welt-Artikel gelesen. #aufmerksamkeitsökonomie

Anlass waren zwei konkrete unsägliche „Artikel“ in den Springerprodukten „BILD“ und „WELT“ rund um die Tragödie des Germanwings-Flugzeugabsturzes in Frankreich (die ich bewusst nicht verlinke, sie sind auch für das Folgende nicht relevant), die offenbar durch die Timelines der sozialen Medien gereicht wurden, zumeist mit einem Ausdruck der Empörung oder des Ekels, aber dennoch mit Link zu den jeweiligen Artikeln.

Im Lauf der Kommentierung schälte sich Patricks Kritikpunkt folgendermaßen heraus (so wie ich es verstanden habe):

Massenhafte Verlinkungen dieser und ähnlicher „Aufreger“ nutzen den Medien, die man eigentlich kritisieren möchte, da diese Backlinks erst die Klicks, die die Währung speziell von Online-Medien darstellen, generieren und diesen Artikeln bzw. deren Häusern erst recht Relevanz geben.

Dazu muss man freilich wissen, dass eine Webseite, die entsprechend hohe Aufrufzahlen nachweisen kann, mit diesen Zahlen den Preis ihrer Werbeflächen rechtfertigt. Es entsteht da also tatsächlich ein sehr konkreter auch monetärer Nutzen für solche Seiten.

Das war mir aus dem Ursprungsposting noch nicht erschließlich, denn da gings ja erst mal nur darum, dass er diesen Müll gar nicht gesehen hätte und somit auch nichts zum „Erfolg“ dieser Artikel bzw. Websites beigetragen hätte.

Mal außen vor gelassen, dass die Entscheidung, den Link wirklich zu klicken, ja die seine ist – ich klicke z.B. die „Briefe von Wagner“ nie an. Auch wenn ich Jens‚ großartigen @tweetsvonwagner-Twitter regelmäßig lese. Und trotzdem weiß ich meist, was dort oder in anderen so geteilten Artikeln drinsteht, da es neben den von Patrick kritisierten „Empörungslinks“ – also Links, die auf das Original nur mit einem „Unfassbar!“ oder „Das ist die Höhe!“ verlinken – genügend andere gibt, die sich tatsächlich kritisch-inhaltlich mit solchen Artikeln auseinandersetzen und dazu natürlich entweder Zitate bringen oder quasi nacherzählen, was da wohl zu lesen stünde. Ich nenne hier nur mal das BILDblog, aber das ist freilich nicht das einzige Blog oder Medium.

Letztlich aber geht es Patrick um die berechtigte Frage, ob man mit solcherlei Aufmerksamkeit, die durch die Empörung über solche und ähnliche Artikel, auch zu anderen Anlässen oder Themen, nicht erst die Aufmerksamkeit – und damit Relevanz – generiert, die diesen Medien zugesprochen wird. Und ob man solche Artikel – oder solches Gebahren – nicht besser „austrocknen“ sollte, indem man sie ignoriert und ihnen eben bewusst keine Aufmerksamkeit schenkt.

Die These wäre also: ein „Brief von Wagner“ würde in der Irrelevanz versinken, würden nicht hunderte Menschen empört auf das letzte Machwerk dieses Menschen verlinken. „Don’t feed the Troll“ quasi auf Medien übertragen.

Ich stimme dieser These teilweise zu, teilweise nicht. Ja, es gibt Fälle, auf die das zutrifft und für die Ignorieren tatsächlich die zielführendste Reaktion wäre. Und ja, in den seltensten Fällen ist es nötig, ein Original zu verlinken und diesem damit Klicks zuzuführen.

Aber ein weiterer IMO wichtiger Aspekt bei der Wahrnehmung von Dingen, die in der Öffentlichkeit stehen, heißt „Schweigen ist Zustimmung“ – ihr Publikum (oder überhaupt das Publikum von allgemein zweifelhaften Dingen wie der BILD an sich, das ist ja nicht nur der Wagner, der alleine ja völlig irrelevant ist, oder eben allgemein medialer Fehlgriffe, bewusst oder „aus Versehen“) erreichen diese Leute/Medien ja erst einmal trotzdem, und zwar mit durchaus Öffentlichkeit in entsprechender Breitenwirkung.

(Zu) viele Menschen lesen den Dreck ja auf jeden Fall. Und solange selbst eine Tagesschau sich nicht davor ekelt, eine BILD-Zeitung als Quelle für eine „Information“ anzugeben machen IMO ein paar Links zuviel es nicht fett, auch wenn auch ich mir wünschen würde, die Leute würden das nicht nur mit einem emotionalen Ausdruck verlinken sondern inhaltlich kritisieren. Und ja, noch besser, auf einen Link tatsächlich verzichten würden.

Medialen „Fehlleistungen“ allerdings nicht zu widersprechen, ebenso öffentlich wie so eine Veröffentlichung selbst es ja auch ist, würde aber etwas dort, in der Öffentlichkeit, so stehen lassen. Und zwar ohne einem Rezipienten der Zielgruppe zu sagen „Hey, du kannst den Dreck ja lesen, aber sei dir bewusst, es gibt einen Haufen Leute, die das für Dreck halten, und sie haben gute Gründe dafür! Denk mal drüber nach, ob du diesem Artikel wirklich zustimmst. Und dann denk mal darüber nach, ob du dir in Zukunft weiterhin diesen Dreck reinpfeifen willst und denen dafür auch noch Geld gibst!“.

Oder demjenigen, der es veröffentlicht hat, zu zeigen „Ich sehe, was du getan hast! Und ich weiß, dass du weißt, was du getan hast, egal, mit welcher zynischen Rechtfertigung du dein Gewissen beruhigen willst! Ich sehe es und viele andere sehen es auch! Du bist nackt, Kaiser!“

Dass sich das manchmal leider beißt, technisch bedingt, mit dem „Erfolgsmaßstab“ Klickanzahl, das ist ein Teil, in dem ich Patrick wie gesagt absolut Recht gebe. Das ist ein ein Problem, und um diesen Effekt so weit wie möglich so zu minimieren, dass er zumindest hinter dem Effekt des eigentlichen Widerspruchs zurücksteht, erfordert es in der Tat ein wenig Überlegung und Impulskontrolle.

Ich verlinke deshalb bei sowas nie direkt auf z.B. solche Artikel sondern eben auf welche, die sich damit beschägtigen, also BILDblog oder andere Blogs, einen Kommentar, ein Posting o.ä. (oder im speziellen Fall den „tweetsvonwagner“-Twitter-Account, der den Irrsinn so komprimiert, dass man schon völlig merkbefreit sein muss, um ihn nicht zu erkennen), so dass möglichst ein Sachkontext gegeben ist und idealerweise es nicht notwendig ist, einen „Klickgewinn“ für den Gegensatnd der Kritk zu generieren.

Die Kritik an etwas, das in die Öffentlichkeit gesendet wird und dort Wirkung entfaltet unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu äußern (Indem man den Autor direkt anschreibt, oder eine Redaktion) jedenfalls ist IMO nicht zielführend, wenn es eben um die Frage auch nach Standards für Dinge geht, die für die und in der Öffentlichkeit wirkmächtig sein wollen und genau dafür intendiert sind. Auf jeden Fall nicht bei Medien, die notorisch darin sind, jegliche ethischen Mindeststandards zu missachten. Denen geht das am Arsch vorbei, weil mans ja nicht sieht und damit keine Gefahr besteht, dass andere auf die Kritikwürdigkeit des eigenen Tuns ebenfalls aufmerksam werden.

In Fällen, bei denen man einen „Ausreißer“ vermuten darf mag das anders sein. Auch hier kommt es immer ein wenig auf den Fall und den Kontext an.

Am Ende ist es aber immer ein Abwägen. Man wird keine ideale Lösung (Im Sinne von „Aufmerksamkeit aufs Problem ohne Wirkung auf den aufmerksamkeitsökonomischen Effekt“) bekommen.

Bei manchen, ja, wäre Ignorieren tatsächlich eine effektive Methode. Das sind leider relativ wenige, aber bei denen wünschte auch ich mir, dass man diese über den Weg des „alleine stehen lassens“ irrelevant lässt. Das sind Fälle, die für sich genommen – also in der Sache – tatsächlich auch erst mal irrelevant wären und ihre vermeintliche Relevanz erst durch die empörte Aufmerksamkeit bekommen. Und ja, leider passiert es in diesen Fällen auch zu oft, dass Aufmerksamkeit erst geschaffen wird, weil man sie empört verlinkt.

Wenn die Aufmerksamkeit durch die Sache selbst aber schon von vornherein gegeben ist, kann man etwas nicht im umgekehrten Falle in die Irrelevanz „zurück“ schubsen. Denn es ist kein „zurück in die Irrelevanz“, wenn sie dort nie war, weil etwas seine Relevanz durch seinen Inhalt oder Kontext bereits hat. Heißt, da „bekommt“ etwas nicht erst Aufmerksamkeit. Sondern da begibt sich etwas in einen Aufmerksamkeitsbereich und hat an dieser Teil, völlig unabhängig davon, ob jemand das ignoriert oder nicht.

Hier sind dann kreativere Möglichkeiten der Auseinandersetzung gefragt. Die u.a. einerseits dem Umstand Rechnung tragen, dass ein relevanter Kontext bedeutet, dass Ignorieren oder außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung agieren einen öffentlichen Diskurs (z.B. um ethische Maßstäbe) wegen des „Schweigen ist Zustimmung“-Effektes nicht unterstützt, wenn nicht sogar ihm schadet.

Aber eben auch ökonomische Effekte berücksichtigen. Direkt, indem man eben nicht verlinkt. Indirekt, weil eine öffentliche Empörung über die Methoden der BILD & Co. bei der BILD zwar nichts ändern mag. Aber vielleicht bei manchen ihrer Leser. Oder bei anderen Medien, die sich bislang nicht entblödeten, sich auf diese zu beziehen und ihr damit ständig und dauerhaft weit mehr Relevanz zuschanzen als es hundert empörte Links tun könnten.

Man darf IMO den anderen Medien, die zumindest versuchen, Standards einzuhalten und wenigstens noch ein bisschen Anspruch haben, seriös sein zu wollen, nicht den Eindruck vermitteln, dass ein Einhalten ethischer Maßstäbe nicht mehr „zeitgemäß“ sei, wie manche Medienvertreter tatsächlich argumentieren. Deshalb ist es IMO wichtig, diejenigen, die das noch tun, zu unterstützen und denen, die es nicht tun, zumindest deutlich zu sagen: „Wir sehen, was ihr hier tut!“ – Und damit denen, die in ihren ethischen Einschätzungen straucheln ein klares Bild davon anbieten, wo die Grenzen sind und ihnen deutlich machen, dass ein Überschreiten solcher Grenzen nicht schweigend hingenommen wird.

Dass sich N24 versuchte, per Twitter für ihre „Berichterstattung“ über Name, Adresse und Zeigen des Hauses der Familie des Germanwings-Copiloten zu entschuldigen und gelobte, es in Zukunft anders zu machen, zeigt ja: so ein Feedback kommt durchaus an. IMO auch da, wo man sich wegduckt und nicht reagiert. Und egal, ob in dem speziellen Fall das nur geheuchelt sein mag oder wirklich ernst gemeint ist.

Denn am anderen Ende sitzen auch immer Menschen. Einige von denen mögen sich versuchen hinter einer Wand von Zynismus oder falsch verstandener „professionenellen Distanz“ zu verstecken, um sich noch morgens im Spiegel ansehen zu können ohne vor Scham im Boden zu versinken.

Aber wenn die Tagesschau auf Facebook ihre Zuschauer fragt, ob die von ihr bislang praktizierte Nichtnennung von Namen vielleicht „nicht mehr zeitgemäß“ sei, da andere solches bewusst täten, weil diese Informationen ja sowieso von wiederum anderen schon längst veröffentlicht wurden und „im Netz zu finden“ seien, dann ist das ja auch ein Zeichen dafür, dass da Unsicherheiten bezüglich der Standards bestehen. Dass „andere das auch tun“ ist aber natürlich eine der billigsten Rechtfertigungen, die es gibt, bekannt von Spielplatz und Kindergarten.

Wenn andere ethisch fragwürdig handeln ist es deshalb IMO erst Recht wichtig, den Wunsch nach ethischem Handeln und humanistischen Anstand entgegen zu setzen. Denn was würde das bedeuten, wenn der Verzicht auf ethische Maßstäbe, mit der Rechtfertigung, „andere machen es auch“, „zeitgemäß“ würde?

Nein, es ist wichtig, zu zeigen, dass es auch anständig geht. Und es ist wichtig, das einzufordern, auch öffentlich. Die zu loben, die es tun. Die zu tadeln, die es nicht tun.

Das mag nicht verhindern, dass manche dennoch auf Anstand pfeifen. Aber wie gesagt: da stehen auch Menschen dahinter, und hinter ihrem Zynismus und ihrer „professionellen“ Empathielosigkeit nagt auch bei ihnen ein Gewissen. Ein Beispiel ist die besagte (freilich zu späte) „Entschuldigung“ von N24, die gemerkt haben (oder es zumindest vorgeben, aber auch das bedeutet zumindest, dass sie es wissen, dass es diese Grenze gibt), dass sie eine Grenze überschritten haben. Solche Grenzen bleiben erkennbar dadurch, dass sich andere noch dran halten. Und dass Rezipienten – Leser, Kunden, eben „die Öffentlichkeit“ die Einhaltung dieser Grenzen fordern und ein Überschreiten dieser Grenzen anprangern. Egal, wie „unzeitgemäß“ es mancher Zyniker halten mag.

Und ja, manchmal passiert das auch mit purer Empörung und einer Verlinkung, ohne drüber nachzudenken, die dem Objekt der Kritik vielleicht kurzfristig sogar mal mehr nutzen als schaden mag. Und ohne geschliffen formulierte Worte dazu, die die so ausgedrückte Emotion der puren Empörung durchdacht mit sachlicher Kritik begründet. Ja, ich würde mir wünschen, jede_r täte letzteres. Ja, ich würde mir wünschen, Aufmerksamkeiten wären allgemein etwas nachhaltiger und reflektierter. Und auch ein bisschen konsequenter. Aber nicht jede_r hat die Zeit, die Muße, die schriftliche Eloquenz oder die Impulskontrolle, auf solche Ärgernisse jedesmal „richtig“ zu reagieren.

Aber wisst ihr was? Noch schlimmer glaube ich fände ich es, wenn ich solche Fehlleistungen mancher Medien mitbekomme und von meinen diversen Timelines dazu keine Reaktion käme. Es mag sein, dass die ein oder andere Reaktion, die mir da über den Weg läuft, dabei auch mal streng genommen (zu) unbedacht, impulsiv und emotional ist. Aber es ist ja niemand gezwungen, die Links tatsächlich anzuklicken. Ich, wie gesagt, tu es so gut wie nie, denn es ist meist nicht notwendig. Aber auch diese Reaktionen zeigen mir: der Bullshit wird erkannt als Bullshit. Das ist am Ende auch gut für mein grundsätzlich positives Menschenbild. Ich finde es gut, dass Menschen in meinem Umfeld sich noch über solche Dinge aufregen. Und es ihnen nicht zynisch oder resigniert am Allerwertesten vorbei geht.

Und dieses Menschenbild, das mich davor bewahrt, selbst zum Zyniker zu werden, ist mir tausendmal wichtiger als der Gedanke daran, dass da ein BILD-Artikel vielleicht ein paar tausend Klicks mehr erhält als ihm zustehen. Denn es sagt mir: die Zyniker und Arschlöcher in der Welt mögen zwar existieren und sie mögen auch zu viel Aufmerksamkeit bekommen.

Aber sie sind eine Minderheit. Und sie werden als das, was sie sind, erkannt. Arme kleine Würstchen, die ihre grundsätzliche Bedeutungslosigkeit auch nicht damit verhindern, dass sie kurze Aufmerksamkeit erlangen, weil man ihren Zynismus und ihre ethische Armseligkeit für ein paar Tage in das Licht der Öffentlichkeit zerrt.

 


Elite:Dangerous – Startertipp

Ich habe angefangen, Elite:Dangerous zu spielen und hing anfangs extrem an dem Umstand fest, dass ich – neben dem Elite-typischen Problem, dass es keine richtige Anleitung gab – nicht wusste, wie ich aus dem extrem demotivierenden Startpunkt mit einem Schiff, mit dem man nichts anfangen kann und wenig Startgeld in einen Zustand kommen könnte, in dem es anfängt, Spaß zu machen.

Ich las dann irgendwo, dass man mit „Mining“ relativ schnell Geld verdienen konnte und nach einigen Youtube-Videos, die mir jeweils Teile dessen zeigte, wie man das macht probierte ich das aus. Und es klappte sehr gut. Vielleicht hab ich einfach nur nicht das richtige Tutorial gefunden, aber ich fand jedenfalls keins, das mir „mal eben“ zeigt, wie das eigentlich geht. Drum dachte ich, ich mach selber mal eins.

Die Sidewinder als Starterschiff ist ein Furunkel am Hintern, das einem extrem schnell den Spaß am Spiel rauben kann. Mit Mining bekommt man diesen unnützen Schrotthaufen schnell los und kann es mit der Adder, dem ersten Schiff, mit dem man ansatzweise was anfangen kann, ersetzen.

Das Video lag jetzt schon eine ganze Weile bei mir rum, ich kam einfach nicht dazu, es früher hochzuladen. Gestern abend dachte ich aber endlich mal dran, das zu tun.

Inzwischen hab ich die erwähnte Cobra MK III, die Credits dafür hab ich mir ebenfalls mit Mining verdient. Und mit den vielen Kopfgeldern, die ich verdiente, weil es offenbar viele NPC (und real player) Piraten gibt, die dachten, eine etwas besser ausgebaute Adder sei ein leichtes Ziel *g* (Man sieht im Video ja, wie ich eine Cobra MK III abschieße (wobei das auch ein extrem dummer NPC war), obwohl das ein weitaus besseres Schiff ist als die kleine Adder *g*).

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Meine Cobra, von Jens‘ Cockpit (ebenfalls Cobra) aus gesehen.

 

Und irgendwann bekomme ich es auch mal hin, dass die Tonspur und die Filmspur die selbe Geschwindigkeit haben. Irgendeine Einstellung in meinem Mitschneidetool scheint da noch nicht zu passen, denn eigentlich sollte das nicht passieren, wenn Bild und Ton gleichzeitig aufgenommen werden…

 


Me für die C3S auf der Berlin Music Week

Da saß ich doch vor einiger Zeit schon mit Wolfgang und Bruder für die alternative Musikverwertungsgesellschaft C3S auf der Bühne der Berlin Music Week. Dafür, dass ich nur einen halben Tag Vorbereitung hatte (in dem Sinne, überhaupt zu wissen, um was es geht, da ich kurzfristig für Meinhard eingesprungen bin), hab ich mich bis auf einen kleinen Aufregungsbedingten Fadenverlierer bei der ersten Wortmeldung gar nicht so doof angestellt, stelle ich beruhigt fest 🙂

Direktlink: https://www.youtube.com/watch?v=THn3GqKCXm4


Was soll das mit diesem „Straight out of Camera“?

[Dieses Posting erschien zuerst im „Fotoschraubr“-Blog, das leider nicht mehr existiert, weshalb ich es aus der wayback-machine rauskopiert habe.]

In den letzten Monaten bin ich immer mal wieder über die Abkürzung „SOC“ oder „SOOC“ gestolpert, bzw. auch über Profile in Fotocommunities, in denen sich die Kontoinhaber dafür rühmten, ihre Bilder nicht „nachzubearbeiten“ – was dann wohl „Straight out of camera“ genannt wird.

Wenngleich ich durchaus den sportlichen Reiz sehe und anerkenne, ein Foto so zu schießen, dass man daran nicht mehr viel in Lightroom oder Photoshop drehen muss, um ein gut aussehendes Bild zu haben, so wundere ich mich oft, wie wenig manche(!) Verfechter dieses Prinzips über die Art und Weise zu verstehen scheinen, wie fertige Fotos – also Abzüge, sei es analog auf Fotopapier oder digital als JPG – entstehen. Anders kann ich mir jedenfalls die Mythen, die rund um diesen Ansatz herumspuken, nicht erklären.

Als Reaktion auf die inflationäre Tendenz der letzten Jahre, Bilder „überzubearbeiten“, mit all den bonbonfarbenen HDR-Bildern, die aus 3, 5 oder gar zig überlagernden Einzelaufnahmen zusammengesetzt werden und/oder auch noch dazu exzessiv irgendwelche „Filter“ draufzulegen, kann ich diese „Bewegung“ auch nachvollziehen, als so eine Art „zurück zur Natur“. Aber wenn man sich die Funktionsweise digitaler Kameras anschaut, muss man doch feststellen, dass sich manche Leute hier was vor machen, wenn sie glauben, dass diese Technik das „authentische“ Gegenstück zu nachbearbeiteten Fotos sei…

Speziell im digitalen Bereich ist es ja so, dass die einzige Möglichkeit, ein völlig „unbearbeitetes“ Bild zu bekommen, ist, die Bilder im RAW-Format zu speichern. Denn nur in diesem Format wird die Aufnahme nicht von den internen Bildbearbeitungsroutinen der Kamera verarbeitet sondern eben (nur) das abgespeichert, was der Sensor der Kamera liefert. Deshalb sind die Vorschaubilder von RAWs, wenn man sie auf dem Rechner in den RAW-Konverter der Wahl holt, im Normalfall eher unspektakulär: tendenziell etwas grauer, weil eben keinerlei Kontrast, Sättigung, Dynamik etc. optimiert werden.

Es sei denn, man bleibt in der Infrastruktur der Kamera, also z.B. arbeitet mit dem Konverter von Nikon, um Nikon-RAWs zu öffnen. Oder Canon. Oder Sony. Oder was auch immer. Da wird dann schon ein eventuell voreingestelltes Profil, das die Kamera dem RAW zugewiesen hat (einzustellen im Kameramenü) mit übernommen.

Andere Konverter, z.B. Lightroom, lesen dieses spezielle Profil nicht mit aus, sondern liefern eine – allerdings auch schon nach eigenem Profil leicht optimierte – Vorschau, die deshalb meist stark von dem abweicht, was man in der Vorschau der Kamera zu sehen bekam, sofern man dort nicht alle Optimierungen (z.B. ein D-Light-Profil) abgestellt hat.

Die Logik hinter einem RAW-Format ist ja die, dass dieses Format deshalb gewählt wird, um mehr – heißt eine natürlichere Bandbreite – von Bildinformation zu erreichen, um daraus die Bereiche herausholen zu können, auf die es einem ankommt.

Das heißt, RAW wähle ich gerade deshalb, damit ich einen Abzug herausarbeiten kann, der im Idealfall genau das abbildet, was ich wollte und wie ich es wollte.

Da ein RAW also explizit für eine Nachbearbeitung gedacht ist (weshalb man ein RAW ja auch nicht ohne entsprechende Hilfsmittel, sprich Konverter, der die Informationen auf eine Standard-8-Bit-Ansicht runterrechnet, „einfach so“ angucken kann), ist es auch logisch, dass so ein RAW erst einmal nach wenig aussieht.

Also matt, grau, je nach Objektiv vielleicht sogar verzerrt, usw. – eben so „durchschnittlich“ wie möglich. Weil es sich nicht als Endergebnis sondern als Ausgangsmaterial versteht, das die Möglichkeit zu Optimierungen in möglichst verschiedenste Richtungen bereit halten soll. Und damit explizit nicht darauf ausgelegt, von vornherein möglichst „gut“ auszusehen.

Somit wäre ein RAW für „SOOC“ ungeeignet, weil die Kamera so ausgelegt ist – vom Objektiv bis zum Sensor – hier ein möglichst „durchschnittliches“ und damit flaches Ausgangsmaterial zu liefern, damit es möglichst viel Potential für verschiedenste „Abzüge“ beinhaltet.

Konsequenterweise müsste also direkt der „Abzug“ fotografiert werden, also das JPG. Ist das aber jetzt wirklich das „authentische“ Foto?

Wenn die Kamera selbst (nur) ein JPG abspeichert, also das Äquivalent zum analogen Abzug, den man sich ins Fotoalbum klebt, dann nimmt sie ebendiese RAW-Information und weist ihr eine ganze Reihe Parameter zu – macht also nichts anderes als die/derjenige, die/der ein RAW in einen RAW-Konverter reinholt, dort ein paar Optimierungen einstellt und dann ein JPG exportiert.

Da wird also auch, je nach gewähltem Profil, die Objektivverzerrung ausgeglichen, entrauscht, etwas nachgeschärft, eine Dynamik-/Kontrastkurve zugewiesen, die Sättigung optimiert usw. usf..

Der einzige Unterschied: es wird ein Standardprofil, das für jedes Foto gleich ist, zugewiesen (was ich genau genommen im Konverter natürlich auch tun könnte, z.B. indem ich einfach per Batch-Funktion einem kompletten Ordner ein Profil zuweise und in JPGs konvertieren lasse, ohne jedes einzelne Bild anzugucken.).

So wie früher, als man seine belichteten Filme zu Quelle schickte, damit sie diese entwickelten und Abzüge machten. Die Belichtungsmaschine hat dafür auch irgendeinen Standardwert gehabt, mit dem alle Bilder gleich aufs Fotopapier projiziert wurden.

Und wenn ich die selben Negative woanders hinschickte, wo anderes Fotopapier und andere Grundeinstellungen genutzt wurden, sahen die Abzüge eben auch anders aus.

Dennis Stocks berühmtes James Dean-Portrait mit Bearbeitungsmarkierungen von Pablo Inirio (Quelle)

Wenn ich ein Negativ aber zu einem Fotostudio brachte, das aus genau diesem Bild einen möglichst guten Abzug machen sollte, dann war das zwar teuer, aber es kam auch ein weit besserer Abzug raus, als jede Standardeinstellung einer Maschine es konnte. Logisch, wenn man eine auf ein spezielles Negativ und auf das gewünschte Ergebnis abgestimmte Belichtungszeit, Entwicklungszeit, Papier etc. pp. anwendet.

Und da ist noch nichts abgewedelt, partiell extra belichtet, gefiltert und was es alles noch so an Möglichkeiten gibt, ein analoges Bild zu optimieren.

Und natürlich wurden und werden diese Möglichkeiten von Analogfotografen auch schon immer genutzt. Auf dem Blogartikel, wo ich das James Dean-Foto fand, gibts noch viel mehr tolle Beispiele. Den hab ich mir gebookmarked, um ihn jedem um die Ohren zu pfeffern, der mir mit dem Blödsinn „Ein richtiger Fotograf, der was kann, muss nichts mehr nachträglich an seinem Bild schrauben. Früher gabs auch kein Photoshop!“ daher kommt ?

In digitalen Zeiten ist das nicht anders, wie gesagt: ein in der Kamera erzeugtes JPG ist nichts anderes als ein Abzug eines RAWs, das durch ein entsprechendes Bearbeitungsprofil gegangen ist.

Das heißt, so ein JPG ist technisch kein Unterschied zu einem, das nach einer entsprechenden Bearbeitung über einen RAW-Konverter erzeugt wurde. Außer dem, dass es keinerlei individuelle Rücksichten auf das jeweilige Motiv nimmt, sondern jede Aufnahme mit den selben Werten nachbearbeitet.

Ich möchte allerdings auch nicht falsch verstanden werden, denn wie anfangs gesagt: das kann ja durchaus als eine sportliche Herausforderung genommen werden: eine Aufnahme so zu machen, dass ein mit einem Standardprofil erzeugter Abzug so gut wie möglich aussieht. Also so wie früherTM, wenn man seinen belichteten Film für Abzüge in ein großes Fotostudio, zu Quelle oder wohin auch immer schickte, weil man selbst kein Fotolabor im eigenen Badezimmer unterhielt oder sich nicht den Gang zu einem individuellen leisten konnte oder wollte.

Ich gebe zwar zu, dass ich mich in dem Fall frage, warum das jemand tun sollte, denn damals machte man das halt, weil man selbst keine Dunkelkammer hatte oder selbst wenn, diese nicht für jeden Urlaubsfilm aktivieren wollte, weil es einfach ein riesen Aufwand war, wenn man nicht wirklich ein komplettes Zimmer der Wohnung dauerhaft für eine solche Funktion zur Verfügung stellen konnte, und das dürften die wenigsten gewesen sein.

Es ist ja eben der große Vorteil der digitalen Technik, bzw. eine große Freiheit, dass so eine digitale Dunkelkammer (Also ein PC und eine entsprechende Software) vergleichsweise günstig ist, so dass die Eintrittsschwelle in den Zustand, das beste aus seinen individuellen Bildern rausholen zu können, in keinem Vergleich mehr steht zu analogen Zeiten. Man kann sagen, dass die digitale Revolution hier tatsächlich eine Demokratisierung ermöglicht hat.

Ich möchte niemandem den Spaß an dieser sportlichen Herausforderung nehmen. Aber ich möchte doch schlicht darum bitten, hier keinen Mythos um „SOOC“ aufzubauen, der a) faktisch schlicht nicht stimmt und b) behauptet, „SOOC“ sei in irgendeiner Form die „wahre“, die „authentische“ Form des Fotografierens, und Nachbearbeitung von Bildern sei ein Zeichen dafür, dass ein Fotograf sein Handwerk oder Hobby nicht verstehe und deshalb „schummeln“ müsse.

Es geht nicht um die Frage „Nachbearbeitung oder keine“. Sondern schlicht um die Frage „Wohin möchte ich mit meiner Nachbearbeitung“. Also wie das Bild aussieht, das am Ende rauskommt.

Und dafür ist es völlig egal, wie es nachbearbeitet wurde, also individuell händisch oder automatisiert innerhalb der Kamerasoftware.

„Bearbeitung“ ist nicht das selbe wie „Verfälschung“. Ob ich ein knallbuntes HDR erzeuge oder eine möglichst naturnahe Wiedergabe wird nicht über die Frage „ob“ ich nachbearbeite bestimmt. Sondern über die nach dem „Wie“ bzw. „Wohin“.

Also: habt Spaß, die ihr „SOOC“-Bilder schießen möchtet, an dieser technischen Herausforderung, möglichst auf das aktive Bearbeitungsprofil der Kamera passende Einstellungen zu finden. Ich habe sehr sehr tolle Fotos gesehen, die mit diesem Kürzel gelabelt wurden.

Aber denen unter euch, die aus „SOOC“ einen Mythos machen und daraus eine Arroganz entwickeln gegenüber denen, die ihre Bilder im „digitalen Fotolabor“ bearbeiten und ihre Abzüge über diesen Weg erstellen sei gesagt: ihr macht euch was vor.

Kleiner Rant Ende

Fotos, Fotos, Fotos

Mir fällt grade auf, dass ich hier noch gar nicht meine vielen neuen Fotos gezeigt habe – das will ich doch gerade mal nachholen, bevor ich das völlig vergesse. Es war nämlich eine Menge los seit dem letzten Update im Frühjahr. Los gehts mit dem…
 

August: England

Im August war ich mit Karan noch einmal in England. Zweimal im selben Jahr auf die Insel zu kommen schaffe ich ja eher selten (genau genommen bislang nur einmal zuvor), und im Sommer war ich noch nie da.

Auch diesmal begannen wir die Tour wieder mit einem Stop in Glastonbury und machten auf dem Weg dorthin eine Zwischenlandung in Avebury.

Avebury
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Das Video zu „Aus Atlantis“ ist fertig

„Aus Atlantis“ ist wohl einer unserer melancholischsten Songs, da uns manches auf diesem Planeten tatsächlich sehr ratlos zurücklässt. Und Diana Kennedy hat die Stimmung und Farbe des Songs perfekt eingefangen! Ich bin hin und weg.

Ach ja, wer am 4. Oktober Zeit und Lust hat: kommt doch einfach mal im PiPaPo in Bensheim vorbei. Wir wollen das WESTWIND Release mit einem Konzert feiern. Wir haben einen Haufen alte und brandneue Songs vorbereitet.
 


Warum ich jetzt halt doch Pazifist bin…

…und sich diese Haltung mit jedem Jahr, das ich älter ich werde, verstärkt hat.

Ich bin ja nun schon ein paar Jährchen alt. Sechzehnunddreißig werde ich dieses Jahr. In meiner Jugendzeit tobte der kalte Krieg, der, wie wir inzwischen wissen, nur durch Zufall und weil am Ende einer Befehlskette ein Mensch saß, der sein Hirn nicht abgeschaltet hatte, nicht heiß wurde. Und wer weiß, wie viele Beinahekatastrophen es noch gab, die nicht so bekannt geworden sind wie diese zwei.

Nach den vielen kleinen Stellvertreterkriegen dieser Zeit kamen dann Irakkrieg 1, Yugoslawien, Irakkrieg 2, Afghanistan und viele mehr, Israel war sowieso immer Thema, eine der größten Katastrophen und Enttäuschungen war Rabins Ermordung, die die beste und seit langer Zeit einzige Hoffnung auf Frieden seit Jahrzehnten da unten mit nur drei Kugeln für weitere Jahrzehnte zerstörte, indem man das zum Anlass nahm, das Gegenteil dessen zu tun was Rabin wollte, damit die Mörder gewinnen ließ und Rabin so doppelt verriet.

Ich war nicht immer Pazifist. Hm, stimmt nicht, ich war es eigentlich schon, aber ich hätte mich nicht immer als solcher bezeichnet. Warum ich jetzt halt doch Pazifist bin… weiterlesen

Star Citizen

Star Citizen Testflug from Sven Scholz on Vimeo.

Früher(TM) hab ich ja gern am PC gespielt. Aber in den letzten Jahren hat das irgendwie stark nachgelassen. Nicht unbedingt, weil ich grundsätzlich keinen Bock mehr auf Computerspiele gehabt hätte, aber es gab einfach zu wenig, was mich gereizt hätte.

Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass ich schon immer am liebsten „geflogen“ bin und aber auch Flugsimulatoren noch irgendwas spezielles mitbringen mussten, um mich auf Dauer zu begeistern – meine ersten Spiele für den PC waren „Wing Commander“ und Red Baron“, und beide setzten damals Standards.

Red Baron hatte dabei eine einmalige Zusatzfunktion, nämlich, dass man seine Flüge mitfilmen konnte und hinterher richtige Actionfilme, mit frei setzbaren Kameras usw. zusammenschneiden konnte. Mindestens so viel Spaß wie am Fliegen hatte ich da, die besten Einsätze zu rasanten Actionfilmen zu schneiden.

Über Wing Commander muss man denke ich nicht viel erzählen – es war die Spieleserie, für die man sich fast jedes mal, wenn der nächste der Reihe rauskam, einen neuen PC kaufen musste und das auch oft tat. Von Anfang an hatte Chris Roberts, der Erfinder der Serie, es geschafft, den Spagat zwischen Action und Simulator in genau dem richtigen Maß hinzubekommen, kein anderes Weltraumgeballer machte mir so sehr Spaß wie das, nicht einmal die Star Wars-Games kamen da ran, obwohl ich auch X-Wing vs. Tie Fighter innig liebte.

Spätestens nachdem ab dem dritten Teil die Zwischenszenen mit echten Filmen realisiert wurden (und jede weitere Folge doppelt so viele CDs in der Packung hatte als die vorige – nein, DVDs gabs noch nicht) und diese mit echten Schauspielern – Mark Hamill, John Rhys-Davies, Malcolm McDowell und viele andere – realisiert wurden, war Wing Commander eine eigene Liga für sich. Mein Lieblingspart war der vierte, wegen der sehr politischen Story. Ich hätte nie gedacht, dass mich mal ein Spiel wegen seiner Story völlig beeindrucken würde.

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Ich denke, dass es eben auch diese Storylines waren, und wie diese ins Spiel integriert wurden, die die besondere Atmo von Wing Commander ausmachte. Dass Chris Roberts „filmisch“ denkt, hat er ja später auch bewiesen, als er mit „Lord of War“ einen Kinoerfolg hinlegte – und das Kunststück fertig brachte, einen Film zu machen, der nicht nur trotz sondern sogar wegen Nicolas Cage in der Hauptrolle zu Recht ein Erfolg wurde. Ich meine: Nicolas Cage! Der kriegt normalerweise jeden Film tot!

Nach einigem Frust mit von den Spieleherstellern zu früh veröffentlichten und entsprechend verbuggten Wing Commander Derivaten und auch wegen „Das muss auch auf Konsole funktionieren!“-Forderungen der Firmen war es lange still um die Serie. Bis Chris Roberts auf die Idee kam, es über Crowdfunding zu versuchen. Nachdem es überall hieß „Nur für PC? Keine Konsole? Das will doch niemand“ wandte er sich an die Spieler selbst. Und bastelt jetzt mit einem zur Zeit auf rund 48 Millionen Dollar angewachsenen Budget, das mit Riesenschritten auf die 49 Mio zusteuert, an dem Spiel, wegen dem ich mir jetzt wieder einen neuen Computer und einen neuen Joystick gekauft habe.

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Eine Alphaversion einiger Module sind – auch zu Bugfixing-Zwecken – für Backer spielbar. Ich kann jetzt schon sagen: es macht einen mordsmäßigen Spaß! Und ja, man kann noch zusteigen

Update 28.9.: Patch 13.0.2 ist da. Der Business Hangar hat einen Facelift bekommen und heißt jetzt „Aeroview Hangar“. Ich hab ein weiteres Video gedreht. Ich lauf da ein bisschen im neuen Hangar rum und mach dann noch einen kleinen Rundflug mit der Hornet. Ach ja, die Mucke ist wieder von mir.

Star Citizen Rundgang & Testflug from Sven Scholz on Vimeo.

 

Musiktipp: „The Great Escape“ von Ingo Vogelmann

Ingo Vogelmann (ja, der Produzent meiner Band) hat über die letzten Tage da ja einen Countdown runtergezählt. Ich wusste ja schon was kommt, weil er mich schon hat reinhören lassen – ein bisschen hibbelig musste ich aber warten, bis „The great escape“ auch offiziell zu haben ist durfte ich nicht viel verraten. Jetzt ist es soweit. Musiktipp: „The Great Escape“ von Ingo Vogelmann weiterlesen

Alle Jahre wieder: England im Frühjahr

Schon eine Weile her, aber die Zeit, die Zeit…

Eine schöne Tradition seit einigen Jahren ist es für mich, im Frühjahr einen Englandtrip zu unternehmen. Anlass war und ist die Musik, denn im März oder April findet in London eine „FAWM Over Party“ statt, auf der sich Teilnehmer des „February Album Writing Month“ treffen und einige ihrer Ergebnisse des Februars zum Besten geben.

Ich mache seit einiger Zeit ja auch da mit, allerdings kann ich meine Songs dort nicht spielen, weil die meist orchestrale Instrumentals sind, die man nur zusammen mit 10 Leuten spielen könnte. Karans und Dukes Songs sind da geeigneter, und so übernehme ich da, ebenfalls traditionell, deren rhythmische Begleitung.

Leider war es uns bislang erst ein einziges Mal vergönnt, in voller Bandbesetzung diesen Trip zu unternehmen, das war vorletztes Jahr. Dieses Jahr reisten wir also wieder in 2/3-Besetzung. Aber wie schon in den Jahren zuvor sahen wir viele Freunde wieder, in Devon wie in London, quatschten dabei viel und machten, natürlich, eine Menge Musik.

Und ich konnte wieder eine Menge Fotos machen, und diese Leidenschaft ein weiteres Mal weiter entwickeln. Alle Jahre wieder: England im Frühjahr weiterlesen